Tollabox verrät uns ihr Erfolgsrezept: Tipps für gelungenes Crowdfunding
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Eine schuhkartongroße Box sorgt derzeit in der Berliner Startup-Szene für Aufmerksamkeit: Die Rede ist von der Tollabox, eine Idee der Kindergarten- und Schulgründerin Béa Beste nach dem Konzept “Lernen durch Spielen”. Dank eines Abos wird jeden Monat eine Schachtel mit einer Überraschung nach Hause geliefert. In der Box befinden sich Entdeckerspiele mit den dazugehörigen Materialien, bebilderten Anleitungen sowie eine Hör-CD für Kinder.

Vor kurzem hat Tollabox eine Crowdfunding-Aktion auf Seedmatch gestartet und nach nur eineinhalb Stunden bereits 79.000 Euro von Investoren eingesammelt. Wir haben uns mit den Tollabox-Gründern Béa Beste und Oliver Beste über Crowdfunding, Startup-Hürden und spielerischem Lernen unterhalten. Dabei verriet uns Béa unter anderem ihr Tollabox-Erfolgsrezept.

WebMagazin: Beschreibe bitte die Idee und das Konzept von Tollabox.

Béa: Die Tollabox ist eine kreative Bildungs- und Entdeckerbox für Drei- bis Achtjährige, die monatlich direkt nach Hause geliefert wird. Die Box bringt zu jeder Monatsmitte drei Spiele mit kreativen Materialien und Anleitungen zum Basteln, Erforschen und Dinge-Begreifen. Dazu kommen Elterntipps und eine fantasievolle Serienfolge der Tolla-Helden als Heft und Audio-Book. Bildung durch Spielen ist das Konzept, um alle wichtigen Fähigkeiten in der prägenden frühkindlichen Phase zu fördern. Eltern bietet der Service Convenience: Die Tollabox erspart die aufwändige Suche nach Ideen und Material.

Die Box gibt es ab 20,90 Euro pro Monat online unter tollabox.de, wo auch weitere Informationen zum ausgefeilten Lernkonzept nach Howard Gartner’s Intelligenzen zu finden sind. Ein Bildungseffekt stellt sich durch regelmäßiges Spielen mit den Tollabox-Entdeckerspielen ein, weshalb die Box im Abonnement angeboten wird – allerdings jederzeit kündbar.

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WebMagazin: Ihr habt auf dem Crowdfunding-Portal seedmatch.de in 90 Minuten bereits 79.000 Euro von Investoren eingesammelt, herzlichen Glückwunsch! Was waren die Gründe für Euch, mit Tollabox Crowdfunding zu betreiben?

Oliver: Es war ein Wagnis, weil wir uns der Zustimmung der Crowd natürlich überhaupt nicht sicher sein konnten. Kurz nach dem Start am Montag um 12 Uhr haben wir aufgeatmet, als ein Investment nach dem anderen reinprasselte und so viele ermutigende Kommentare kamen. Wir haben Crowdfunding gewagt, weil Seedmatch inzwischen wirklich interessante Summen zu fairen Bewertungen und Konditionen einsammelt. Tollabox benötigt noch ca. zwei Millionen Euro Kapital bis zum Breakeven, weil unser Geschäftsmodell hohe Investitionen in den Aufbau eines Abonnentenstammes erfordert. Beruhigt hat uns zu sehen, dass auf Seedmatch bereits Zweitrunden mit Summen von vielen hunderttausend Euro möglich sind.

Béa: Wir finden zudem, dass Crowdfunding die Finanzierung junger Unternehmen demokratisiert: Es gibt Startups neuerdings die Chance, hunderte oder tausende Investoren zu erreichen und weniger von den intransparenten Risikokapitalmärkten abhängig zu sein. Es gibt viele gute Startups, die keine Seedfinanzierung kriegen, weil sie das Pech hatten, keinen Seed-Angel zu finden, obwohl fünf Straßen weiter einer wohnt, der nur leider nie von ihnen erfahren hat.

Crowdfunding ist auch klasse für Marketing und Sales, weil die Presse und viele potentielle Kunden und Multiplikatoren plötzlich ein spannendes neues Geschäftsmodell mit einer Innovation aus Deutschland kennenlernen. Ich sage in unserem Video: Jeder Investor ist ein “tolla” Botschafter.

WebMagazin: Andere Startups haben mit Crowdfunding weniger Glück. Warum ist Tollabox so erfolgreich? Oder anders gefragt: Welche Projekte sind aus Eurer Sicht gut, welche weniger gut für das Crowdfunding-Konzept geeignet?

Oliver: Dazu gibt es zwei Antworten. Erstens: Wen finanzieren die Investoren gern? Zweitens: Und für welches Geschäftsmodell ist Crowdfunding vielleicht sogar gefährlich? Investoren finanzieren gerne Geschäftsmodelle, die sie überzeugen und inspirieren. Consumer-Startups wie die Tollabox, miBaby oder erdbär (gesunde Kindersnacks) haben gute Chancen, wobei es reiner Zufall ist, dass das Kinderprodukte sind. Die Investoren sind Männer und keine Mütter.

Ebenso gute Chancen haben tolle technische Lösungen, die für den Laien Sinn machen, wie elektrische Tuktuks (Innenstadtbeförderung) oder Cloudserver-Schränke als Heizungsersatz für Neubauten (aoterra). Schwer zu beurteilende Business-to-Business-Angebote wie KRYD, eine Software, mit der das Verhalten von Onlineshop-User analysiert werden kann, müssen dagegen um Investoren kämpfen, obwohl KRYD ein besseres Geschäftsmodell als viele finanzierte Startups hat.

Erklärungs- und Vermarktungsgeschick ist ebenfalls zwingende Voraussetzung für Investorenvertrauen. Wenn das Video nicht begeistert, hilft auch kein gutes Geschäftsmodell und ein gut geschriebener Businessplan. Wenn die Betreffzeile eines Newsletters nicht anmacht, tue ich mir auch nicht den langen Text des Newsletters an und kaufe nicht.

Ein anderes Thema ist, dass Startups mit hohem Kapitalbedarf genau checken müssen, ob Folgefinanzierer wie z.B. VCs die Verträge mit den Crowdfunding-Investoren akzeptabel finden oder ob die leichtere Seedfinanzierung durch die Crowd mit Schwierigkeiten bei der Folgefinanzierung bezahlt wird. Weil Crowdfunding meist Darlehen sind, die nach fünf oder acht Jahren aus dem Cash-Flow zurückgezahlt werden müssen, ist es auch wichtig, sich damit kein Eigentor zu schießen. Wer dann für die Internationalisierung Millionen braucht, sollte besser nicht gezwungen sein, Millionen an die Crowd auszahlen zu müssen.

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WebMagazin: Die Zeit läuft: Die Crowdfunding-Aktion geht aktuell noch weiter. Wie viel Geld wollt Ihr einnehmen und welchen Mehrwert erhalten Eure Investoren?

Oliver: 450 bis 600.000 Euro. Der Reiz ist die enorme Upside, sein Geld in fünf Jahren vielleicht zu verfünffachen durch die Wertsteigerung von Startups. Weil die Crowd meist Kleinbeträge zwischen 250 und 2.500 Euro investiert, stellt ein Totalverlust ein tragbares Risiko dar. Noch geringer wird das Risiko durch Streuung, weil Plattformen wie Seedmatch so liquide sind, dass ich die Möglichkeit habe, mein Risikokapital gleich auf zehn Startups zu verteilen.

WebMagazin: Abgesehen vom finanziellen Aspekt und vom Marketingeffekt (s.o), welche Vorteile bringt Euch Crowdfunding noch?

Béa: Wir merken, dass es uns auch als Team gut tut, es schwört alle Kräfte auf ein Ziel ein und begeistert, soviel öffentliche Aufmerksamkeit und positiven Zuspruch zu bekommen. Es motiviert, die Investoren nicht zu enttäuschen. Da verschwinden nicht die Geschäftsführer im Konferenzraum mit VCs oder Business Angels, sondern selbst die Praktikanten können live minütlich verfolgen wie es läuft und wie die Geschäftsstrategie und der Businessplan aussehen!

WebMagazin: Euer Unternehmenssitz ist in Berlin, das Internet ist aber überall. Wie wichtig ist für ein Startup die Wahl des Standorts, wie wichtig ist das Internet?

Béa: Ohne Internet geht kein Direktvertrieb der Tollabox und kein Crowdfunding. Berlin ist für uns ideal weil kreativ, verrückt, unangepasst, voller junger Leute, voller Kooperationspartner, wirtschaftlich günstig, international anziehend. Ich habe allerdings noch das persönliche Ziel, einen weiteren Unternehmenssitz auf der Welt zu haben, wo Temperaturen über 25° plus herrschen.

WebMagazin: Welche Zutaten braucht ein Startup, damit es erfolgreich wird? Verratet uns bitte Euer Rezept.

Béa: Noch sind wir im Seedstadium und sollten trotz Zustimmung der Crowd nicht überschätzt werden. Aber du sprichst mit einem passionierten Koch… also:

Man nehme eine richtig gute Idee, schäle sie gut von jeglichem Hirngespinst, schneide kleine Scheiben davon und füttere sie an Probanden. Wenn sie gut schmeckt, dann zerkleinere man sie in kleine Stücke, gebe sie in eine Analyse-Pfanne und brate sie gut durch von allen Seiten.

Man würze alles mit einer guten Prise Optimismus und Mut, richte sie in genau der richtigen Portionierung auf einem gut designten Marketing-Teller an und serviere sie genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Leute Hunger haben.

Man verrichte diese Arbeit nicht alleine, sondern am besten mit dem richtigen Chef-Koch und gut ausgesuchtem Küchen- und Servierpersonal, und man sorge dafür, dass die Gäste weitererzählen, dass es nie etwas Leckereres gegeben hat!

WebMagazin: Best Case Szenario: Welche Meilensteine wollt Ihr in den kommenden 12 Monaten erreichen?

Béa: – Gleich in einigen Wochen starten wir einen Shop für Produkte wie Geburtstagspartybox und Fanartikel wie Kuscheltollas

– Verkauf in Spanien starten: Tollabox.es ist schon up & running

– ausreichend skalierbare Marketingkanäle finden

– Skalieren

– Kundenbindungs-Team aufbauen

– Weitere Internationalisierung

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