Startups vs. Life-Work-Balance: Zu Besuch bei Béa Beste von Tollabox
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Sei fleißig in der Schule, lerne einen anständigen Beruf, gründe eine Familie und baue ein Haus: Das Idealbild eines geregelten Lebens mit einer hohen finanziellen Sicherheit ist in unserer Gesellschaft omnipräsent.

Viele gehen bei der Berufswahl auf Nummer sicher: Ein Jura- oder ein BWL-Studium lässt die Eltern nachts ruhig schlafen. Spaß kann man schließlich auch in der Freizeit haben, zum Beispiel beim Zumba-Kurs im Fitnessstudio um die Ecke.

Work-Life-Balance lautet ein Trend, der frustrierte Angestellte wieder ins Gleichgewicht bringen soll. Arbeit und Freizeit, Pflicht und Spaß: Zwei Welten, die getrennt werden sollten?

Was für ein Schwachsinn!

Ich sitze bei Béa Beste, der Gründerin der Abo-Spielzeugkisten Tollabox, im privaten Wohnzimmer. Alle Türen der schicken Wohnung im Prenzlauer Berg sind offen, in einem hinteren Raum sehe ich eine Auswahl von Béas Klamotten auf einer Kleiderstange.

Zuvor hat sie mich durch die Räumlichkeiten des Startups geführt, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken und nun, am Ende der Tour platzt es aus mir heraus: „Sag mal Béa Ihr habt so viele Räume, in denen wir sitzen könnten und Du holst mich auf Deine Couch. Trennst Du Privates und Berufliches überhaupt nicht?“. Unwissentlich treffe ich damit den Kern des Gründungs-Spirits von Tollabox und vermutlich auch den vieler anderer Beliner Startups. Und so holt Béa mit einem breiten Lächeln tief Luft und erklärt:

Ich habe eine Aufgabe, die mir so viel Spaß macht, dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt. Wir sind hier alle mit vollem Herzen dabei. Work-Life-Balance verstehe ich nicht. Das würde ja dann bedeuten, dass ich nicht lebe, wenn ich bei der Arbeit bin. Was für ein Schwachsinn.

Dann schiebt sie nach, dass es in unserer Gesellschaft natürlich auch Menschen geben muss, die Krawatten tragen, Steuererklärungen schreiben oder vermeintlich langweilige Verwaltungsaufgaben erledigen müssen. Béa habe sich aber dazu entschlossen, etwas zu tun, das ihr so sehr Spaß macht, dass es sich nicht wie Arbeit anfühlt. „Komm schon Béa, wirklich?“, bohre ich nach.

Ok, die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem sind in unserem Kaninchenbau oft fließend und manchmal sind schon die ersten Mitarbeiter im Haus, wenn ich gerade noch unter der Dusche stehe. Das ist dann schon eigenartig.

, räumt Béa ein und holt sich eine ihrer Tollaboxen auf den Schoß, die mit einem Lineal und einem Gummiband zu einem Katapult umgebaut wurde. Jubelnd schleudert sie damit Brausewürfel durch das Zimmer und freut sich wie ein kleines Kind. Auch während der Besichtigung der Arbeitsräume nahm Béa immer wieder die Tollabox in die Hand und spielte damit. Die Mitarbeiter im Hintergrund lassen sich durch die quirlige Gründerin nicht von der Arbeit ablenken:

Béa hat auch allen Grund zur Freude, schließlich sammelten sie und ihr Team in einem Seedmatch Crowdfunding satte 600.000 Euro und erreichten damit ein Seedlevel von 1.200 Prozent. Das bestätigt die Gründerin von Tollabox natürlich in ihrer Idee und treibt sie zusätzlich an.

Kill your Darlings

Andere Startups befinden sich noch ganz am Anfang und ringen in Berlin um ihr Überleben, hin- und hergerissen zwischen Leidenschaft für ihre Ideen und Angst um ihre Existenzen. Mit letzterem plagt sich Béa Beste nicht großartig herum: „Wenn ich an einen Punkt in meinem Leben komme, an dem ich Burger braten muss, um zu überleben, dann werde ich das das tun.“

tollabox

©  Software & Support Media

Küche und Chefbüro: Béa Beste (links) und Mitgründerin Sarah Petzold (rechts) haben es sich im zentralsten Ort der Firma gemütlich gemacht.

Die Erfahrung, mit einem Startup zu scheitern, hat sie bereits gemacht. Ein pädagogisches Konzept für schulische Nachhilfe ließ sich nicht so verwirklichen, wie sie es sich vorgestellt hatte. „Da zog ich die Reißleine. Bei aller Begeisterung muss man immer realistisch bleiben und bereit sein, seine Darlings zu killen.“ Am Ende zeigt mir Béa noch die Dachterasse: Ein 360-Grad-Blick über Berlin. Unzählige Jungunternehmer kommen jährlich in diese Stadt und viele von ihnen eint der Gründergeist, den uns Béa Beste heute so eindrucksvoll präsentiert hat.

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