Sei mal nicht so 2006, bitte! Print Werbung für Online-Angebote [Kommentar]
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„Machen wir doch mal was mit Social Media und so“ mittlerweile scheint sogar beim Letzten Unternehmen angekommen zu sein, dass im Internet Menschen zusammenkommen und Informationen austauschen. Sogar der Papst twittert mit Gottes Segen und die (katholische) Christenheit wird endlich digital.

Die virtuellen Himmelstore von Facebook und Twitter stehen zwar allen Usern offen, allerdings haben sie in ihrer Entwicklung nicht unbedingt auf die Nachzügler gewartet. Auf Newbies lauern nämlich etliche Fettnäpfchen, die einem das digitale Dasein zur Hölle machen können. Wer sich also mit einer Kampagne für Online-Angebote das Image aufpolieren möchte, sollte zunächst eines tun: zuhören und lernen!

 

Himmel und Hölle

Denn anders als in der Schule sind soziale Netzwerke kein Frontalunterricht, in dem nur einer spricht, sondern eher mit einer wilden Party zu vergleichen, auf der sich alle miteinander unterhalten, während im Hintergrund laute Musik von Led-Zeppelin gespielt wird. In den vergangenen Tagen haben wir gleich zwei „Internet-Kampagnen“ gesehen, die in das eine oder andere Fettnäpfchentreten sind.

 

#DER ist ein Allerwelts-Hashtag

Fangen wir mit der Fitness-Kette McFit an: Ich stand morgens an der Bushaltestelle, es war kalt und dunkel. Da strahlte mich eine junge Dame – durchtrainiert und verschwitzt – in leuchtenden Farben von einem Plakat an: „Immer wenn du in die Knie gehst stehst du stärker wieder auf“. Wie passend, dachte ich, denn ich hatte an diesem Morgen keine Zeit für einen Kaffe und ging deshalb auf dem Zahnfleisch.

Da sah ich es: Am unteren Bildrand prangte #DER WILLE IN DIR – die Raute vor dem Artikel DER wird von der überwiegend jungen Zielgruppe des Unternehmens als Hashtag gelesen. Also Hashtag DER, wie ist das gemeint? Wird jemals Hastag DER ein Top-Twitter-Trend – wohl kaum? Warum nur DER, war der ganze Satz zu lang? War der Satz Ursprünglich als #DERWILLEINDIR zusammengeschrieben, bis er irgendeiner Korrektur zum Opfer gefallen ist?

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Quelle: McFit.com

Warum denn nicht #MCFIT ?

Jetzt gibt es folgende Szenarien, wie Twitter-User und potenzielle Kunden mit diesem Hashtag damit umgegangen sind: Die einen haben den Kopf geschüttelt und sind weiter gegangen, andere haben die Augen gerollt, die Leerzeichen gedanklich entfernt und #DERWILLEINDIR getwittert. Wieder andere, womöglich Twitter-Anfänger, haben tatsächlich #DER getwittert und sich gewundert, dass nach 140 Zeichen Schluss war.

Liebes McFit-Team, es ist löblich, dass Ihr Euch neuerdings an Hashtags traut und dieser kleine Patzer sollte Euch nicht davon abhalten es wieder zu tun, nur lasst Euch das nächste Mal etwas kurzes, schlichtes einfallen. Wie wäre es denn mit #MCFIT – klingt total Crazy, ich weiß.

 

Head in the Clouds

Die zweite Kampagne, die bei uns für Stirnrunzeln gesorgt hat, kommt von der Katholischen Kirche und steht unter dem Motto „Kirche neu erleben“. Auf der Anzeige, die die aktuelle Ausgabe der Zeit schmückt, ist eine junge Dame zu sehen, die verführerisch lasziv mit einem Laptop auf einer Wolke sitzt.

Das weiße, Kleid ist ein wenig hoch gerutscht, sodass ihr blank rasiertes Bein dem Betrachter direkt ins Auge springt. Insgesamt erinnert die Bildsprache eher an eine Werbekampagne für einen Damenrasierer – ein Unschuldsengel sieht anders aus. Wer hätte das gedacht?

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Copyright: S&S Media

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Quelle: http://katholisch.de

Damit sollen neue Besucher der Seite katolisch.de gewonnen werden, wer jedoch denkt dass sich die angenehme Stimmung der Anzeige auf der entsprechenden Webseite fortsetzt wird herbe enttäuscht. Denn auf http://katholisch.de dominieren dunkle Töne. Schwarz und Dunkelrot sowie ernste Themen über Missbrauchsskandale trüben die muntere Stimmung aus der Anzeige. Zwar prangt die katholische Wolken-Lady auf dem entsprechenden Facebook-Profil, jedoch will sie auch dort nicht recht zur Zielgruppe passen. Damit hält die Anzeige nicht, was sie zunächst verspricht und die Kirche wird damit sicher nicht „neu erlebt“.

Fakt ist, dass Twitter und Facebook seit rund sieben Jahren das Netz besiedeln. Wer bis heute nicht den Rechten Ton in der Zielgruppenansprache getroffen hat, sollte wie bereits oben erwähnt zuhören und lernen. Gleiches gilt auch für Print-Anzeigen – solange es sie noch gibt. Dass sowohl McFit und die katholische Kirche es versuchen ist immerhin ein gutes Zeichen. Aller Anfang ist schwierig, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und der Vatikan schon gar nicht.

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