Twitter-Auftritt von Peer Steinbrück sorgt für Diskussionsbedarf #fragpeer
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Volksnah und modern wollte sich Peer Steinbrück präsentieren, als er am Dienstagabend die Netzgemeinde unter #fragpeer zu einer 45-minütigen Fragerunde einlud. Zwar schien das 120-Zeilen-Format dem Politiker redlichen Spaß zu machen, doch ein voller Erfolg war die PR-Aktion nicht. Mit bissigen und ironischen Antworten sorgte der Kanzlerkandidat auch im Nachhinein noch für Diskussionsbedarf.

Es wurden zugegebenermaßen auch einige relevante Themen angeschnitten, doch betrafen viele Fragen eher scherzhafte und unwichtige Randaspekte. Ein Nutzer ließ Steinbrück beispielsweise wissen, dass seine Oma ihn als Finanzminister gut gefunden habe, worauf Steinbrück Grüße ausrichten ließ und die Twitter-Gemeinde informierte, dass auch er eine Spitzenoma gehabt habe.

Gehaltvolle, politische Fragen waren eher rar gesät und so lernen wir aus den versendeten Tweets des Kanzlerkandidaten allein, dass er sich nicht vorstellen kann, einen Ministerposten in einer Regierung unter Merkel zu übernehmen. Vieles andere blieb heiße Luft oder spaßhaftes Geplänkel, wie etwa die Drohung an die USA, alle Verhandlungen auszusetzen, solange Freunde abgehört würden.

Was ist schief gelaufen?

Insgesamt scheint Steinbrück, das soziale Netzwerk in seiner Rolle verkannt zu haben, denn Twitter ist mehr als ein Kurzmitteilungsdienst über den man sich mit seinen Freunden über das Wochenende unterhält und so hatten auch die User von Steinbrück mehr als Smalltalk erwartet. Scheinbar irritiert, stellte ein User die Frage, ob seine Kandidatur lediglich ein Scherz sei und er die SPD gar nicht regieren wolle, worauf Steinbrück sich erkundigte, wer dem Nutzer diesen Blödsinn eingeimpft habe. Nicht alle fanden die saloppe Art und Weise des Kandidaten in Ordnung und manche User beschwerten sich über die versandten Kurzzeiler, die von vielen als pampig und herablassend empfunden wurden.

Sicherlich verfolgte Steinbrück mit seinen Tweets die Intention, insbesondere jüngere Wähler durch Witz und Schlagfertigkeit für sich zu gewinnen, doch macht die Empörung der User, vor allem zwei Dinge deutlich:

1. Twitter ist ein ernstzunehmendes Medium

2. Ironie und Sarkasmus lassen sich nur mit bedingtem Erfolg über Textnachrichten übermitteln.

So bedankte sich Thomas Willing etwa, dass Steinbrück seine Fragen nicht beantwortet hatte. Es hätte ihn auch gewundert, da wichtige Themen anscheinend tabu gewesen seien.

Aufmacherbild: SAN FRANCISCO, CA – DEC 9: Twitter changes to online and mobile versions of the microblogging site and a simplified design to make it easier to connect with others on Dec 9, 2011 in San Fransisco, CA, Urheberrecht: Annette Shaff

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