Startup-Frauen sind im Vorteil – oder nicht? Berlin Startup-Tour Teil 3
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Verwinkelte Korridore, lange Tische und junge Leute, die fleißig auf ihre Tatstaturen hämmern. So sieht es aus bei hub:raum, dem Inkubator der Deutschen Telekom. Ein schickes Gebäude mit schicken Möbeln – das Garagen-Startup-Klischee bestätigt sich hier nicht.

Die leeren Bierkästen, die noch in einer Ecke stehen, lassen vermuten, dass hier wohl auch gefeiert wird. Aber nicht heute und erst recht nicht vormittags, am dritten Tag meiner Startup-Tour. Emanuela Tumolo, Mitgründerin von Frestyl, holt mich an der Türe ab und führt mich herum. Sie erzählt von ihrer Idee: „Frestyl ist eine Live-Musik-Discovery-App“. Ja, auf eine ähnliche Idee sind auch schon so manch andere gekommen. Emanuela und ihre drei Mitgründerinnen haben aber kürzlich in der Szene mit ihrer Idee viel Aufmerksamkeit erregt, denn sie sind nun das sechste Startup, das von hub:raum gefördert wird UND das Team besteht ausschließlich aus Frauen. Vor meinem Treffen mit Emanuela habe ich das Frestyl-Profil auf der hub:raum-Website gecheckt. Auf einem Pressefoto sieht man Emanuela, Johanna und Arianna, wie sie lässig auf Sitzsäcken posieren. Jung, dynamisch, sympathisch – weiblich. Die Medien lieben das.

Ja, tatsächlich bekommen wir ein tolles Feedback aus der Szene. Aber wenn es um das harte Business geht, sind die Investoren konservativ. Sie fragen oft, wer die App denn eigentlich programmiert und man merkt, dass sie im ersten Moment irritiert sind, wenn sie erfahren, dass wir natürlich auch das Programmieren beherrschen.

,erzählt Emanuela, während sie sich nachdenklich eine Locke aus dem Gesicht streicht. Ihr Blick schweift auf den verglasten Innenhof des modernen Bürokomplexes, in dem vier Männer in Anzug und Kravatte stehen und rauchen. Ein ausführliches Video-Interview mit Arianna Bassoli, zuständig für die Bereiche Business and Product, findet Ihr bald hier auf WebMagazin.de.

hub:raum

© Software & Support Media

Auf den ersten Blick ein Büro wie jedes andere: hub:raum Berlin

Später treffe ich mich mit Sophie Hechinger von Startupbootcamp. In einem Hinterhof, nur wenige Meter entfernt vom Checkpoint Charlie, erzählt mir die Marketing-Verantworkliche bei dem Startup-Accelerator von ihren persönlichen Erfahrungen als Frau in der Startup-Szene, während hinter uns in den Räumen von Startupbootcamp den Gründern ein kostenloses Mittagessen serviert wird.

startupbootcamp

© Software & Support Media

Mittagessen bei Startupbootcamp

Grundsätzlich sei die Startup-Szene sehr aufgeschlossen, aber wenn es ums Thema Investoren und Geld geht, scheinen Frauen immer noch einen Nachteil zu haben. Sophie erzählt mir von einer Veranstaltung der Berlin Geekettes, einer Non-Profit-Organisation, die Frauen in der IT-Welt mit verschiedenen Veranstaltungen unterstützt. „Da waren dutzende Frauen, die sich einen Vortrag über das taktisch richtige Vorgehen bei Gehaltsverhandlungen angehört haben – Frauen sind, was das angeht, oft noch deutlich zurückhaltender als Männer.“ Anschließend gehen Sophie und ich wieder rein, denn in wenigen Minuten kommen potenzielle Investoren, um mit den Gründern zu sprechen – davon berichte ich Euch in einem separaten Beitrag ausführlicher.

Auf der Rückfahrt zum Alexanderplatz werfe ich einen letzten Blick auf den Plan des U-Bahn-Netzes. In den vergangenen 40 Stunden bin ich an den meisten Bahnhöfen mindestens einmal vorbeigefahren und die schiere Größe der Stadt bekommen nun auch meine Beine zu spüren. Das vorläufige Fazit: Berlin ist groß genug und bietet Gründern einige Möglichkeiten Fuß zu fassen – auch den Gründerinnen.

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