Twitter feiert fulminanten Börsenstart
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#Ring – der von Twitter selbst gepushte Hashtag zum gestrigen Börsenstart war gut gewählt. Besser gepasst hätte allerdings #KaChing – das Geräusch mit dem gerne eine Registrierkasse imitiert wird, die jede Menge Geld einnimmt.

Denn rund eineinhalb Stunden nach Börsenstart an der New York Stock Exchange hatten die Papiere des Kurznachrichtendienstes ihren Ausgabepreis weit hinter sich gelassen und lagen bei über 46 Dollar – ein Plus von spektakulären 75 Prozent. Kurzzeitig war der Preis der Aktie sogar auf ein Maximum von 50,09 Dollar gestiegen.

Damit ist das Unternehmen Twitter – je nach Berechnungen – mit einem Schlag zwischen 26 und 28 Milliarden Dollar wert.

Viele hatten es zwar vermutet, doch das der das Börsendebüt von Twitter derart erfolgreich ausfallen würde, kam dennoch für die meisten Analysten überraschend. Denn schließlich gibt es da diese eine „kleine“ Sache, die gestern in den Nachrichten ein ums andere Mal wiederholt wurde: Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco hat noch nie in seiner Firmengeschichte Gewinn gemacht.

Doch der Entwicklung der Aktie tat dies kurz nach der Emission keinen Abbruch: In den ersten 30 Minuten nach Handelsbeginn wechselten 57 Millionen Twitter-Aktien den Besitzer – ein Wert, den es in der langen Geschichte der New York Stock Exchange noch nie gegeben hatte. Heute morgen steht die Aktie laut Google Finance auf einem nachbörslichen Wert von 44,90 Dollar. 

Kleine Panne zum Auftakt

Natürlich hatte bereits der Handelsauftakt ganz im Zeichen von Twitter gestanden. Das Unternehmen wollte sich bei seinen Nutzern bedanken und ließ drei davon die berühmte Glocke läuten, die die Börsianer traditionell aufs Parkett schickt: eine Sprecherin der Bostoner Polizei, die neunjährige Vivienne Harr, die ein Jahr mit einem Limonadenstand gegen Kindersklaverei protestiert und Sir Patrick Stewart, bekannt als Captain Picard von der Enterprise. Im Tweet dazu unterlief aber ausgerechnet Twitter selbst ein Fehler. Denn statt den verifizierten Account von Sir Patrick Stewart (@SirPatStew) im Tweet als Mention zu nutzen, nannte man einen gar nicht existierenden Account (@sirpatrickstew). Schon kurze Zeit später war aber auch unter diesem Handle ein Account erstellt, der darauf hinwies, wie Stewarts richtiger Handle lautet. 

 

Es sollte an diesem Tag das einzig Beklagenswerte bleiben. Na gut, hier und da meldete sich noch der ein oder andere Wall-Street-Experte in den berichtenden US-Medien mit bedeutungsschweren Analysen zu Wort und erklärte, dass der Eröffnungspreis zu hoch sei und man von einem Kauf des Papiers abrate. Viel Gehör wurde solchen Meinungen aber offensichtlich nicht geschenkt.

Wall Street Lieblinge

Denn alles in allem kreierte die Twitter-IPO in wenigen Stunden nicht nur drei neue Milliardäre (die Twitter-Mitgründer Jack Dorsey und Evan Williams sowie Aufsichtsratsmitglied und Venture Capitalist Peter Fenton), sie zeigte auch, das der Hype um Social Media ungebrochen ist und Technologie-Unternehmen weiter zu den Lieblingen der Wall Street gehören.

Der Ball liegt jetzt bei Twitter. Das Unternehmen muss endlich einen Weg finden, aus seinen 230 Millionen Mitgliedern und den 500 Millionen Tweets pro Tag Kapital zu schlagen. Sonst könnte der Absturz am Aktienmarkt schlimmer ausfallen als bei Facebook. Zwar spielte es am gestrigen Erstemissionstag keine Rolle, doch der Kurznachrichtendienst kann nicht auf ewig Verluste machen.

Mark Zuckerbergs Imperium hat mittlerweile die Kurve gekratzt und konnte mit kürzlich veröffentlichten Quartalszahlen Anleger begeistern und den eigenen Aktienpreis – nach vielen Abstürzen seit der Emission – in die Höhe treiben. Das lag vor allem daran, dass das einstige Sorgenkind Mobile endlich auf dem Weg der Genesung ist: Inzwischen stammt jeder zweite Dollar, den Facebook mit Werbeeinnahmen verdient, aus dem Geschäft mit mobilen Anzeigen.

Aufmacherbild: 1000 Words / Shutterstock.com

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