Suchtfaktor: WhatsApp und Quizduell – Menthal-App warnt
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Die neue App „Menthal“ erstellt Nutzungsstatistiken von Smartphone Usern und evaluiert das Suchtpotenzial.

Vor allem junge Menschen verbringen immer mehr Zeit am Smartphone. In den meisten Teilen des Alltags scheint das Smartphone ein unabdingbarer Bestandteil geworden zu sein. Kurz mal das Beste Café in der Nähe googeln, ein Foto an Freunde verschicken, den Weg nachschauen – all dies ist möglich und macht den Alltag einfacher.

WhatsApp und Quizduell als Drogenersatz?

Allerdings birgt die massive Nutzung des Handys auch enormes Suchtpotenzial, warnen Wissenschaftler nun. Es fungiert in diesem Sinne wie eine Droge: Der Konsum wird schleichend höher, ist das Smartphone nicht nutzbar können Entzugserscheinungen auftreten und es findet eine ständige geistige Auseinandersetzung damit statt.

Das Forscherteam aus Bonn unter der Leitung von Dr. Montag machte es sich zur Aufgabe, herauszufinden, in welchem Ausmaß das Handy tatsächlich genutzt wird. In einer Pilot-Studie kamen sie zu dem Ergebnis, dass die meisten Nutzer die Zeit unterschätzen, die sie am Smartphone verbringen. Das Nutzungsverhalten von 50 Studenten wurden über einen Zeitraum von sechs Wochen überwacht. Hierbei wurde aufgezeichnet, dass das Smartphone durchschnittlich 80 mal am Tag aktiviert wurde, ein Viertel der Probanden verbrachte mehr als zwei Stunden pro Tag damit.

Der Nachrichtendienst „WhatsApp“ wird, so zeigte die Pilot-Studie, am öftesten genutzt – mehr noch als Facebook oder Spiele-Apps. Auch die Telefonier und SMS Funktionen wurden von dem Instant-Messenger, bei dem sich nicht nur Nachrichten sondern auch Sprachmitteilungen, Fotos oder Videos verschicken lassen, weit überholt.

Darüber hinaus erfreuten sich die Spiele-Apps „Quizduell“ und „Flappy Bird“ hoher Beliebtheit. Letztere wurde nun sogar vom Entwickler selbst vom Markt genommen.

Die Frage, der sich das Team aus Bonn nun stellt, ist: Wann genau beginnt denn die Sucht? Um diese zu beantworten, haben die Forscher eine App entwickelt: „Menthal“.

Sie ist kostenlos für Android OS 4.0 (oder höher) verfügbar und überwacht jede Aktion, die mit dem Smartphone ausgeführt wird. Sämtliche Daten – wann, wie oft und welche Dienste und Anwendungen – werden gesammelt. Nach einigen Tagen können die Nutzungsstatistiken abgerufen werden, der Nutzer kann genau einsehen, wie lange er täglich am Handy ist, welche Apps er am meisten öffnet und wie sein Telefonierverhalten ist. Dadurch kann das eigene Gefährdungspotenzial eingeschätzt werden.

Die Ergebnisse werden anonymisiert an das Forscherteam weitergeleitet, welches die Daten für ihre Zwecke auswertet. Die Auswertungen werden uns wahrscheinlich wichtige Erkenntnisse darüber liefern, inwiefern unsere Gesellschaft der ‚Droge‘ Smartphone bereits verfallen ist.

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