Startup-Sommer: OFFTIME – eine Pause vom Netzzirkus – Interview mit Alexander Steinhart
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Während der Sommer Tausende in die Sonne lockt, arbeiten Startups an ihrer Unternehmensgründung, suchen Investoren, feilen an Ideen, an Monetarisierungsmodellen, und sie netzwerken was das Zeug hält. Die Serie Startup-Sommer stellt Unternehmensgründer und ihre Konzepte vor. 

Heute sprechen wir mit Alexander Steinhart, Co-Founder & CEO von OFFTIME, und schauen hinter die Kulissen einer App, die verspricht, mehr Freiraum in unsere digitale Welt zu bringen.


WebMagazin: Erkläre uns doch bitte das Prinzip von OFFTIME, wie funktioniert Eure Idee?

Alexander: Press a button and let go – OFFTIME blockiert alle ablenkenden Apps und kümmert sich um all Deine eingehenden Anrufe und SMS-Nachrichten. Dadurch kannst Du Dich wieder auf Deine Arbeit, gute Gespräche zu zweit oder einfach auf Momente der Ruhe konzentrieren. Um alles andere kümmert sich OFFTIME. Dadurch bist Du effektiver und kreativer bei der Arbeit und kannst Dich in Deiner Freizeit besser erholen.

WebMagazin: Wo steht Ihr bei der Entwicklung von OFFTIME gerade und wie finanziert Ihr Euch?

Alexander: Wir sind noch nicht live, jedoch sind wir mit unserer Android-Version in einer geschlossenen Alphaphase, was sehr viel Spaß macht. Bisher ist alles Geld und die Zeit von uns selbst. Das Ziel der im Moment laufenden Crowdfunding-Kampagne ist jedoch, diese Schulden zu begleichen und Geld für die nächsten Monate zu bekommen.

Die Crowdfunding-Kampagne ist für uns, neben den eben genannten Punkt, wichtig aus zwei Gründen: Sie zeigt uns, ob es da draußen Leute gibt, die dasselbe Problem haben wie wir, und ob es sich lohnt, weiter an einer Lösung dafür zu arbeiten. Zum anderen bringt uns das Crowdfunding jetzt schon näher an unsere Nutzer und zu den Leuten, die etwas mit unserem Produkt anfangen können. OFFTIME wird vorab für alle Unterstützer kurz nach der Crowdfunding-Kampagne zur Verfügung gestellt und exklusiv nach deren Bedürfnissen weiterentwickelt.

WebMagazin: Was macht OFFTIME besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Alexander: Wir wollen das Beste aus zwei Welten: Offline & Online. Klar kann man das Handy ausmachen, den Flugmodus anschalten oder DND auf dem iPhone nutzen. Jedoch erfüllen diese Dinge meist nicht ihren Dienst, denn oft will man ja nicht ganz raus – die Mutter, der Abteilungsleiter oder Dein Partner sollen einen ja meist noch erreichen können, oder die ein oder andere App ist ja doch sehr nützlich. Außerdem funktionieren die bisherigen Lösungen eher nach dem Prinzip einer Staumauer, und das Problem wird vertagt.

Wir bieten eine gute Übersicht, die Du schnell abarbeiten kannst, wenn du wieder zurück bist. Darüber hinaus kannst du Dich mit OFFTIME auf Wunsch in Deiner Freizeit auch von Facebook oder Deinen Arbeitsemails blocken lassen. Ich glaube, viele von uns nehmen sich das oft vor, doch dann ist der erste Griff am Morgen doch der nach dem Smartphone oder Computer.

Ich glaube, hier liegt auch noch eine weitere Stärke von uns: Ich bin zwar sehr technikbegeistert, jedoch mein fachlicher Hintergrund liegt in der Psychologie. Uns ist es wichtig, dass wir fokussierter arbeiten können und dass die Technik auch unser Wohlbefinden fördert, dazu fließt viel psychologisches Wissen in unsere technische Entwicklung.

OFFTIME will jedoch mehr als nur eine App sein. OFFTIME will eine aktive Community werden, an der Schnittstelle von technischen, sozialen und individuellen Herausforderungen in unserer hypervernetzten Welt. Dazu können Leute direkt in unserer Community auf Google Groups mitmachen oder zu einer unserer Veranstaltungen zum Thema „How to live in a hyperconnected world?“ kommen. Dort findet ein interaktiver Austausch mit den unterschiedlichsten Experten statt.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzepts, wie verdient Ihr Geld?

Alexander: Wir hoffen, uns mit einem Freemium-Modell für Endkunden Kooperationen mit Sponsoren und einem Subscription-Model für Unternehmenslösungen zu finanzieren. Wir wissen, dass Produktivität viel für Unternehmen wert ist. Doch was ist der Wert von Ruhe? Wir sind gerade dabei, herauszufinden, wer was wichtig findet und die Hypothesen, die wir haben, zu testen. Eine davon ist, dass es Leute gibt, die einen Nutzen für sich in OFFTIME sehen und dafür auch Geld ausgeben werden. Dafür haben wir die Crowdfunding-Kampagne gestartet.


WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von OFFTIME gekommen, und was habt Ihr vorher gemacht?

Alexander: Inzwischen sind wir vier Gründer und vier weitere Leute, die uns fleißig unterstützen. Vor OFFTIME haben wir, glaube ich, auch schon viel unsere Freiheit genossen und zu schätzen gelernt. Dadurch ist wohl auch die Idee von OFFTIME entstanden. Vor rund 10 Jahren habe ich meinen Zivildienst im Ausland gemacht, dabei wollte ich dem Digitalen entfliehen. Das hat jedoch leider nur halb geklappt, und unsere digitale Welt hat ja auch viele Vorteile.

Vor einem Jahr habe ich meinen Master in Psychologie gemacht und dann realisiert, wie viel Zeit ich eigentlich wieder am Handy verschwende. Freunde von mir und meinem Vater hatten dasselbe Problem und wollten sich bald auch schon wieder ein „normales’ Handy“ kaufen. Mit meinem Hintergrund und dem psychologischen Wissen dachte ich, dass es auch anders gehen muss – und los ging es. Co-Founder Michael Dettbarn, der gerade Vater wurde und gerne Arbeit und Freizeit besser trennen wollte, um das Aufwachsen seines Sohnes voll zu erleben, war schnell überzeugt und motiviert mitzumachen.

OFFTIME

©OFFTIME/Jean Egger

Auftaktevent, Juni 2013, im Betahaus Berlin: Switch Off or Burn Out?

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine, und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Alexander: Ein Ziel ist sicherlich, OFFTIME in den nächsten sechs Monaten erfolgreich auf den Markt zu bringen. Außerdem wollen wir weitere Plattformen unterstützen und OFFTIME weiter vereinfachen, indem wir KI einbauen. Das erste und wichtigste Ziel ist jedoch, nun erstmal das Crowdfunding erfolgreich abzuschließen, es ist ein Fly- oder Die-Moment.  Braucht es OFFTIME wirklich? Leute, die an uns glauben oder als erstes OFFTIME nutzen wollen, können uns die nächsten 7 Tage noch hier auf Startnext unterstützen.

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