Schützt Eure Privatsphäre: Edward Snowdens Q&A Session
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Schon mehrfach hat Edward Snowden, der mit politischem Asyl ausgestattet seine Lebenszeit momentan in Moskau verbringt, Fragen aus der Online-Community beantwortet. Gestern am 23. Januar 2014 war es wieder soweit und er beantwortete eine Stunde lang Fragen der Netzgemeinschaft. Der Live-Chat fand ab 21 Uhr deutscher Zeit über die Website der Courage Foundation statt.

Seine letzte öffentliche Q&A Session hatte er im Juni 2013 abgehalten. Wie immer gab es von dem Security-Spezialisten spannende Aussagen, die wir Euch nicht vorenthalten wollen.

Laut Edward sind Geheimdienste wichtig, da die dort arbeitetenden Menschen es grundsätzlich nicht darauf abgesehen haben, hinter einzelnen Personen her zu sein. Allerdings sollte man sich vor den Menschen in Acht nehmen, die hohe Ämter bekleiden und entgegen der Verfassung mit unzulässigen Mitteln Anfragen des Staates genehmigen. Er nennt hier zum Beispiel das Foreign Intelligence Surveillance Court, welches 99,97 Prozent der 33.900 Anfragen durchwinkte und lediglich 11 Anfragen in 33 Jahren verweigerte, wie das Wall Street Journal im Juni 2013 berichtete. Das immense Sammeln und Ausspähen von Bürgern sei pure Geld- und Ressourcenverschwendung, welche wesentlich sinnvoller verwendet werden könnten. Und nach ihm, denken nicht wenige Mitarbeiter von Geheimdiensten so.

Es ist ein immer währender Konflikt zwischen Sicherheitsbedenken von Staaten und dem Erhalt der individuellen Privatsphäre und dem Schutz der Grundrechte. Auch hier in Deutschland gibt es viele Stimmen gegen das Ausspähen von Bürgern und somit auch gegen die Vorratsspeicherung. So hatte das Bundesverfassungsgericht die deutschen Vorschriften eines entsprechenden Gesetzes von 2008 zur Vorratsdatenspeicherung mit dem Urteil vom 2. März 2010 für verfassungswidrig und nichtig erklärt. Seit 2006 müssen allerdings die EU-Staaten dafür sorgen, dass Telekommunikationsfirmen ohne Anfangsverdacht oder konkrete Gefahr, Verbindungsdaten zu Telefonaten und E-Mails von Privatleuten sammeln. Auch in der aktuellen Koalition ist das Thema eine Never Ending Story, obwohl bereits ein 2011 vom Bundesjustizministerium in Auftrat gegebenes Gutachten des Freiburger Max-Planck-Instituts für Strafrecht belegt, dass alle Erwartungen an eine gesteigerte Aufklärungsquoten oder gar der Glaube an die Verhinderung von Terroranschlägen durch die Vorratsdatenspeicherung, jeder sachlichen Grundlage entbehren.

Laut Edward ist die Überwachung ein globales Problem, wobei den ersten Schritt zur Lösung die gemeinsame Zusammenarbeit, darstellt. Jeder einzelne kann von zu Hause aus etwas dagegen tun und gegen die verfassungswidrige Überwachung vorgehen. Er schlägt Interessierten vor, die Website https://thedaywefightback.org/ zu besuchen, um sich an der Organisation und dem Umsetzen von Protestmaßnahmen zu beteiligen.

Auf die Frage, wie die Staatengemeinschaft auf die neuen Informationen zur Überwachung reagieren soll und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, schlägt Edward eine internationale Norm für die Einschränkung von Spionage vor. Niemand sollte Krankenhäuser oder kritische Infrastruktur-Einrichtungen hacken dürfen und es wäre möglich, dies im internationalen Völerrecht fest zu schreiben. Ein globales Forum, eine globale Finanzierung und die Entwicklung weltweiter Sicherheitsstandards sowie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Technik sind notwendig, um bessere Kryptografie sowie eine wirksame Absicherung der Privatsphäre und Kommunikation zu entwickeln.

Die Frage nach einem angemessenen Grad an Spionage-Aktivitäten von Regierungen ist nicht einfach zu beantworten. Laut Edward ist nicht jegliche Art von Überwachung schlecht. Allerdings ist das größter Problem, dem wir aktuell gegenüber stehen, die neue Technologie, die eine wahllose Massenüberwachung von unschuldigen Bürgern ermöglicht, einfach nur weil es billig und problemlos umsetzbar ist. Dabei sei es möglich mit Hilfe der Intelligence Community Verfahren zu entwickeln, die lediglich eine gezielte Überwachung von Verdächtigen umsetzt.

Ein Community-Mitglied fragte zudem erneut nach der Sicherheit der AES-Verschlüsselung. Edward wiederholt sich hier, denn er hat nie an der Funktionalität starker Verschlüsselungsmechanismen gezweifelt. Allerdings sind die Endpunkte die gefährlichen Stellen. Wenn jemand den eigenen Schlüssel stiehlt oder den pre-encripted Plaintext, ist sozusagen alles verloren. Aber End-to-End Crypto ist nach Edward kein verlorenener Posten. Viel mehr muss eine robuste Endpoint Security wie die Transport Security anständig gekoppelt werden.

Das Thema Überwachung, Privatsphäre und Co. werden uns weltweit weiter in Atem halten. Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, seine eigene Privatsphäre im Internet und im Alltag zu schützen. Jeder Mensch hat das Recht auf den Schutz seiner Individualität und Kommunikation. Daher sollte sich jeder Einzelne nicht erst seit dem NSA-Skandal mit dem Thema auseinander setzen. Für die Verschlüsselung eigenener Daten im Internet muss man kein Security Profi sein. Es gibt viele nützliche und für Endanwender einfach zu bedienende Tools, die die Privatsphäre schützen können. Man sollte daher die Courage haben diese Tools zu nutzen, um seine Grundrechte einzufordern. Tipps zur Verschlüsselung von Facebook-Chats und der Email-Kommunikation gibt es beispielsweise hier.

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