Secret veröffentlicht Android-App
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Die anonyme Social-Network-App Secret, die in weniger als vier Monaten eine steile Karriere hingelegt hat (wir berichteten) und mitunter das intimste Geflüster der Tech-Branche verbreitet, hat am Mittwoch eine Android-Version ihrer App veröffentlicht. Außerdem ist das Flüsternetzwerk nun weltweit verfügbar

Secret für Android, Secret weltweit

Secret ist eine Smartphone-App, mithilfe derer Nutzer ihren Kontakten, also Freunden, aber auch Freunden von Freunden, anonym Nachrichten zukommen lassen können, beispielsweise über Facebook. Dabei kann man nicht sehen, wer die Nachricht gepostet hat. Man kann auch nicht sehen, welche Freunde bei Secret sind, sondern lediglich die Summe der ebenfalls angemeldeten Kontakte.

Mittlerweile ist der Dienst weltweit verfügbar; mit Ausnahme einiger weniger Länder wie beispielsweise China, wo die App schnell auf dem Index landete. Zuvor war sie nur für iOS in den USA, GB, Irland und Neuseeland verfügbar. Die Android-Version von Secret liefert zwei Nachrichten-Streams. Einer, der Nachrichten von Freunden und Freunden von Freunden zeigt und ein zweiter, der den Nutzer die Welt von Secret weitläufiger entdecken lässt. 

Mit der weltweiten Expansion will das soziale Netzwerk seinen Status als Gerüchteküche des Silicon Valley hinter sich lassen. Die Gründer David Byttow und Chrys Bader, beide ehemals bei Google beschäftigt, tragen die Ziele von Secret in einem Blogeintrag romantisierend und blauäugig vor:

We built Secret for people to be themselves and share anything they’re thinking and feeling with their friends without judgment. We did this by eliminating profile photos and names and by putting the emphasis entirely on the words and images being shared. This way, people are free to express themselves without holding back.

Anonymität vs. Etikette

Das Problem daran: Regelkonformität, Respekt gegenüber anderen und professionelle Integrität passen nicht zu einer Plattform, die sich anonyme Gefühlsausbrüche frustrierter Mitarbeiter, Gerüchte und Tratsch regelrecht auf die Fahnen schreibt. Experten vermuten, dass Secret sehr bald zum Dreh- und Angelpunkt für Leaks, aber auch zum Spielplatz von Trollen wird.

Für Ersteres gab die Ex-GitHub-Mitarbeiterin Julie Ann Horvath ein Beispiel. Nachdem sie GitHub verlassen hatte, erschien auf Secret ein Post, der sinngemäß lautete: „Horvath, die Königin von GitHub verlässt die Firma. Die Massen jubeln“. Daraufhin twitterte sie, sie sei unter anderem von ihrem Chef und anderen Mitarbeitern sexuell belästigt und beleidigt worden und habe deswegen die Firma verlassen, was einen Aufschrei in der Community erzeugte.

Secret Hoaxes

Trolle sind ebenfalls zu Genüge aufgefallen. So postete ein vermeintlicher Apple-Insider, dass Apple an Kopfhörern arbeite, welche den Puls und Blutdruck messen könnten. Bevor herauskam, dass es sich dabei um ein Hoax handelte, generierte die Geschichte eine weltweite Supernova aus Schlagzeilen auf News-Seiten und Tech-Blogs.

Secret-Enthüllungen

Einige auf Secret verbreitete Gerüchte haben sich auch bewahrheitet. So wurde über Secret-Kanäle bekannt, dass Google Plus Chef Vic Gundotra seine Stelle räumt, lange bevor Google selbst ein offizielles Statement abgeben konnte.

Zu Secrets größtem Problem könnten die Don’t-Regeln für adäquates Community-Verhalten werden, die sie selbst aufstellten:

Don’t post threats. Don’t share or Entourage self-harm. Don’t Bully or harass. Don’t post hate speech. Don’t post people’s private information. Don’t post things that don’t belong to you.

Über Liebe wird via Secret zwar auch geredet, jedoch generieren sensible Informationen, Verleumdungen und Hass-Tiraden mehr Resonanz, als jede firmeninterne Romanze und es ist nur eine Frage der Zeit, bis rechtliche Schritte gegen die App eingeleitet werden, weil eine Information zu viel geleakt ist.

 

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