Streaming, Popcorn Time und Co. – legal oder illegal?
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Ist das Streamen von Filmen im Internet legal oder illegal? Diese Frage stellt sich jeder insgeheim, wenn er im Netz einen Film streamt. Dieser Gedanke wird aber oft schnell wieder verdrängt, schließlich macht das doch jeder. Freunde und Bekannte tun das scheinbar auch ständig und machen daraus keinen Hehl.

Das Angebot auf den zahlreichen Streaming- und Video-On-Demand-Portalen ist dafür viel zu verlockend, sodass die meisten Nutzer sogar eine verpixelte Bildqualität in Kauf nehmen.

Popcorn Time und cuevana.tv

Streaming ist nicht gleich Streaming. Diese bittere Erkenntnis müssen derzeit User machen, die die Software Popcorn Time oder cuevana.tv genutzt hatten. Meist gutgläubig folgten sie den Anweisungen von Streaming-Portalen, die sie aufgefordert hatten, eines der beiden Programme herunterzuladen, um den gewünschte Film streamen zu können.

Popcorn Time ist ein Bit Torrent Client

Popcorn Time ist ein Anwendungsprogramm, mit dem man Dateien über das Bit-Torrent-Protokoll herunterladen kann. Zudem ist es mit Popcorn Time möglich den heruntergeladenen Inhalt weiter zu verbreiten.

Rechtsanwalt Rolf Albrecht erklärt

„Der Unterschied zwischen Streaming Plattforme wie RedTube und Software wie Popcorn Time ist, dass es sich z.B. bei dem Anbieter von Popcorn Time oder cuevana.tv um Tauschbörsen handelt. Die Verbreitung von Werken per Upload, der oftmals automatisiert erfolgt, ist eine unzulässige Handlung und per se rechtswidrig.

Hier gelten die gleichen rechtlichen Mechanismen wie bei den seit Jahren bekannten Abmahnungen der Nutzung von Internettauschbörsen, insbesondere Torrent-Netzwerke.“

Zahlen oder nicht zahlen?

Was soll ich tun, wenn ich wegen Streamings abgemahnt wurde? Wie sieht der weitere Ablauf aus? Rechtsanwalt Rolf Albrecht rät zu Besonnenheit

„Zunächst sollte nicht vorschnell gehandelt werden und eine Unterlassungserklärung abgegeben werden. Eine solche hat weit reichende Folgen und stellt einen zeitlich unbefristeten Vertrag dar.

Daher sollte die Abmahnung einem fachkundigen Rechtsanwalt zur Prüfung vorgelegt werden. Auch Anwaltsgebühren und Schadensersatzforderungen sollten bei einer solch heiklen rechtlichen Frage nicht vorschnell gezahlt werden.“

Abmahnung – was tun? Ein Video-Tutorial

Streaming: legal oder illegal?

Akut wird diese Frage erst, wenn eine Abmahnung mit Zahlungsaufforderungen ins Haus flattert.

Der europäische Gerichtshof (EuGH) hat im Urteil vom 5. Juni 2014 zu Urheberrechtsverletzungen bei „Erzeugung von Kopien einer Internetseite auf dem Bildschirm und im Cache der Festplatte während des Internet-Browsings“ das Streaming für legal erklärt. Somit wird den gegen die RedTube-Nutzer klagenden Anwälten jegliche rechtliche Grundlage entzogen.

Zwischenspeichern von Inhalten im Cache – keine Urheberrechtsverletzung

Anlass für dieses Urteil war ein Rechtsstreit zwischen der britischen Public Relations Consultants Association Ltd und der Newspaper Licensing Agency Ltd. Der Verband verlangte von dem PR-Versand Lizenzgebühren „wegen der Pflicht, die Zustimmung der Urheberrechtsinhaber für die Betrachtung von Internetseiten einzuholen, die die Erstellung von Kopien dieser Seiten auf dem Bildschirm des Computers des Nutzers und im Internetcache der Festplatte dieses Computers voraussetzt.“

Laut Verlegerverband hatte sich der PR-Versand unerlaubterweise über einen Medien-Dienst kostenlose Online-Zeitungsartikel angeschaut.

Hier entschied der europäische Gerichtshof, dass das Anschauen von Kopien der Zeitungsartikel auf dem Monitor keine Urheberrechtsverletzung darstelle, auch wenn diese vorübergehend im Cache der Festplatte gespeichert werden.

Ein Auszug aus dem Originaltext des EuGH

„Art. 5 der Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft ist dahin auszulegen, dass die von einem Endnutzer bei der Betrachtung einer Internetseite erstellten Kopien auf dem Bildschirm seines Computers und im „Cache“ der Festplatte dieses Computers den Voraussetzungen, wonach diese Kopien vorübergehend, flüchtig oder begleitend und ein integraler und wesentlicher Teil eines technischen Verfahrens sein müssen, sowie den Voraussetzungen des Art. 5 Abs. 5 dieser Richtlinie genügen und daher ohne die Zustimmung der Urheberrechtsinhaber erstellt werden können.“

37% der User streamen kostenlos

Laut einer aktuellen Studie von deals.com sind Video-on–Demand Nutzer dazu bereit, bis zu zehn Euro im Monat für einen Streaming-Dienst auszugeben – sofern er ihre Ansprüche erfüllt .

Allerdings finden drei von zehn Konsumenten die aktuellen Angebote noch zu teuer. Die Konsequenz: Mehr als jeder dritte Film- und Serienfan (37%) nutzt regelmäßig kostenlose, häufig illegale Videostreams und -Downloads.

Vorsicht Betrüger!

Der Schreck ist groß, die Abmahnung ist da – was nun? Zunächst sollte man überprüfen, ob es sich um eine seriöse Abmahnung handelt- Googelt den Absender der Abmahnung: Manchmal entpuppt sich die Anwaltskanzlei schnell als Trittbrettfahrer, der ohne haltbare Beweise versucht, den Nutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Klopft zum Beispiel Hordij Franzke per Email an die digitale Tür und fordert 407,46 Euro für das angeblich „illegale Laden“ des Filmes „StarTrek: Into Darkness“, könnt ihr die Abmahnung getrost vergessen. Es handelt sich hierbei ganz offensichtlich um einen Trittbrettfahrer. Der Email-Anhang ist mit einem Virus verseucht und die IP-Adresse, 121.40.234.145, über die der Film „geladen“ wurde, führt in ein kleines Kaff in Zentral-China. Netter Versuch, es wäre interessant zu wissen, wie viele Nutzer darauf reingefallen sind:

abmahnung kanzlei

@Software & Support Media

„Waldorf Frommer“ ein alter Bekannter

Andere Kanzleien haben sich hingegen auf Abmahnungen spezialisiert. So vertritt zum Beispiel die Kanzlei „Waldorf Frommer“ die Filmproduktionsfirma Warner Bros. Entertainment in Deutschland. Im Auftrag dieses Hollywood-Riesen verschicken die Anwälte von Waldorf Frommer reihenweise Abmahnungen. Ein Schreiben von den Damen und Herren von Waldorf Frommer solltet ihr lieber nicht ignorieren!

Filme online streamen wird immer populärer

Kaum jemand legt noch den Weg in die Videothek oder sogar in ein Geschäft zurück, um sich einen Film zu besorgen. Das Angebot auf den zahlreichen Streaming- und Video-On-Demand-Portalen ist dafür viel zu groß und die meisten Nutzer nehmen eine verpixelte Bildqualität in Kauf, wenn Sie dafür die eigene Couch am Abend nicht mehr verlassen müssen.

Razzia bei Kinox.to

Nachdem vor einigen Jahren schon Kino.to geschlossen wurde, gab es jetzt auch eine Razzia, um die Betreiber des Nachfolger-Portals Kinox.to aufzuspüren. Ihnen wird nicht nur gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung vorgeworfen, sondern auch Steuerhinterziehung, räuberische Erpressung und Brandstiftung. Die beiden Brüder haben nicht nur kinox.to betrieben, sondern auch die One-Click-Hoster Freakshare.com und Bitshare.com sowie Movie4k.to, Boerse.sx und Mygully.com.

Gibt es Konsequenzen für Kinox.to-User?

Welche Konsequenzen hat die Razzia für die User der On-Demand-Plattform? Beim Streaming von Videomaterial befinden wir uns immer noch in einer rechtlichen Grauzone. Rolf Albrecht, Fachanwalt für Informationstechnologierecht bewertet die Situation folgendermaßen:

„Grundsätzlich kommt es auf die von den Portalen genutzte Technik an, ob das Betrachten rechtswidrig ist. Solange jedoch auf dem PC des Betrachters keine Kopie des betrachteten Werkes gespeichert wird, ist eine Verfolgung der Nutzer eher unwahrscheinlich. Jedoch liegt zu dieser Problematik keine höchstrichterliche Rechtsprechung vor. Bisher sind Gerichte, so im Jahr 2013 und den dortigen Fällen der Nutzer des Portals RedTube davon ausgegangen, dass es sich bei dem Streaming um eine zulässige vorübergehende Vervielfältigung im Arbeitsspeicher der PC der einzelnen Nutzer handelt.“

Demnach müssten sich die Nutzer von Kinox.to wohl eher keine Sorgen vor rechtlichen Konsequenzen machen, denn das Vergehen wird vor allem bei den Hosts gesehen, die das Filmmaterial auf ihren Websites zur Verfügung stellen und so illegal verbreiten.

Kinox.to ist weiterhin online

Überraschenderweise ist Kinox.to weiterhin online. Die Website Tarnkappe.info geht davon aus, dass die Behörden selbst die Server weiterbetreiben wollen, um so an Nutzerdaten zu gelangen. Es ist aber nicht bekannt, ob Kinox.to überhaupt die IP-Adressen der User abspeichert.

Rolf Albrecht: „Sollten durch die Razzien dennoch Nutzerdaten durch die Staatsanwaltschaften verwertet und erhoben werden können, die eine Rückverfolgung durch die Rechteinhaber ermöglicht, kann es ggf. zu Abmahnungen kommen. Es ist jedoch eher davon auszugehen, dass die Behörden gegen die Betreiber der Portale vorgehen, um diese ‚Quelle trocken zu legen‘.“

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