shoutr – Startup entwickelt App für mobiles Filesharing [Interview]
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shoutr ist ein Startup aus Berlin, das sich der drahtlosen Breitbandkommunikation verschrieben hat. Die App des Jungunternehmens erlaubt mobilen Geräten den problemlosen Austausch von großen Datenmengen. Die Gründer sind Sebastian Winkler, Christian Beier und Benjamin Werner. Ebenfalls zum Team gehört Florian Vey, der sich um den im Bereich PR und Marketing kümmert. Wir haben uns mit den Gründern unterhalten und über die Idee hinter der App, ihren Businessplan und neue Features gesprochen.

WebMagazin: Die shoutr-App, die bereits als Beta-Version für Android verfügbar ist, ermöglicht es mobilen Geräten, mittels ihrer eingebauten WLAN-Schnittstelle problemlos große Datenmengen auszutauschen. Ohne auf eine vorhandene Netzinfrastruktur zugreifen zu müssen, können shoutr-User, die sich räumlich in der Nähe zueinander befinden, schnell und einfach Filesharing betreiben. Eine Idee mit großem Potenzial. Wie kamt Ihr darauf, eine solche Art von App zu entwickeln? 

shoutr: Die Idee entstand, wie bei so vielen, aus einer Situation heraus, in der uns einfach eine Software für unser Kundenbedürfnis fehlte. Wir saßen damals mit Freunden zusammen und einer von uns hatte diverse Fotos auf seinem Smartphone, die wir uns zusammen anschauen wollten. Wir suchten dann nach einer App, die es ermöglicht, dass alle gleichzeitig auf ihren Devices sich die Bilder anschauen konnten, waren aber nicht in der Lage so eine zu finden. Dann dachten wir, entwickeln wir eben selbst eine. So ging das Ganze dann los.

WebMagazinDas herausragende Leistungsfeature der Anwendung ist, dass weder eine mobile Datenverbindung noch ein WLAN-Hotspot benötigt werden, um den Datenaustausch zu ermöglichen. Dafür wurdet Ihr im September 2012 mit dem EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und des Europäischen Sozialfonds ausgestattet. Und seit als Spin-Off von Prof. Björn Scheuermann, von der HU in Berlin beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW) angetreten, bei dem Ihr im Juni den 3. Platz. abgeräumt habt. Damit habt Ihr Euch gegen 1.000 Teilnehmer durchgesetzt. Das war für shoutr ein großer Schritt auf dem Weg hin zur Realisierung und brachte Euch als Gründerteam erste mediale Aufmerksamkeit. War das für Euch eine wichtige Bestätigung, oder hättet Ihr auf jeden Fall auch ohne das überaus positive Feedback weitergemacht?

shoutr: Dass wir das Gründerstipendium bekommen haben, war natürlich extrem gut für uns. Vorher konnten wir an shoutr immer nur in der Freizeit arbeiten. Danach konnten wir unsere ganze Aufmerksamkeit der Sache widmen, was uns wirklich einen großen Schritt weiter gebracht hat, vor allem auch bezüglich des Aufbaus einer Firma. Die Prämierung unseres Businessplans war dann eine Bestätigung, dass wir wirtschaftlich auch nicht ganz auf den Kopf gefallen sind. Das gibt einem das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein. Obwohl für uns der wahre Erfolgsfaktor die Annahme unseres Produktes bei den Kunden ist. Von daher gucken wir eher auf die User-Zahlen. 1.000 Downloads zu knacken war da schon ein echter Erfolg, auch wenn das jetzt auf den ersten Blick nicht so bedeutend scheint.

WebMagazinEuer Businessplan sieht vor, shoutr im B2C-Bereich als Freemium-Modell zu vermarktet. Im B2B-Bereich kann shoutr als Proximity-Marketing- oder Mobile-Marketing-Tool eingesetzt werden. Neben Peer2Peer- und ad-hoc-Networking bietet die Anwendung auch weitere Usecases an, wie beispielsweise als anonymes Kommunikationsmittel. Es gibt aber auch Potenziale für das Mobile Gaming Business. Wie sieht es mit Eurer Roadmap aus: Welche Feature-Implementierung steht als nächstes an? 

shoutr: Gerade letzte Woche haben wir noch eine weitere App veröffentlicht, die sich das shoutr-Framework zu Nutze macht: shoutrDrive. Die shoutr-App an sich erlaubt ja den Datenaustausch zwischen mobilen Endgeräten aber nicht zwischen mobilen Endgeräten und Desktop PCs. Das wäre natürlich äußerst nützlich. Also haben wir uns auch dieser Sache mit shoutrDrive angenommen. Hier kannst du einfach per Drag & Drop Dateien von deinem Rechner auf dein mobiles Endgerät ziehen und umgekehrt. Man muss aber momentan noch alles selbst einrichten, um eine Verbindung zwischen den Geräten aufzubauen. Das ist nicht der Kurs, den shoutr verfolgt. Deshalb werden wir in naher Zukunft noch zugehörige Desktop-Clients raus bringen, die die Bedienung so einfach macht, wie unsere User es von der normalen shoutr-App her gewöhnt sind. Auch hier sind natürlich alle herzlich eingeladen, shoutrDrive auszuprobieren und uns Feedback zu geben. Die App ist im Google Play Store erhältlich. Eine weitere Sache, die noch ansteht, ist bessere Metriken in die shoutr-App einzubauen, da wir mehr über das Verhalten unserer User erfahren müssen, um den nächsten Schritt in Sachen Entwicklung bestimmen zu können.

WebMagazinIm Juli wurdet Ihr zudem mit 19 weiteren Teams zum Startupbootcamp Berlin eingeladen und habt, als eines der zehn Gewinnerteams, eine Finanzspritze von 15.000 Euro erhalten. Neben dem Preisgeld nehmt Ihr ab 6. August an dem 3-monatigen Mentoring Programm des Startupbootcamps teil. Was sind Eure Erwartungen an das Programm? Und was hat Euch bis dato die Unterstützung der Startupbootcamp-Mentoren gebracht?

shoutr: Vor allem, dass unsere Metriken besser werden, damit wir schneller heraus finden, was unsere User benötigen und wir diese Dinge somit gezielter und schneller implementieren können. Außerdem ist es für uns wichtig ein Netzwerk mit Ansprechpartnern aufzubauen, die uns dabei helfen können, schnell Probleme zu beheben, denen wir gegenüber stehen. Für die meisten Probleme, die man selbst für schwer lösbar hält, hat irgendjemand immer eine einfache Lösung parat. Solche Ansprechpartner zu haben ist Gold wert. Allein bei den Selection Days haben wir jede Menge Feedback bekommen, das wir jetzt in unsere Entwicklung mit einbeziehen. Zum Beispiel haben wir unsere Website völlig neu aufgelegt. Der Impuls dazu kam von Alex, dem Chef vom Startupbootcamp Berlin. Er fand, dass unsere Homepage nicht zu uns passte und er hatte völlig recht damit. 

WebMagazinEure App, die seit Februar als Beta im Google Play Store verfügbar ist, hat wie erwähnt Anfang Juli die Downloadmarke von 1.000 geknackt. Auch das Rating von 4.8 Sternen überzeugt. Wie sieht es mit Eurer Update-Planung aus? Wann kann man mit dem ersten Final Release rechnen?

shoutr: In gewisser Hinsicht haben wir uns von der Idee eines finalen Produktes verabschiedet. Wenn man mal länger drüber nach denkt, gibt es das eigentlich gar nicht im Bereich der Software-Entwicklung. Produkte werden zwar verschieden betitelt, aber es gibt immer noch Updates und Veränderungen. Wir sind ein Startup und verfolgen den „Lean Approach“, was heißt das wir ständig an unserem Produkt arbeiten, früh neue Features implementieren und dann testen, wie diese bei unseren Usern ankommen. Nur so können wir sicher stellen, dass wir nicht ins Hintertreffen geraten. Abgesehen davon wissen wir natürlich auch, dass Begriffe wie Beta-Version nützlich sind, um nach außen kommunizieren zu können, was unsere User und potenzielle User von unserer Software erwarten können. Außerdem wollen wir auch das Beta aus dem Namen der App wegstreichen können. Wir peilen gerade Ende August als Termin an, an dem alle Bubbles, die auf der App zu sehen sind, frei geschaltet werden. Das wird dann wohl der „Final Release“ sein.

WebMagazin: Das Mentoring des Startupbootscamps endet mit einem Investor Demo Day, um für die Zukunft, nach einem überzeugenden Pitch, weitere Investoren zu gewinnen. Was rechnet Ihr Euch diesbezüglich für Chancen aus? Und wie geht Ihr vor, solltet Ihr im November nicht mit einem unterzeichneten Vertrag zurück nach Hause kommen?

shoutr: Wir sind da relativ zuversichtlich. Wir vertrauen auf uns als Team und an die Vorteile, die shoutr bietet. Investoren werden dies sicherlich erkennen. Wir müssen es ihnen nur gut genug vermitteln und diese Fähigkeit werden wir durch das Startupbootcamp sicherlich deutlich verbessern. Wir haben aber natürlich auch andere Finanzierungsmöglichkeiten im Blick. Ein befreundetes Startup, Tazaldoo, hat vor kurzem eine ziemlich erfolgreiche Crowdinvesting-Kampagne durchgeführt. Das könnten wir uns prinzipiell auch vorstellen. Außerdem bietet die Investitionsbank Berlin noch gute Finanzierungsmöglichkeiten an.

WebMagazinUnd nun eine letzte Frage zu Eurer Firmen- und Produktvision: Wo steht shoutr nächstes Jahr?

shoutr: In einem Jahr haben wir hoffentlich einen Investor gefunden. Ganz ohne wird es höchstwahrscheinlich auf Dauer nicht funktionieren. Außerdem wollen wir auf jeden Fall eine sechsstellige User-Base aufgebaut haben und unser Team deutlich vergrößert haben.

WebMagazinDas klingt nach ziemlich konkreten Plänen für die Zukunft! Vielen Dank für das Interview. Aus unserer Sicht habt Ihr jedenfalls mit shoutr genau den Nerv der Zeit getroffen. Wir drücken die Daumen, dass Ihr Eure Ziele zeitnah erreicht und nicht nur uns sondern auch Investoren von dem Mehrwert Eurer App überzeugen könnt.

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