Snowden gestern live auf der SXSW-Konferenz
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Gestern um 13 Uhr Ortszeit in Austin, Texas, trat Snowden das erste Mal live vor die Kamera – auch wenn es aus verständlichen Gründen „nur“ eine Webcam war. Im Rahmen des South to Southwest Interactive Festivals fand ein Gespräch zwischen ihm, Ben Wizner und Chris Soghoian statt, welches ausgewogen zwischen Fragen der Privacy, praktischen Anwendungsbeispielen, Sicherheit und der Frage nach geheimdienstlichen Aktivitäten und Regierungsvorgehen balancierte.

Texas Tribune streamte das Event live für all diejenigen, die nicht in Austin sein konnten. Tausende Menschen verfolgten das Gespräch, ein vollständiges englisches Transkript gibt es hier.

Gleich zu Beginn wurde klar gemacht, dass Snowdens Verbindung durch 7 Proxys laufe. Die Angst, dass sie sonst blockiert werden könnte, war nicht unbegründet. Nicht nur von Seiten der NSA, sondern auch der Kongressabgeordnete Mike Pompeo äußerte sich negativ gegenüber dem geplanten Event.

Die Meinungen über Snowdens Vorgehen und über seine Person sind geteilt. Unter dem Hashtag #asksnowden wurde dies gestern auf Twitter besonders deutlich. Während viele User ernsthafte Fragen stellten, die zeigten, wie viele Menschen sich mit dem Thema tiefgreifend auseinandersetzen, wurde Snowden von anderen als Held gefeiert, als Verräter beschimpft, verurteilt oder über sein Privatleben ausgefragt.

Es spielt keine Rolle, ob Snowden ein Held ist oder ein Verräter, ob er sein Land liebt oder tief verachtet, ob es eine Alternative gegeben hätte, damit die Dokumente nicht an die Öffentlichkeit gelangen – wie manche Menschen behaupten. Eine solche Handlung war längst überfällig. Dieser Meinung war auch der Erfinder des Internets, Tim Berners Lee, der sich bei Snowden für seine Tat bedankte.

Eine wichtige Frage aus dem Twitter-Publikum war, ob Verschlüsselung eine sichere Taktik ist, oder ob es nur eine Frage der Zeit sei, bis die NSA diese knacken könnte. Snowden antworterte Anhand eines Beispiels: die Daten, die er von der NSA zog, wurden durch ihn verschlüsselt und bis heute, weiß niemand, welche Dokumente in seinem Besitz sind, also muss es funktionieren.

Er sprach sich auch dafür aus, dass wir mehr Sicherheitssysteme „by default“, also Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die nicht individuell installiert und eingestellt werden muss, anwenden, denn dies schrecke zu viele Menschen ab. Das nächste Facebook, das nächste WhatsApp müssen verschlüsselt sein.

Soghoian brachte hierbei einen wichtigen Punkt an. Wenn du einmal Ziel der NSA bist, dann war’s das. Dann kriegen sie dich. Aber wenn alle Menschen anfangen, ihre Daten zu verschlüsseln, wird das wahllose Abschöpfen und Überwachen nicht mehr möglich sein, es ist schlichtweg zu teuer und die Geheimdienste sind gezwungen, nur auf handfesten Verdacht zu handeln.

Neben der Nutzung von PGP und ähnlichen Verschlüsselungsmethoden, sprach sich Snowden auch für die Nutzung von TOR aus – ein Netzwerk, das anonymes surfen ermöglicht. TOR basiert auf einem abgewandelten Firefox Browser, der für Mac, Windows und Linux erhältlich ist. Es schützt vor der Analyse des Datenverkehrs und macht Tracking in Echtzeit unmöglich. Eine genaue Beschreibung des Vorgangs findet sich unter anderem bei Wikipedia.

Snowden ist der Ansicht, dass die NSA das Internet in Flammen gesetzt hat und durch ihre Vorgehensweise nicht zu größerer Sicherheit beitrug, sondern dass sie die nationale Sicherheit der USA und die des Internets verletzt hat. Er sprach dabei konkret von General Keith Alexander, dem Direktor der NSA, und James Clapper, dem Direktor der National Intelligence.

Privacy und Sicherheit der Kommunikation würde ausgehölt, weil das dahinterstehende System nicht auf Abwehr, sondern Angriff ausgerichtet ist. Die USA versuchen damit, einen globalen Vorteil zu erlangen, geben aber den Schutz der Menschen preis. Allerdings liege die große Gefahr darin, dass andere Staaten beziehungsweise Regierungen durch das Vorgehen der „5 Eyes“ (das supra-nationale Geheimdienstabkommen zwischen England, USA, Neuseeland, Kanada und Australien) auf die Idee kommen könnten, etwas Ähnliches zu implementieren.

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