Social Graph: die Gefahren der Facebook-Suche
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In dieser Woche hat Facebook mit dem Roll-Out der neuen Suchoption Social Graph Search begonnen, über die es in Zukunft unter anderem leichter sein wird, Menschen mit gleichen Interessen zu finden oder nach spezifischen Fotos und Orten zu suchen. Ist man es beispielsweise satt, alleine Joggen zu gehen, sucht man nach Freunden, die gerne Joggen; ist ein Skitrip mit der Firma geplant, sucht man nach Kollegen, die gerne auf die Piste gehen. Auch Unternehmen profitieren von der Suche, da sie künftig einen umfangreicheren Einblick in die Daten der Kunden erhalten können. Denkbar wäre auch, dass Facebook durch die neue Suchfunktion in Zukunft stärker von Personalverantwortlichen für das E-Recruting herangezogen werden könnte. Die Preisgabe persönlicher Informationen, die nun über die neue Suchfunktion leichter auffindbar sind, birgt dabei allerdings Gefahren, die über persönlich zugeschnittene Werbebotschaften hinausgehen.

Insbesondere Muslime und Homosexuelle sind in Gefahr

Bereits im Januar wiesen Verbraucherschützer und Nutzer wie Tom Scott auf die Folgen, die eine Graph Search für Beziehungen oder Arbeitsverhältnisse haben könnte, hin. Sucht man zum Beispiel nach verheirateten Männern, die Prostituierte mögen, liefert Facebook verlässlich das gewünschte Ergebnis. Gleiches gilt für dir Suche nach Menschen von islamischen Glaubens, die gerne Bacon essen oder sich zu Männern hingezogen fühlen. Zwar würde dies in Deutschland wahrscheinlich kaum für Aufsehen sorgen, doch sehe die Sache in weniger liberalen Ländern ganz anders aus. Sicherlich kann eine solche Suche nur dann zu Ergebnissen führen, wenn diese Details vom Nutzer tatsächlich angegeben wurden, doch lassen sich mittels der neuen Suchfunktion unter Umständen auch Mitglieder finden, die ihre wahren Interessen auf einem Zweitprofil unter einem falschen Namen preisgeben und so möglicherweise enttarnt werden. Zugegeben, diese Möglichkeit bestand auch schon vorher, doch war es wesentlich umständlicher und ließ sich nicht auf eine Gruppe von Usern, sondern nur auf Einzelpersonen anwenden.

Nutzer sollten deshalb in den Privatssphäreeinstellungen Facebooks alle Informationen, die nicht über die Graph Search an die Öffentlichkeit gelangen sollen, auf „Nur Ich“ oder „Freunde“ umstellen. Ebenfalls warnen Kritiker davor, Seiten in Zukunft sorglos zu liken und raten, gegebenenfalls durch die angesammelten Likes zu forsten, um ungewollte Verlinkungen mit dem eigenen Profil zu entfernen. Potenzielle Gefahren gehen auch von der neuen Fotosuche aus, die es einfach macht, Fotos eines bestimmten Nutzers zu finden, die beispielsweise mit den Schlagworten Party versehen sind. Bisher musste man für solche Zwecke manuell die Fotos durchsuchen – jetzt liefert die Graph Search in sekundenschnelle mitunter Fotos, die besser nicht im Netz gelandet wären.

Wie immer gilt also Vorsicht beim Teilen von Informationen. In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf das eigene Facebook-Profil und die Privatssphäreeinstellungen, um eventuellen unangenehmen Konsequenzen zu entgehen.

Aufmacherbild: Pressing delete key on keyboard / Urheberrecht: JJ Studio

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