SMS-Kühe und Wetter-Toaster – was jenseits mobiler Anwendungen möglich ist
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Eine Kuh die SMS sendet, ein Bienenstock, der online ist, ein Toilettenpapierdrucker für Tweets oder ein Toaster, der das Wetter aufs Brot toastet. Vieles ist bereits vernetzt und noch mehr wird es in der Zukunft sein.

In zwei Talks auf der diesjährigen MobileTech Conference referierte Sascha Wolter, Developer Evangelist für den Developer Garden der Deutschen Telekom, über das, was jenseits gängiger mobiler Anwendungen möglich ist.

Im Zentrum seiner Session „Interactive Voice Response“ standen Applikationen, die nicht durch ein User Interface, sondern „headless“ über Sprache oder Textnachrichten gesteuert werden können. Das macht auch in Zeiten, in denen viel Aufwand betrieben wird, um möglichst nutzerfreundliche UIs zu gestalten noch Sinn. Nämlich überall dort, wo man Geräte oder Maschinen zum Teil eines Prozesses machen will. Begriffe wie Ubiquitous Computing oder Pervasive Computing machen schon seit einigen Jahren die Runde und beschreiben das Phänomen, die allgegenwärtige, die durchdringende Präsenz von Rechnern in unserem Alltag – etwas, das auch gern als das Internet of Things bezeichnet wird. Auch die Begriffe M2M (Machine-to-Machine) oder embedded devices sind Schlagworte, die hier Erwähnung finden müssen, denn auch der automatisierte Informationsaustausch zwischen Endgeräten wie Maschinen, Automaten oder Fahrzeugen gehört letztendlich zum Internet der Dinge.

Sascha Wolter
Sascha Wolter während seiner Session (© S&S Media Group).

Eine große Rolle spielt dabei die SMS. Für viele fast schon ein Relikt aus den Anfangszeiten der Mobiltelefone ist die SMS relevanter denn je. Ein Beispiel ist die eCall-Richtlinie, wonach ab 2015 jedes zugelassene Auto in der EU eine SIM-Karte an Bord haben muss, um damit bei Unfällen einen Notruf per SMS ansetzen zu können. Man setzt dabei auf die SMS, weil sie für solche Notfälle eindeutige Vorteile bietet: Sie kann Positionsdaten durchgeben und benötigt dafür lediglich ein GSM-Netz. Und in puncto Zustellungssicherheit können Alternativen, die auf mobiles Internet angewiesen sind, nicht mithalten.

Überhaupt sind die Use Cases für SMS vielfältiger als man denkt. Sie offeriert Push-Nachrichten für jedermann, maximiert die Zielgruppe, ermöglicht einen simplen und effizienten IT-Workflow, kann sehr personalisiert sein und erlaubt Bestätigungen, Erinnerungen, Alarme oder Transaktionen.

Das führt dazu, dass beispielsweise in der Landwirtschaft mit SMS bare münze gespart werden kann. Und das bringt uns zur SMS sendenden Kuh vom Anfang zurück. Denn in der modernen Agrarwirtschaft werden Kühe mit Thermometersensoren „ausgestattet“, die eine deutlich bessere Bestimmung der Empfängnisbereitschaft des Rindviehs ermöglichen. Kommt es zur passenden Temperaturkurve, wird diese per Kurzstreckenfunk an eine Box gesendet und der Landwirt erhält eine SMS.

Für Sascha Wolters ist dabei vor allem wichtig, dass Gestalter und Entwickler neue Denk- und Vorgehensweisen erkunden. Denn nicht nur er, sondern auch viele andere Entwickler sind überzeugt, dass sie in der Zukunft mobile Applikationen nicht nur ausschließlich für Smartphones oder Tablets bauen werden. Und kombiniert man die zu erwartende Gerätevielfalt mit den Möglichkeiten moderner Sensorik, sind wir ganz schnell in der Welt der Super Natural Interaction angekommen, in der viele untereinander vernetzte Geräte Informationen austauschen.

Rasperry Pi
Mithilfe eines Rasperry Pi führte Sascha Wolter einige spannende Demos vor (© S&S Media Group).


Dank Agilität, technologieunabhängiger Konzepte und einer prototypischen Herangehensweise lassen sich interessante Lösungen umsetzen. Unterschiedlichste Programmiersprachen und unterschiedliche Plattformen (u. a. Arduino oder Raspberry Pi) bieten jedem halbwegs begabtem Bastler unzählige Möglichkeiten, selbst kreativ zu werden.

Deswegen auch Wolters Appell: die richtigen Szenarien und Use Cases finden und sich nicht durch industrielle Zwänge einschränken lassen. Es geht einfach nur um gute Ideen und darum, die Kluft zwischen Mensch und Maschine zu verringern.

Aufmacherbild: Cow, farm animal in the french alps Foto via Shutterstock / Urheberrecht: ventdusud

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