Medien und Schule

Schüler wollen mehr Medienbildung
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Die Schüler heute leben in einer Zeit allgegenwärtiger mobiler Computer und digitaler Endgeräte. Die meisten wünschen sich mehr Medienbildung in der Schule, um sicherer im Umgang mit Bildrechten, Datenschutz und Co. zu lernen.

Die aktuelle Generation der Schüler nennen wir Digital Natives, denn sie werden mit den digitalen Medien groß. So sind von den 10 bis 11-Jährigen schon 94 Prozent im Internet unterwegs, 85 Prozent der 12 bis 13-Jährigen hat bereits ein Smartphone und insgesamt 9 von 10 Schülern geben an, ein Mobiltelefon mit in die Schule zu nehmen. Auch die sozialen Netzwerke sind von den Schülern bevölkert: Die Nutzung beginnt mit 10 bis 11 Jahren und in dieser Altersgruppe sind bereits 10 Prozent der jungen Internetnutzer in den Social Media aktiv. Unter den 12- bis 13-Jährigen sind es 42 Prozent, bei den 14- bis 15-Jährigen 65 Prozent und bei den 16- bis 18-Jährigen 85 Prozent.

Medienbildung für die Digital Natives

Obwohl die jungen Digital Natives aber von vorneherein mit diesen Medien aufwachsen, fehlt es ihnen häufig an Anleitung, wie man diese verantwortungsvoll benutzt und so werden vor allem Soziale Netzwerke oder Anwendungen, die die Eingabe von persönlichen Daten erfordern, oft zu leichtfertig genutzt.

Das Problem ist hier wohl eine tiefgreifende Diskrepanz, was die Medienbildung der verschiedenen Generationen angeht. Die Eltern und Lehrer sind erst spät mit den modernen Technologien in Berührung gekommen und haben oft selbst Schwierigkeiten im Umgang mit diesen. Die Generation Y zählt zwar auch zu den Digital Natives und ist technologieaffin, aber zumindest noch ohne die Allverfügbarkeit von Computern und mobilen Endgeräten aufgewachsen. An dem Zeitpunkt, an dem sie sich mit Themen wie Datensicherheit auseinandersetzen mussten, hatten sie schon ein Alter erreicht, in dem sie die Auswirkungen ihrer Aktivitäten im Netz abschätzen konnten und viele Millenials haben sich nach wie vor eine gewisse Skepsis aufrechterhalten.

Anders die Generation Z, die zur Zeit die Schulbänke drückt. Die nach dem Jahr 2000 Geborenen sind von Kindesbeinen an umgeben von Tablets, Smartphones, Computern und anderen digitalen Gadgets und durchlaufen so eine andere Entwicklung als die Generationen davor.

Die jungen Digital Natives haben zwar alle Möglichkeiten, die digitalen Medien zu nutzen, werden aber auch mit den Problemen, die damit einhergehen, konfrontiert. Nachrichten von Cybermobbing, Live-Streams aus dem Kinderzimmer und viele offenherzige Fotos machen die Runde im Internet. Damit hier kein Schaden entsteht, ist eine fundierte Medienbildung besonders wichtig. Wer aber soll diese vermitteln, wenn Eltern und Lehrer größtenteils aus der technologiefernen Generation Z stammt?

Medienbildung ist Aufgabe des Bildungssystems

Hier muss sich etwas am Bildungssystem ändern und neben den dringend gebrauchten Programmier-Fähigkeiten sollte auch im Rahmen von Medienbildung der richtige Umgang mit den digitalen Medien vermittelt werden. Es gibt ein großes Interesse der Schüler, Themen der digitalen Welt im Unterricht zu behandeln.

„Die Schule muss Wissen rund um das Internet und insbesondere zu sozialen Netzwerken fächerübergreifend vermitteln“, sagt BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. „Diese Wissensvermittlung ist aber nur dann nachhaltig, wenn auch ein technisches Grundverständnis vorhanden ist. Dies kann nur durch einen verpflichtenden Informatik-Unterricht erworben werden. Unser Nachwuchs sollte lieber eine Programmiersprache wie Java oder PHP erlernen anstatt Latein.“

Schüler wünschen sich mehr Medienunterricht

Auch die Schüler selbst wünschen sich Medienbildung in der Schule. Zwei Drittel hätten gern, dass im Unterricht verstärkt über rechtliche Aspekte des Internet gesprochen wird. Zwei Drittel (68 Prozent) möchten mehr über Themen wie Urheberrecht und Bildrechte lernen. Jeder Zweite (51 Prozent) würde von seinen Lehrern gerne mehr über richtiges Verhalten in sozialen Netzwerken und Chats erfahren, 45 Prozent suchen Hilfe rund um Datenschutz, persönliche Einstellungen in sozialen Netzwerken und den Schutz der Privatsphäre, so hat der Digitalverbands BITKOM in einer Umfrage erfahren. Nur 1 Prozent der Schüler wollen keine zusätzlichen Digital-Themen als Unterrichtsstoff.

Jeweils rund die Hälfte der Schüler wünscht sich, die richtige Bedienung von Programmen (53 Prozent) sowie die allgemeine Handhabung von Geräten wie Computer oder Beamer (47 Prozent) im Unterricht zu lernen. Nur etwas weniger wollen sich technische Grundlagen (44 Prozent) oder Wissen über die Erstellung einer Website (43 Prozent) in der Schule aneignen. Jeder Dritte würde von seinen Lehrern mehr Informationen dazu erwarten, wie man das Internet effektiv für Recherchen nutzt (34 Prozent). „Die Zahlen zeigen, dass es in den Schulen einen großen Nachholbedarf rund um die Nutzung moderner Technologien gibt. Das betrifft sowohl die Vermittlung von IT- und Medienkompetenz im Unterricht, als auch die Ausstattung der Schulen“, so Berg.

Digitale Schule – Vernetztes Lernen

BITKOM hat in einem Studienbericht die Ergebnisse zweier repräsentativer Befragungen rund um das Thema „Digitale Schule – Vernetztes Lernen“ veröffentlicht. Hier geht es auch um die Ausstattung der Schulen mit digitalen Geräten und deren Einsatz. Zum einen wurden 502 Lehrer der Sekundarstufe I befragt, zum anderen 512 Schüler ab 14 Jahren. Zentrale Ergebnisse der Studie sind:

  • Stationäre PCs und Notebook (99 bzw. 89 Prozent) und Beamer (98 Prozent) gehören zur digitalen Grundausstattung von Schulen. Whiteboards sind an sechs von zehn Schulen verfügbar. Dagegen sind Tablet Computer und E-Book-Reader deutlich seltener vorhanden (18 bzw. 4 Prozent).
  • Jeder fünfte Schüler hält die seiner Schule für unzureichend (20 Prozent). Lehrer schätzen die Rahmenbedingungen etwas besser ein: Nur 6 Prozent bewerten die technischen Voraussetzungen als unzureichend.
  • Viele Lehrer (66 Prozent) und Schüler (58 Prozent) bringen private Geräte für den Unterricht mit in die Schule.
  • Eine überwältigende Mehrheit der Lehrer gibt an, elektronischen Medien generell positiv gegenüber zu stehen (73 Prozent). Jeder Sechste bezeichnet sich selbst als Technik-Fan (17 Prozent). Bemerkenswert ist, dass auch Schüler ihren Lehren eine hohe Technikaffinität zuschreiben.
  • Die große Mehrheit der Schüler wünscht sich ein verpflichtendes Schulfach Informatik in den Klassen 5 bis 10 (75 Prozent). Auch viele Lehrer (73 Prozent) sprechen sich für den verpflichtenden Informatik-Unterricht aus.

Der vollständige Bericht steht kostenlos zum Download bereit unter http://www.bitkom.org/de/publikationen/38338_81533.aspx

 

Aufmacherbild:  Composite image of digital tablet on students desk showing cloud computing doodle via Shutterstock / Urheberrecht: wavebreakmedia

 

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