Shitstorm nach Foto-Tweet: von Sportwagen, Behindertenparkplätzen und Hetzerei
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Vergangenen Montag, am frühen Nachmittag, tweetete der freiberufliche Journalist Tobias Gillen aus Köln ein Foto, dass binnen kürzester Zeit eine Social-Media-Lawine auslöste.

Zu sehen waren auf der Aufnahme zwei teure Sportwagen, ein Ferrari und ein Porsche, die auf den Behindertenparkplätzen vor der Geschäftsstelle des Kölner Kreisverbandes der Grünen geparkt waren. Absichtlich ließ Gillen das Foto, das er ebenfalls auf Facebook postete, unkommentiert.

Nach eigener Schilderung auf seinem Blog, gingen schnell die ersten Retweets ein, User favorisierten den Tweet und teilten das Foto auf Facebook. Soweit, so gewöhnlich.

Was allerdings im weiteren Verlauf passierte, beschreibt der Journalist als „gefährliche Eigendynamik“, die letztendlich zum „Kontrollverlust“ führte. Dass seine Twitter-App im Verlauf des Montags aufgrund der vielen Retweets und Favorisierungen faktisch unbrauchbar war, nahm Gillen als normal hin – schließlich hatte sein Foto ja einen Nerv getroffen. Doch was am Dienstagmorgen passierte, überforderte den Kölner laut eigener Aussage „leicht“.

Spiegel Online fragte an, ob sie das Foto verwenden dürften, ein RTL-Mitarbeiter schickte eine SMS mit einer Anfrage von einer Talkshow. Dazu Tausende Retweets, unzählige Likes, neue Follower und Fans sowie Kommentare auf den Facebook-Post.

Zum Problem für Gillen wurde allerdings die Aufklärung des Kölner Express, der erklärte, die Sportwagen gehörten Mitarbeitern einer dort ansässigen Immobilienfirma, die die Schilder extra aufgestellt hatte, um Falschparker abzuschrecken. Warum ist das aber ein Problem? Weil ihm plötzlich eine Absicht zugeschrieben wurde – den Grünen zu schaden – die er gar nicht gehegt hatte. Darüber hinaus war es Gillen nicht geheuer, welche Kommentare sein Foto auslöste – sowohl per Tweet und auf Facebook, als auch zu den jeweiligen Artikeln bei SPON und anderen Medien. Die Kommentare sind nicht nur von gegenseitigen Angriffen und Hetzereien geprägt, auch gegenüber Gillen entlädt sich teils aggressiver Unmut und Spott. Gillen fürchtet um seinen Ruf und sieht sich unter anderem mit dem Vorwurf konfrontiert, er wolle mit dem provokanten Bild lediglich groß rauskommen.

Die Geschichte des Sportwagen-Fotos ist ein Paradebeispiel dafür, wie Posts auf sozialen Netzwerken nach hinten los gehen und dem Verfasser im weiteren Verlauf um die Ohren fliegen können. Denn oft sind die potenziellen Auswirkungen – gerade wenn es um Themen wie Politik, Religion oder Sport geht – vorher nicht abschätzbar. „Eigentlich hat man es ja nicht bös gemeint“ – diese Aussage zählt nichts mehr, wenn sich eine Social-Media-Lawine in die virtuellen Lüfte erhoben hat und zum ausgewachsenen Shitstorm mutiert ist, der den Verfasser mit voller Breitseite trifft. Dann kann es leicht passieren, dass man mit der Situation überfordert ist.

Tobias Gillen hat seine Konsequenzen gezogen und das Bild bei Twitter und Facebook gelöscht und will versuchen, so viel Schaden wie möglich von den Kölner Grünen abzuwenden.

Und wer den Stein des Anstoßes jetzt endlich selbst mal in Augenschein nehmen möchte – bereits am 19. September hatte der Twitter-User @en_tropy die gleiche Situation fotografiert:

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