T3CON13 – TYPO3 modernisiert sich mit Next-Generation-CMS TYPO3 Neos
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Vergangene Woche fand in der Stuttgarter Filderhalle die neunte Ausgabe der T3CON statt. Zum ersten Mal lockte die jährliche TYPO3-Konferenz die Teilnehmer mit einer neuen Programmstruktur. Doch hinter dem geänderten Ablauf – jeder der drei Konferenztage stand unter einem anderen Motto – steckt mehr als eine thematische Umstrukturierung der Konferenz. Die TYPO3 Association, die als Non-Profit-Organisation hinter dem freien CMS steht und mehr als 500 Mitglieder zählt, will mit der Neuausrichtung dem verstaubten Antlitz des auf PHP basierenden Content Management  Systems entgegentreten und TYPO3 einen neuen, frischen Anstrich verpassen.

Neben dem vornehmlich aus Entwicklern bestehenden Publikum soll die T3CON zukünftig auch als Branchentreff für „Geschäftsführer und andere Business-Entscheider, Marketing- und IT-Experten sowie Content Manager und Entwickler“ fungieren. Und weil das nicht ohne große Namen funktioniert, holten sich die Organisatoren einige international renommierte Speaker nach Stuttgart, unter anderem Leslie Hawthorn von Elasticsearch, Rasmus Skjoldan von MOC, Jesse Stay von Stay N Alive oder Thorben Fasching von hmmh multimediahaus. Darüber hinaus fand die Konferenz zum ersten Mal unter Woche und an drei statt zwei Tagen statt.

Die Farbe für den geplanten Neuanstrich von TYPO3 wurde allerdings bereits im letzten Jahr das erste Mal angerührt, denn seit Oktober 2012 ist TYPO3 die Dachmarke für die drei wichtigsten Produkte des Hauses, TYPO 3 CMS, TYPO3 Flow und TYPO3 Neos, die von eigenständigen Core-Teams entwickelt werden.

Neben der neuen Version von TYPO3 CMS, die ebenfalls auf der T3CON13 vorgestellt wurde, unterstreicht insbesondere TYPO3 Neos die Bemühungen, mit denen die TYPO3 Association ein hochgestecktes Ziel erreichen will: eine „neue Ära von Content Management Systemen“ einzuläuten. 

TYPO3 Neos 

Was ist TYPO3 Neos? Als neuer, eigenständiger Entwicklungszweig begannen die ersten Arbeiten an Neos bereits 2006. Zunächst als TYPO3 Version 5.0, dann als Projekt Phoenix betitelt, war das Projekt ursprünglich als Refactoring des Kerns der bestehenden TYPO3-Version 4 vorgesehen.

Rasmus Skjoldan, Creative Lead bei der Agentur MOC und User Experience Lead für TYPO3 Neos, erzählt uns im Gespräch auf der T3CON, dass man realisierte, nicht ewig das TYPO3 CMS weiterentwickeln zu können. „Damals dachten wir: Okay, wir fangen von vorne an!“ Allen war klar geworden, dass das Ziel, ein zukunftssicheres Fundament für kommende TYPO3-Versionen zu legen, am besten mit der Abtrennung von der alten Codebasis zu erreichen war. In diesem Zuge entstand auch TYPO3 Flow, dem in PHP geschriebenen Applikations-Framework, das jetzt als Basis für Neos dient. Auch personell kam es zu einer Trennung und Kasper Skårhøj, der dänische Erfinder und bis dato Chefentwickler von TYPO3 verabschiedete sich und Robert Lemke übernahm. „Eines der Hauptziele damals“, erinnert sich Rassmus, „war es eine überzeugende User Experience in allen Dimensionen des CMS zu schaffen – und zwar für Entwickler, Content-Redakteure, Marketer und System-Admins, also für alle Leute, die das CMS nutzen.“

typo3.org
Rasmus Skjoldan und sein Team während eines Code Sprints im Mai 2013 (© typo3.org).

Die bereits erwähnte Entscheidung im Oktober 2012 war schließlich die wahre Geburtsstunde des neuen Namens Neos und Veröffentlichungstermin einer ersten Alpha-Version.

Inline-Editing

Im Unterschied zu TYPO3 CMS, das als traditionelles Content Management System über eine mächtige Funktionsvielfalt verfügt, soll Neos das „next-generation open source cms“ der TYPO3 Community sein, das sich vor allem an Content Manager richtet.

„Gerade für wirklich simple Editing-Bedürfnisse ist TYPO3 Neos die bessere, weil einfachere Lösung. Denn es bietet ein Inline-Editing nach dem Prinzip ‚what-you-see-is-what-you-get’“, erklärt mir Rasmus das Feature, das oft auch ‚In-Page Editing’ genannt wird und die Möglichkeit beschreibt, direkt auf der Website am Content zu arbeiten: Texte schreiben, Bilder einfügen und deren Größe anpassen und vieles mehr. Dadurch soll gewährleistet werden, dass man seinen produzierten Content genau so sieht, wie ihn der Nutzer auf der Seite sieht. 

In Place editing
Das In-Line-Editing von TYPO3 Neos (© typo3.org). 


„Für fortgeschrittene Multi-Channel Use-Cases würde man fast nie Inline-Editing benutzen, deswegen haben wir verschiedene Möglichkeiten, Content zu bearbeiten, eingebaut.“ Damit lässt sich laut Rasmus der Bearbeitungsprozess auf die Bedürfnisse des Users und des Projekts maßschneidern – etwas, was in TYPO3 CMS nicht so einfach möglich ist.“ Damit sie vor allem die „core editing experience“, wie Rasmus sie nennt, in Neos deutlich moderner, zeitgemäßer. 

Der sogenannte Wireframe-Modus ist ebenfalls sehr interessant. Hier kann man quasi der nackten Website Inhalte hinzufügen. Das bietet sich beispielsweise an, wenn man Content einstellen möchte, obwohl noch kein Design, noch keine Templates existieren.

Auch das „Raw Content“-Feature klingt vielversprechend. Laut Rasmus handelt es sich dabei um einen Word-ähnlichen Editor im CMS. Anstatt also tatsächlich den ersten Draft in Word anzulegen, kann man so als Redakteur gleich in Neos loslegen und schreiben. Der Inhalt wird automatisch lokal gespeichert. Der Verlust von kreativem Output durch eine fehlende Seververbindung soll so der Vergangenheit angehören.

Der "Raw Content"-Modus von TYPO3 Neos.
Der „Raw Content“-Modus von TYPO3 Neos (© typo3.org).

Personalisierung

Auch um Verbesserungen auf Marketingseite hat sich Rasmus’ Team gekümmert. Auf Basis von vielen Gesprächen hat sich ein Aspekt herauskristallisiert, auf den besonderer Fokus gelegt wurde: Personalisierung. „Das gut zu realisieren, ist eine knifflige Angelegenheit. Aber es macht in sehr komplexen Setups viel Sinn. Gerade dort, wo man viele Touchpoints für seine Endkunden hat, wo man versucht, viele Produkte zu verkaufen, macht diese Customization sehr viel Sinn.“ Doch Rasmus gibt auch zu, dass es hier noch viel Verbesserungsbedarf gibt – etwas, was seiner Meinung nach für viele CMS zutrifft.

Content Repository & Preview Central 

Im Gegensatz zu TYPO3 CMS, wo es eine enge Verbindung zwischen Inhalt und der Präsentation des Inhalts gibt, habe man genau diese Verbindung in Neos gelockert. „Es ist mehr ein „Content Repository“, also eine Ablage für Inhalte, die unabhängig ist und den Inhalt an jede Art von Gerät, Plattform oder Kanal ausrollen kann. Der Vergleich zum Adobe Web Experience Manager, den Rasmus anstellt, ist mutig, zeigt aber, wie sehr er von den Fähigkeiten von Neos überzeugt ist.

Ein weiteres interessantes Feature von Neos ist die sogenannte Preview Central, ein Teil des User Interface, wo man verschiedenste Preview-Templates und Preview-Settings sammeln kann. „Man dort also die Device-Previews dort abrufen, sich also beispielsweise die verschiedenen Seitenbreiten anschauen, um zu checken, wie ein Inhalt auf verschiedenen Geräten aussieht“, erklärt Rasmus.

Preview central

Die Preview Central TYPO3 Neos (© typo3.org).


Auch für bei der Benutzung des Backends auf Tablets hat das Team um Rasmus großen Wert auf Benutzerfreundlichkeit gelegt. 

Doch nicht nur für das reine Content Management soll sich Neos eignen, auch für das Management von großen Webapplikationen á la YouTube soll Neos einsetzbar sein.

Neos als Wegbereiter für die Zukunft

Das TYPO3 mit Neos definitiv einen neuen Weg einschlagen wird, verdeutlicht mir folgende Aussage von Rasmus ganz besonders. Denn sie zeigt mir, dass die Verantwortlichen begriffen haben, ‚out-of-the-box’ zu denken und den digitalen Wandel zu Ende zu denken:

„Wir verabschieden uns endlich von der Metapher der ‚Webseite’ und es ist verrückt, dass es so lange gedauert hat, an diesem Punkt anzukommen. Aber wir haben die letzten 20 Jahre damit verbracht, um uns ans Web im Allgemeinen anzupassen. Jetzt sind wir bereit, um die Print-Welt zu verlassen, uns davon zu befreien und uns Gedanken zu machen, wie wir Inhalte dem User präsentieren – egal ob auf einem Gerät oder welchem Kanal auch immer.“

Auch Volker Graubaum, Organisator der Konferenz und CTO von e-net Consulting, unterstreicht diesen Gedanken später in einem Gespräch mit mir erneut. „Bei dem ganzen Gerede von Veränderungen – Responsive Design, Multi-Channel – sprechen wir zu wenig über User Experience und die Veränderungen derselben. Gerade weil uns neben Smart TVs auch andere neue Screens zukünftig immer häufiger begegnen werden, beispielsweise große Touch-Devices in er Küche, müssen wir uns überlegen, wie wir den Inhalt in diesen verschiedenen Nutzungszusammenhängen behandeln. Denn es ist der gleiche Inhalt, nur dargestellt in einem anderen Nutzungszusammenhang. Und das wird auch die Arten der Nutzung verändern und darauf müssen wir reagieren.

Die Hilfe bei der Erstellung von „context appropriate content“, also Inhalten, die auf den Kontext des Users angepasst sind, sieht Rasmus entsprechend als eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre an.

Fazit

Mein Besuch auf der T3CON und die Gespräche mit Mitgliedern der TYPO3 Association haben bei mir auf jeden Fall dazu beigetragen, dass sich mein Bild von TYPO3 geändert hat. Es scheint, als ob wirklich Bewegung in die Community gekommen ist, die Produktfamilie wurde modernisiert und vor allem: Die verschiedenen Projektleiter haben ein gutes Gespür, was die Endkunden wollen und wo die Reise hingehen muss. Natürlich wird es ein harter Weg, denn die Konkurrenz schläft nicht. Doch welche Manpower in der TYPO3 Community steckt, verdeutlich allein die Tatsache, dass man zwei Produktreihen wie TYPO3 CMS und TYPO3 Neos konstant weiter entwickeln kann. Auch deshalb stimme ich mit Rasmus überein: TYPO3 Neos wird von Anfang an eine wichtige Rolle auf dem Markt spielen. Der praktisch-intuitive Editing-Prozess und das TYPO3 Flow Framework als Basis machen Neos für viele Projekte wettbewerbsfähig.

Die Neuausrichtung und Modernisierung von TYPO3 setzt sich darüber hinaus bei der T3CON fort. Nächstes Jahr wird die Konferenz nicht mehr in Stuttgart gastieren, sondern in Berlin

Abschließend habe ich noch zwei Videos von der T3CON13 eingebunden. Das erste zeigt die Vorstellung von TYPO3 Neos 1.0 durch Robert Lemke, sowie die Session „Neos UX – Now and in the Future“ von Rasmus Skjoldan, in der er auf die User-Experience-Features eingeht. 

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