Sobooks: Sascha Lobos Vision für die soziale E-Book-Zukunft
Kommentare

Hypertextualität ist eine Kommunikationsform des Internets, die man viel zu selten findet. Dabei bietet sich das Netz gerade zu als Plattform an, auf der jeder zum Content Producer werden kann. Allerdings ist das bisher weitestgehend nur in sozialen Medien der Fall: Die User teilen die für sie interessanten Inhalte, kommentieren Posts und schreiben eigene Beiträge.

Der bekannte deutsche Journalist und Blogger Sascha Lobo plant nun, die Hypertextualität in die Buchwelt zu bringen. Sobooks heißt seine Idee. Dabei handelt es sich um eine Plattform, in der E-Books online lesbar sind und von den Usern sogar durch ihre Meinungen ergänzt werden können. Lobo nennt dieses Projekt in einem Interview mit Zeit Online “Social Reading”. Es knüpft, wie der Name schon sagt, an Funktionen und die User Experience sozialer Netzwerke an.  

Mehrwert durch Nutzer-Kommentare und Barrierefreiheit

Sobooks will in gewisser Weise den E-Book-Markt revolutionieren, und dabei spielen sowohl die Nutzer-Interaktion als auch die Barrierefreiheit eine übergeordnete Rolle. Passagen eines via Sobooks gekauften Buches können markiert, geteilt und kommentiert werden. Diese Diskussionen sollen einen so enormen inhaltlichen Mehrwert bieten, dass E-Book-Leser gerade deshalb die Plattform Sobooks gegenüber Amazon und Co. vorziehen. Außerdem soll dieses Konzept Raubkopien vorbeugen, da User im besten Fall nicht mehr allein am “nackten” Plot der Bücher interessiert sind, sondern Teil der Diskussionsrunde sein wollen. Kindle-Geräte, Tolinos und 20-Euro-E-Reader vom Wühltisch sollen für Sobook-Inhalte nicht unbedingt nötig sein. Wer das E-Book-Format mag, kann zwar seine Einkäufe im E-Pub- oder PDF-Format herunterladen, der Browser allein reicht aber vollkommen aus. “Die Bücher sind im Netz”, betont Lobo.

Alle Features von Sobooks in Kürze:

  • Bücher auf Sobooks müssen, wie bei jedem anderen Buchhändler auch, gekauft werden. Zahlungen erfolgen in der Startphase via PayPal-Express.
  • Zu jedem Buch wird eine kostenlose, mindestens fünfseitige, Leseprobe angeboten.
  • Digital Rights Management (DRM) gibt es nicht in strenger Form, lediglich eine Wasserzeichen-Kennung der Verlage.
  • Buchausschnitte können ohne Einschränkung via Facebook und Twitter geteilt werden.
  • Einkäufe können an bis zu drei Freunde verliehen werden (geplantes Feature).
  • Sobooks hat eine umfangreiche Kommentarfunktion, die den Nutzern ermöglichen soll, Diskussionen rund ums Buch zu starten (der eigentliche Sobook-Mehrwert s.o.). Über eine sogenannte „Heat Map“ am unteren Rand des Bildschirms werden heiß diskutierte Passagen direkt angezeigt.
  • Ähnlich wie beim Facebook-Like können Nutzer Passagen auswählen und sie mit „lustig“, „unterhaltsam“ und dergleichen markieren.
  • Die Beta-Phase startet mit zwanzig Büchern.

Closed Beta-Phase nach der Frankfurter Buchmesse

Am letzten Tag der Frankfurter Buchmesse, die noch bis zum 13. Oktober andauert, startet die Closed-Beta-Phase von Sobooks. Dann ist die Plattform für die Öffentlichkeit zugänglich, Registrierungen erfolgen mittels Code. Interessenten, ob Leser, Autoren oder Verlage, können sich bereits jetzt in eine Liste eintragen und/oder der Unternehmung über soziale Kanäle folgen.

Bisher werden die Verlage Random House, Hoffmann und Campe, Rowohlt, Posth Verlag, Brand Eins sowie der Spiegel Buchverlag als Kooperationspartner genannt. Mittelfristig will Sobooks auch als eigenständiger Verlag Titel zum Kauf anbieten. Man will aber auch durch Beteiligungen am Buchverkauf der anderen Verlage Geld verdienen.

Nachfolgend seht Ihr ein Interview von literaturcafe mit Sascha Lobo, in dem er persönlich das Sobooks-Projekt beschreibt.


Aufmacherbild: Mature student using futuristic hologram to learn biology von Shutterstock / Urheberrecht: wavebreakmedia

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -