Software soll Gedankensteuerung von Google Glass ermöglichen
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Computer und die dazu gehörigen Programme werden immer schneller. Aber werden sie auch immer schlauer? Wenn man sich die neue Software anschaut, die derzeit von amerikanischen Computerwissenschaftlern der Tufts-University in Massachusetts entwickelt wird, ist man geneigt diese Frage zu bejahen. Das Programm soll in Zukunft nämlich die Steuerung von elektronischen Geräten rein durch die Kraft der Gedanken ermöglichen.

Wer dabei an Science-Fiction Filme wie „Avatar“ denkt, in dem der Hauptdarsteller einen künstlichen Ersatzkörper lenkt, liegt nicht völlig falsch. Aber die Bedienung von komplexen Maschinen dürfte noch eine ganze Weile dauern. Im Moment befindet sich das Projekt im Prototyp-Status, deshalb liegt der Fokus derzeit auch auf Grundlagen, sprich der Messung der Gehirnaktivität. Das Programm erkennt, wenn das Gehirn nicht ausgelastet ist und stellt dem User dementsprechend neue Aufgaben. Gerade im mobilen Bereich gebe es hier ein großes Potential für mögliche Anwendungen, so Dan Afergan, Leiter des Human-Computer Interaction Lab der Universität.

Die Funktionsweise des Programms basiert auf dem Prinzip der funktionellen Nahinfrarotspektroskopie. Das klingt furchtbar kompliziert, ist letztlich aber schnell erklärt. Das System ist an LED-Dioden gekoppelt, die per Glasfaserkabel mit dem Kopf des Benutzers verbunden werden. Um die Gehirnaktivität zu messen, wird nun zwölfmal pro Sekunde ein pulsierender Lichtstrahl in den präfrontalen Kortex gesendet, der dort von dem mit Sauerstoff angereichertem Blutfarbstoff Hämoglobin reflektiert wird. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die mentale Auslastung ziehen: wird das Gehirn stark beansprucht, befindet sich viel Sauerstoff im Blut und entsprechend weniger Licht wird reflektiert.

Um die Arbeitsweise des Programms zu demonstrieren, haben die Forscher ein einfaches Computerspiel entwickelt. Ziel des Spiels ist es, mehrere Drohnen über einen virtuellen Hindernisparcours zu steuern. Das Programm misst währenddessen die Gehirnaktivität der Testperson: lässt die Aufmerksamkeit nach, wird eine zusätzliche Drohne eingefügt, weil die Software davon ausgeht, dass der Schwierigkeitsgrad zu niedrig ist und der User sich deshalb nicht genügend konzentriert. Ist das Gehirn dagegen voll ausgelastet, wird eine Figur entfernt.

Zugegeben: Das klingt nicht unbedingt revolutionär und das Konzept des sich dynamisch anpassenden Schwierigkeitsgrades ist in Videospielen schon seit den frühen Achtzigern bekannt. Neu ist die Methode der Messung und die Möglichkeiten, die sich für die Zukunft ergeben. Die Wissenschaftler prüfen dazu derzeit mehrere Ideen und das Produkt soll in Zukunft auch den Schritt in den Consumer-Electronics-Markt schaffen. In Zukunft könne die Technologie beispielsweise in das Smart Display Google Glass integriert werden, das sich aufgrund seiner Stellung im Kopf besonders für entsprechende Anwendungen eigne. Denkbar ist ein Navigationssystem, das auf den jeweiligen Konzentrationslevel des Benutzers reagieren. Ist er voll ausgelastet stellt die Karte nur die wichtigsten Informationen und Anhaltspunkte dar. Sinkt die Aufmerksamkeit, werden dagegen mehr Details eingeblendet.

Brauchen wir so etwas wirklich? Oder verlernen wir zunehmend grundlegende mentale Fähigkeiten und machen uns immer abhängiger von elektronischen Geräten um am Ende völlig orientierungslos durch die Welt zu stolpern, wenn irgendwann mal die Verbindung zum Netz ausfällt? An dieser Frage scheiden sich die Geister, letzten Endes ist eine Technik aber immer nur so gut wie die jeweilige Anwendung. Insofern muss man abwarten, ob findige Tüftler in Zukunft mit wirklich sinnvollen Konzepten aufwarten können, oder ob die „Gedankensteuerung“ eine nette Spielerei bleibt.

Aufmacherbild: 3d rendered illustration – active brain Foto via Shutterstock / Urheberrecht: ingridat

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