Tablets auf der Überholspur – Verkaufszahlen steigen, aber was ist mit der Web-Performance?
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Jeder achte Bundesbürger, also rund 9,1 Millionen Menschen, tippt, wischt und zoomt sich laut Zahlen des Bitkom aus dem November 2012 bereits per Tablet-PC durch digitale Inhalte. In den zwei Jahren seit der Markteinführung des iPad haben sich Tablets fest etabliert und sowohl Smartphones als auch Computer bei vielen Aufgaben an Beliebtheit überholt – ganz gleich, ob es sich um das Surfen im Web, das Ansehen von Videos, das Lesen von Büchern oder grundlegende Kommunikationsaufgaben handelt.

Offen ist allerdings die Frage, inwieweit die Anwenderfreundlichkeit beim Surfen im Web den Erwartungen der Tablet-Benutzer entspricht. Es ist eine Erfahrung, sich schnell und einfach seinen Weg im Apple Appstore über eine WLAN-Verbindung zu bahnen. Es ist aber oftmals eine eher frustrierende, zu versuchen, unterwegs über ein überlastetes Mobilnetzwerk eine Website abzurufen. Denn es hat nichts Magisches, auf einen leeren Bildschirm zu starren und den Ladevorgang abzuwarten. Und es ist auch desillusionierend, sich über Websites mit falsch platzierten Grafiken und Schaltflächen zu manövrieren, da sie lediglich für Webbrowser von Desktop-PCs optimiert sind.

An dieser Stelle entsteht eine Herausforderung für die Website-Betreiber. Anwender wollen Inhalte über ihr Tablet schnell und einfach abrufen – unabhängig über welche Verbindung. Benutzerfreundlichkeit ist hierbei ein wichtiges Thema. Noch wichtiger ist allerdings zunächst einmal die Geschwindigkeit.

Die lukrativsten Kunden der Online-Welt

Vielleicht liegt es daran, dass das iPad kostspielig ist – zumindest für ein Gerät, für das vor zwei Jahren niemand so recht das passende Einsatzgebiet kannte – oder weil es rund 60 Prozent Marktanteil hält. Auf jeden Fall zählen Tablet-Besitzer zu den vermögendsten und kauffreudigsten Verbrauchern im Internet. Sie sind also eine lohnende Zielgruppe für Betreiber eines kostenpflichtigen Online-Angebots oder eines Webshops.

Mehr als die Hälfte der Tablet-Nutzer in den USA sind Hochschulabsolventen, im Vergleich zu den 28 Prozent der Gesamtbevölkerung. Deren Haushalteinkommen liegt dreimal häufiger als im Durchschnitt über 75.000 US-Dollar jährlich, die Arbeitslosenquote dieser Klientel ist um ein Drittel geringer (Pew Research Center/journalism.org: „The Tablet Revolution„, 25.10.2011). Mehr als 60 Prozent der Tablet-Besitzer sind zwischen 18 und 49 Jahre alt, stattliche 28 Prozent sogar über 50. Damit sind Tablets nicht ausschließlich ein modisches Accessoire der „Born Digitals“ (Nielsen/nm incite: „State of the Media: U.S. Digital Consumer Report Q3-Q4 2011“). In Deutschland verfügen rund 15 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen über einen Tablet-PC. Am weitesten verbreitet sind die Geräte bei Nutzern im Alter von 30 bis 44 Jahren. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil der Tablet-Besitzer bei 10 Prozent (Bitkom-Zahlen).

Entscheidend für den Online-Händler aber ist: Tablet-Besitzer sind Käufer. Die Mehrzahl präferiert beim Einkauf das Tablet gegenüber dem PC. Laut Adobe verbringt der durchschnittliche Tablet-Nutzer 50 Prozent mehr Zeit als ein Smartphone-Besitzer und 20 Prozent mehr als ein PC-Anwender mit dem Online-Shopping. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Kaufabschluss kommt, liegt ebenso hoch wie beim typischen Computer-Käufer und dreimal so hoch wie bei Smartphone-Nutzern (Adobe Digital Marketing Insights: „The Impact of Tablet Visitors on Retail Websites“, Daten von 2011).

Websites sind wichtig für Tablets

Diese potenziellen und begehrten Verbraucher nutzen zum Online-Shopping deutlich häufiger den integrierten Webbrowser als eine spezialisierte App. Nach Untersuchungen von Nielsen präferieren rund zwei Drittel der mobilen Konsumenten das Web zum Einkauf bei den führenden Einzelhändlern (Quelle: NielsenWire). Nach eigenen Recherchen von Keynote bevorzugen Tablet-Benutzer den Browser gegenüber speziellen Apps auch bei anderen Aktivitäten wie etwa beim Lesen von Nachrichten oder bei der Suche nach Produktinformationen.

Für die meisten Website-Betreiber leitet sich daraus ab, dass die Präferenz auf den Investitionen in eine Website liegen sollte, die für die Nutzung über Tablets geeignet ist und die alle Wünsche der Tablet-Nutzer in puncto Benutzerfreundlichkeit und Leistung erfüllt. Aber auch spezialisierte Apps haben ihre Daseinsberechtigung – immerhin ein Drittel der Anwender nutzt sie gerne. Sie sollten jedoch zielgerichtet bereitgestellt und nicht als Alternative, sondern als strategische Ergänzung der Website eingesetzt werden.

Wie schnell ist schnell genug?

An Desktop-Rechnern erwarten die Anwender, dass eine Website in zwei Sekunden oder weniger geladen ist. Wie sieht dies bei Tablet-Nutzern aus? Keynote hat mehr als 5.000 Anwender von Tablet-PCs befragt und von mehr als 30 Prozent als Antwort erhalten, dass sie die gleichen Leistungserwartungen an ihr Tablet haben wie an einen Desktop-Rechner – also Ladezeiten von höchstens zwei Sekunden. Rund 28 Prozent wären mit einem Laden innerhalb von drei Sekunden zufrieden, nur zehn Prozent würden sechs Sekunden oder länger warten.

Diese Daten wurden nach Aussagen der Anwender und nicht nach Messungen erhoben, daher ist es möglich, dass Tablet-Benutzer in der Praxis toleranter sind, als sie angeben. Dafür sprechen auch die Aussagen von 44 Prozent, die sagten, sie würden einen Refresh starten, wenn eine Seite zu lange lädt. Zwölf Prozent gaben an, sie würden einfach warten.

Best Practice: Gezielt für Tablets entwickeln

Der offensichtlichste Grund für die schlechte Leistung beim Abruf von Websites über ein Tablet ist das Senden von zu viel Inhalt. So ergab eine Studie der Yankee Group, dass die meisten untersuchten Seiten nicht an die Nutzung via Tablet-PC angepasst waren – und das Senden einer umfangreichen, für Desktop-PCs entwickelten Website über ein Mobilfunknetz garantiert geringe Performance.

Einige Sites übertragen aktuell sogar mehr Inhalte auf ein Tablet. Dabei handelt es sich manchmal um Werbung für die App der Website. In anderen Fällen werden zusätzliche Inhalte übertragen, eben weil es sich um ein Tablet handelt. So sendet beispielsweise Amazon das bis zu 18-fache an Daten – wie etwa detailliertere Fotos – an Tablets als an Smartphones (Quelle: Yankee Group Report: „Serving the New, More Mobile Web“ von Carl Howe, 1/2012).

„Wir erleben häufig, dass Websites für Tablets die umfangreichsten sind, oft noch mit mehr Transfervolumen als die Seiten für Desktop-PCs“, sagt Keynote Director Marketing Europe Thomas Gronbach. „Oftmals wird die Desktop-Version einer Website genommen und für das Tablet um zusätzliche Inhalte, z.B. mit Werbung für eine App angereichert. Oder es werden standortabhängige Services implementiert. Was das für die Leistung beim Seitenabruf über ein Mobilfunknetz bedeutet, kann sich jeder vorstellen.“

Zahlreiche Tipps und Tricks zielen auf die Leistungsoptimierung von Desktop-Websites ab, bei Tablets ist es allerdings besser, eine Site speziell für diese Anwendergruppe aufzubauen und dabei die Benutzerfreundlichkeit stets im Auge zu behalten. Inhalte sollten für jede Art von Verbindung optimiert sein. Zudem lassen sich durch die umfangreichen Möglichkeiten, die HTML5 bietet, die zusätzlichen Fähigkeiten von Tablets wie die Bedienung über Gesten oder Standortservices gut nutzen. Damit lässt sich ein Benutzererlebnis gestalten, das speziell nur mit Tablets erreichbar ist.

„Ich glaube nicht, dass sich Unternehmen darüber Gedanken machen, welche Ziele sie letztlich über verschiedene mobile Endgeräte erreichen wollen“, so Gronbach weiter. „Vielmehr beginnen sie damit, Seiten einzurichten, die auf Tablets genau so leistungsarm sind wie auf Smartphones. Erst dann stellen sie fest, dass die Bereitstellung der Inhalte zwölf Sekunden dauert. Am Ende steht die Frage wie die Benutzerfreundlichkeit verbessert werden kann. Vernünftiger wäre es, sich auf Tablets und deren Vorteile zu fokussieren und diese im Entwicklungsprozess gezielt im Auge zu behalten. Es ist wichtig, sich zu fragen, was das Besondere, das Einzigartige an Tablets ist und wo die Unterschiede zur Desktop-Version liegen? Letztlich sollte man eben nicht versuchen, einer Desktop-Version einfach nur eine neue Verkleidung zu spendieren.“

Keynote® (NASDAQ: KEYN) ist der weltweit führende Anbieter von mobilem und Web-basiertem Cloud Testing und Monitoring. Keynote betreibt die weltgrößte „on-demand“ Performance-Monitoring- und Testinfrastruktur für Web- und mobile Seiten, die aus mehr als 7.000 Mess-Computern und mobilen Geräten an über 275 Standorten weltweit besteht, und es Unternehmen so ermöglicht, kontinuierlich die Darstellungsqualität im Internet und auf mobilen Endgeräten zu verbessern.

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