Spielgeld Bitcoin als „privates Geld“ anerkannt – ein Grund zum Feiern? [Kommentar]
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Das Bundesfinanzministerium adelt den Bitcoin zum „privaten Geld“. Ist das wirklich der Durchbruch, den sich die Bitcoin-Lobby erträumt hatte? In den Medien wurde er in den vergangenen Wochen heiß gehandelt, der Bitcoin. Für Kontroversen hat die experimentelle Krypto-Währung seit ihrer Einführung 2009 gesorgt.

In den letzten Wochen hat sich die Debatte spürbar aufgeheizt. Ein regelrechter Schlagabtausch zwischen Bitcoin-Befürwortern und –Gegnern war zu beobachten: auf der einen Seite die von den Tageszeitungen so etikettierte „digitale Bohème“, für die der Bitcoin längst Bezahl-Alltag ist – 7500 Betriebe akzeptieren laut bitpay.com den Bitcoin bereits als Zahlungsmittel.

Auf der anderen Seite staatliche Finanzbehörden, die vor Geldwäsche warnen und um Kundenschutz bemüht sind. Ende Juli verhängte die thailändische Zentralbank ein allgemeines Bitcoin-Verbot. Kurze Zeit später setzte ein Gericht im Bundesstaat Texas den Kontrapunkt, indem es den Bitcoin als „Währung“ bezeichnete.

Bitcoin goes Mainstream?

Vergangene Woche erkannte auch das deutsche Finanzministerium den Bitcoin erstmals als Zahlungsmittel an. Zumindest war in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler von „privatem Geld“ die Rede. Es scheint, als würde das Spielgeld einer digitalen Subkultur damit zum Mainstream-Zahlungsmittel avancieren. Doch was hat die Bitcoin-Community, die dies als Errungenschaft feiert, von diesem staatlichen Ritterschlag?

Zunächst ist weiterhin unklar, ob die Alternativwährung von Umsatz- und Mehrwertsteuer befreit ist. Medienberichten zufolge könnte der Vertrieb steuerpflichtig werden, während die reine Zahlung mit den digitalen Münzen davon ausgenommen ist. Aber nichts Genaues weiß man nicht.

Schnelle und anonyme Transaktionen schreiben sich Bitcoin-Verfechter auf die Fahnen. Doch wie halten sie es mit der Sicherheit? Dass gerade letzte Woche eine Sicherheitslücke in der Java Cryptography Architecture unter Android – dem Betriebssystem mit der derzeit größten Verbreitung auf dem Mobile-Markt – aufgedeckt wurde, fördert nicht gerade das Vertrauen in das Verfahren zur Schlüssel-Generierung. Auch dass die gesetzliche Anerkennung des Bitcoins die Großwetterlage auf dem Geldmarkt verändern wird, mag man bezweifeln: Fördert der legale Umlauf virtueller Münzen tatsächlich den von einigen Ökonomen ersehnten Währungswettbewerb, ist der Bitcoin doch an die jeweilige Landeswährung gekoppelt und somit derselben (staatlichen!) Regulierung und Kontrolle unterworfen wie Euro, Dollar & Co.? Und überhaupt: Widerspricht der Gedanke „Bitcoin goes Mainstream“ nicht der Philosophie einer unabhängigen, dezentralen Währung?

Gerade mit Blick auf den letzten Punkt – die Kopplung an bestehende Währungen – stellt sich die Frage, ob der Bitcoin tatsächlich Geld ist – und damit das Zeug hat, den bestehenden Währungsmarkt aufzumischen – oder nicht vielmehr ein technologiegetriebener Bezahlmodus.

Was unterscheidet ihn eigentlich genau von anbieterspezifischen Währungen wie beispielsweise der Amazon Coin? Ist die offizielle Anerkennung des Bitcoins nicht eher ein psychologischer als ein ökonomischer Erfolg? All das sind Fragen, die einer Antwort bedürfen, bevor von einer Emanzipation virtueller Zahlungsmittel die Rede sein kann.

Sicher ist: Neue, d. h. effizientere, schnellere, sicherere und attraktivere elektronische Zahlsysteme werden alternativen „Währungen“ (mit Anführungszeichen!) den Weg bereiten. Nicht die ökonomische Notwendigkeit, sondern die technologische Realisierbarkeit wird die Triebfeder dieser Entwicklung sein. Solange die Bitcoin-Comunity an dieser Front nicht gewaltig auftrumpft – und z. B. in Sachen Sicherheit nachrüstet – wird er bleiben, was er bisher war: das Spielgeld einer digitalen Subkultur. Aber mal ehrlich: Wäre das so schlimm?

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