So tickt die App-Welt – die große Mobile-Studie
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Schon seit einigen Jahren empfehlen uns alle vermeintlichen und echten Experten, die was auf sich halten, mobil zu werden und mit der App-Entwicklung zu beginnen. Ja, die mobile Ära hat begonnen und das wissen wir. Was jedoch häufig noch leicht im Dunklen liegt, ist das Ausmaß und die spezifischen Eigenschaften dieser angepriesenen Mobilität. Wir wollen mobile Apps entwickeln, aber welcher Natur sollen diese Apps eigentlich sein und für welche Plattform überhaupt? Und wenn wir schon dabei sind: Wie finanzieren wir unseren Ausflug in die Welt der Smartphones und Tablets, der iPhones und Samsung Galaxys, der Lumias und BlackBerrys?

Um Licht in das mobile Dunkel zu bringen, veröffentlicht der englische Marktanalyst Vision Mobile seine alljährlichen Studien, die den Zustand des Entwickler- und seit neustem auch besonders des mobilen Marktes abbilden. Die Studie mit dem Namen Developer Economics 2013 wurde in diesem Jahr zum vierten Mal durchgeführt – ganze 3.460 Entwickler aus 95 Ländern hat das Unternehmen hierfür befragt. Das Ergebnis stellt Zahlen und Fakten über die verschiedenen mobilen Plattformen und Geschäftsmodelle zusammen, ein Leitfaden der App-Ökonomie möchte die Studie sein.

Die großen Player

Zum Einstieg beschäftigt sich die Studie mit den Grundlagen des mobilen Marktes – boomt dieser tatsächlich in solch einem Ausmaß wie vermutet? Und welches sind die großen Player? Die erste dieser beiden Fragen ist eindeutig mit ja zu beantworten, beträgt doch die Wachstumsrate der Mobile-Industrie seit dem Jahr 2009 ganze 23 Prozent. Treiber sind zum einen die Smartphones, die mittlerweile über 40 Prozent aller Handykäufe ausmachen, zum anderen aber auch speziell die Android-Niedrigpreisgeräte, in letzter Zeit verstärkt im Kommen. Einige Smartphones, beispielsweise von Huawei, aber auch von Samsung, LG oder HTC, sind schon für unter 100 Euro zu haben. Das fördert die Verbreitung der intelligenten Mobiltelefone und treibt die Zahlen des mobilen Marktes in die Höhe.

Doch trotzdem sollte man nicht glauben, dass der Smartphone-Markt ausschließlich von Android-Geräten getragen wird. Im Jahre 2012 wurden rund 700 Millionen Smartphones verkauft. 80 Prozent davon gehören zum großen Duopol der Plattformen Google und Apple. 46 Prozent des Marktes werden von den beiden großen Handyherstellern Samsung und Apple dominiert. Die mobile Welt gehört also sowohl Android als auch iOS, und das zu nahezu identischen Anteilen. Das iPhone war das erste richtige Smartphone im heutigen Sinne und hat bislang kaum an Popularität und Ansehen verloren. Samsung hingegen hat ein eigenes Erfolgsgeheimnis, das teils auf der Herstellung wichtiger Hardware-Komponenten im eigenen Haus, teils auf der starken Marke Galaxy und Marketing-Kampagnen, die Samsung von anderen Android-Herstellern abheben, basiert.

Apfel oder doch lieber Brombeere?

Wenn Apple und Samsung die bedeutendsten Hersteller, iOS und Android folglich die wichtigsten Plattformen sind, ist es nur logisch, dass die meisten Entwickler diese Tatsache erkennen und auch in eben diese Plattformen investieren. 72 Prozent unter ihnen entwickeln für Android, das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. iOS ist um fünf Prozentpunkte gefallen und liegt nun bei 56 Prozent. Doch keineswegs sind Entwickler auf iOS und Android beschränkt. Ganz im Sinne einer freien Marktwirtschaft würden die meisten ein starkes drittes System befürworten. Bevor sie für Windows Phone oder BlackBerry entwickeln, möchten Entwickler allerdings zuerst die Marktentwicklung der beiden Plattformen beobachten – schließlich kann es sich heute keiner mehr leisten, Ressourcen durch die Entwicklung für eine nur wenig verbreitete Plattform zu verschwenden.

Und so ist der wahre Konkurrent des Duopols Apfel und Roboter nicht die Kachel oder die Brombeere, sondern – wer hätte es gedacht? – HTML5. Die Web-Technologie wird bereits von 50 Prozent aller mobilen Entwickler verwendet, als Deployment-Plattform zur Erstellung mobiler Web Apps, als Entwicklungsplattform für hybride Apps oder zur späteren Übersetzung in nativen Code. Überhaupt sollte man die Konkurrenz der einzelnen Plattformen nicht überbewerten, entwickeln doch die meisten App-Produzenten für mehrere darunter – durchschnittlich für 2.6, um genau zu sein. Wie erwartet, besteht der häufigste Plattform-Mix aus iOS und Android: 80 Prozent der Entwickler produzieren für beide dieser vermeintlich stark verfeindeten Lager.

Mit Apps Geld verdienen?

Mobil sollen wir werden, das ist klar, und am besten für die großen Plattformen iOS und Android entwickeln. Wenn wir uns die App-Umschlagplätze ansehen, ganz egal ob Google Play, App Store oder auch Windows Phone Store, fragen wir uns jedoch: Wie sollen wir bitteschön im App-Geschäft unsere Brötchen verdienen? Schließlich ist ein Großteil der Apps kostenlos, ein weiterer Löwenanteil so günstig, dass Profite nahezu ausgeschlossen sind. Die Developer-Economics-Studie hat jedoch auch auf diese Frage eine Antwort parat: Am meisten Einkommen sichern die Apps, die nach oben hin, also durch In-App-Käufe oder Upgrade auf die Pro-Version, oder geografisch gesehen ausgedehnt werden können. Ungeachtet dieser Tatsache sind allerdings Werbeanzeigen bei 38 Prozent der Entwickler das populärste Einnahmemodell – und das, obwohl hier durchschnittlich am wenigsten Einnahmen pro App generiert werden.

Wirklich durchdacht scheint die App-Strategie der meisten Entwickler also nicht. Vielleicht sollten sie sich ja genauso viele Gedanken über eine Finanzierungsstrategie machen wie über die Auswahl der richtigen Entwickler-Tools. Diese sind nämlich bei Entwicklern aller Plattformen sehr beliebt, 90 Prozent der Befragten nutzen durchschnittlich 1,47 Tools zur Erstellung ihrer App. Diese Tools, wir sprechen hier von APIs, Software Development Kits und verschiedenen Komponenten, begleiten den Entwickler mittlerweile auf jedem Schritt hin zur fertigen App. Business to Developer (B2D) nennen die Experten den Geschäftszweig der Entwickler-Tools und, genauso wie die Mobile-Industrie allgemein, befindet sich auch dieser im Aufschwung: Auf 1.000 App-Startups kommt mittlerweile ein Startup, das Entwickler-Tools bereitstellt. Am erfolgreichsten darunter sind die, die Anzeigennetzwerke, Nutzeranalyse-Tools oder Cross-Plattform-Tools herstellen, denn diese werden von App-Entwicklern am liebsten benutzt.

Die Strategie zum Erfolg

Liest man die Ergebnisse der Studie aufmerksam, erschließt sich aus ihnen eine eindeutige Strategie zum mobilen Erfolg: Gleichzeitig für iOS und Android muss man entwickeln, eventuell auch leicht in Richtung Android geneigt, seine Apps muss man zuerst durch enthaltene Bezahlangebote oder Upgrades finanzieren und nur zweitrangig durch Werbeanzeigen. Für eine schnellere, komfortable Entwicklung kann man eines der vielen Entwickler-Tools nutzen.

So eindeutig die Studienergebnisse auch sein mögen, sollte man sie dennoch keineswegs als allgemein und für immer gültige Bibel der Mobile-Entwicklung ansehen. Wie wir nämlich wissen, dreht sich die Welt immer schneller und so kann keiner sagen, wohin sie sich in ein oder zwei Jahren gedreht haben wird. Wer weiß, vielleicht kann Android seinem Hauptkonkurrenten iOS ja endgültig den Rang ablaufen und iOS-Entwicklern bleibt nichts anderes übrig, als ihre Verlustgeschäfte mühsam auszugleichen? Auch Microsofts neue Mobile-Strategie mit dem überarbeiteten Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 8 und Windows 8 bzw. RT für Tablets sollte man nicht außer Acht lassen. Der Markt hat sich schon öfter um 180 Grad gedreht. Mit einer solchen Drehung sollte man jederzeit wieder rechnen.

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