Secret: neue App zur Geheimniskrämerei
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Eine App namens „Secret“ erobert die, bisher nur US-amerikanischen, iPhones. Die Idee dahinter klingt einfach: ohne Profil, ohne Bild und (angeblich) völlig anonym können die User ihre Geheimnisse mit anderen teilen. Da sie über die App mit den Kontakten ihres Telefonbuchs verbunden sind, wird das Geheimnis erst nur dort angezeigt. Bekommt man aber zu wenig oder gar keine Resonanz auf einen Post, tröpfelt dieser langsam und schrittweise hinaus ins Geheimnisuniversum.

Die App wurde von einem „kleinen Startup“ entwickelt, so Techcrunch. Doch es ist nicht gerade unwichtig, dass hinter diesem „kleinen Startup“ Chrys Bader und David Byttow stehen, die zuvor sowohl für Google als auch für Startups wie „Square“ oder „Medium“ gearbeitet haben. Schon im Dezember versuchten die beiden Unternehmer 1,2 Millionen US Dollar für „Secret“ zu akquirieren. 

Laut eigener Aussage, haben sie die „Secret“-App entwickelt, da der Bedarf der Menschen nach Wahrheit im Netz wächst. Das Phänomen, über soziale Netzwerke nur solche Informationen zu teilen, die ein gutes Licht auf die User werfen, resultiere aus der Furcht vor negativen Reaktionen aus dem Bekanntenkreis, wenn über Ängste, Verfehlungen oder Ähnliches geschrieben würde. Aufgrund dieses Filters verlieren wir die echte Verbindung zu unseren Mitmenschen. „We built Secret for people to be themselves and share anything they’re thinking and feeling with their friends without judgment.“ schreiben die beiden Entwickler

Ob anonymes Teilen von Geheimnissen zwangsweise zu echter zwischenmenschlicher Kommunikation führen kann, sei dahingestellt. Sicherlich führt es jedoch zu einer immer intimer werdenden Verbindung zu überwachenden Stellen. Damit sind nicht nur Geheimdienste gemeint, sondern auch Provider, Hersteller, Konzerne und jeder, der Zugriff auf Daten hat. Deine Freunde können vielleicht nicht sehen, dass du es warst, der in der dritten Klasse den Jungen vor dir immer im Unterricht mit Papierkügelchen beworfen hast und ihnen ist es vielleicht auch egal, aber für Dritte könnten derlei Informationen spannend sein. Vor allem, wenn es Informationen sind, die in irgendeiner Weise tatsächlich verwertbar gemacht werden können oder gar interne Firmendetails preisgeben.

Für den Schutz der Privatsphäre sei jedoch gesorgt. Auf der Privacy Seite von „Secret“ finden sich die üblichen Phrasen, angefangen bei „Security is a top priority“ bis hin zu „We don’t sell user information“. Es wird unter anderem angeboten, Posts im Nachhinein löschen zu können, jedoch können sie dann nicht wieder hergestellt werden, es ist ja alles geheim und anonym.

„Over the past couple of years, it has become clear that everything we do online is somehow being tracked and tied back to our offline identity. Each update, Fav, Like or comment we make lives on in perpetuity.“, schreibt der Bits Blog. Es ist eben die Frage, wie anonym die Apps generellfunktionieren, wenn sie schon bei der Installation angeben, dass sie Nutzungsrechte über Standort, GPS Daten, E-Mail Adresse, Telefonbuch-Kontakte, Passwörter, Galerie, SD Karte, Telefonstatus etc. haben wollen. Solche Informationen werden abgeschöpft und gespeichert, das gibt „Secret“, wie die meisten anderen Entwickler auch, ganz offen zu: „Wir sammeln Informationen über das von dir benutzte mobile Endgerät, inklusive des Modells, Betriebssystems und Version, individuelle Identifikatoren des Geräts und Netzwerkinformationen.“

Für Hacker ist es kein Ding der Unmöglichkeit, sich in Konversationsverläufe von WhatsApp einzuhacken. Wo sollte dann der Unterschied zu „Secret“ sein? Menschen werden heute zu wenig aufgeklärt darüber, dass sie mit jedem Klick einen digitalen Fußabdruck hinterlassen, der Rückschlüsse ziehen lässt über allerlei persönlicher Information. “Anything you say or do online, from a status update to a selfie, can and will be used as evidence against you on the Internet.”, stellen die Blogger von Bits Blog fest.  

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