Twitter plant Börsengang
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In den 140 Zeichen, die die Welt bedeuten, hat Twitter rund ein Jahr nach Facebooks Bauchlandung seinen geplanten Börsengang publik gemacht.

Die entsprechenden Unterlagen seien bei der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC in vertraulicher Form eingereicht worden, wie Twitter gestern Nacht standesgemäß via Tweet verlauten ließ:

Einem Bericht der New York Times zufolge, bereitet Twitter schon seit einigen Monaten den Börsengang vor. Dabei habe das Unternehmen seine Lehren aus dem Fiasko des Facebook-Börsengangs gezogen und wolle nun erst einmal Vorsicht walten lassen. Entsprechend machte das Unternehmen von einer neuen Regelung Gebrauch, die es Unternehmen mit einem  Einkommen unter einer Milliarde Dollar im Jahr erlaubt, seine Geschäftszahlen zunächst nicht zu veröffentlichen. Erst drei Wochen vor Beginn der Börsenpremiere  wird Twitter konkrete Angaben zu Umsätzen, Wachstum, Gehälter und Prognosen machen müssen.

Auch Mark Zuckerberg zeigte sich, angesprochen auf den Börsengang des Konkurrenten auf der TechCrunch Disrupt in San Francisco, sportsmännisch und lobte das Geschäftsmodell Twitters, wie AllthingsD berichtet. Ratschläge wollte er dem Unternehmen allerdings keine geben: „Ich bin nun wirklich der letzte, den man fragen sollte, wie ein reibungsloser Börsengang funktioniert“. Eine Lehre, die er persönlich aus dem Börsengang Facebooks zieht, sei es jedoch, nicht zögerlich zu sein. So habe Zuckerberg immer sehr deutlich und offen gesagt, sich möglichst lange bedeckt halten zu wollen – eine Vorsicht, die aus seiner heutiger Sicht nicht notwendig gewesen wäre.

Zeitpunkt scheint vielversprechend

Tatsächlich hat nicht nur die IT-Branche aus Facebooks Börsengang gelernt, sondern natürlich auch die Anleger und Broker, sodass der Zeitpunkt für einen Börsengang günstig gewählt scheint. Auch Facebook konnte seine anfänglichen Startschwierigkeiten inzwischen überwinden und erreichte am Donnerstag einen Höchstwert von 45,60 Dollar. Der Kurs für soziale Netzwerke scheint sich also insgesamt erholt zu haben.

Wichtiger Baustein für den finanziellen Aufschwung Facebooks sind sicherlich die neuen Möglichkeiten, auch auf mobilen Geräten effektiv Werbeinhalte zu platzieren, wodurch Anbieter wie Facebook, LinkedIn und eben Twitter durchaus lukrative Anlagen sein können. Twitter ist zudem im besonderen Maße auf die mobilen Nutzer zugeschnitten und wird aller Voraussicht nach schon bald die Marke von 300 Millionen aktiven Nutzern knacken.  

Das Unternehmen selbst nannte für das vierte Quartal 2012 ein Einkommen von 100 Millionen US-Dollar, wobei das Marktforschungsunternehmen Emarketer von einem Gesamtumsatz von 288 Millionen Dollar für das Jahr 2012 ausgeht. In diesem Jahr könnte sich der Umsatz mit geschätzten 583 Millionen Dollar noch einmal mehr als verdoppeln und für das Jahr 2014 rechnen die Experten gar mit Einnahmen von 950 Millionen Dollar. Möglich wird dies durch die Schaltung von Werbung,

Haupteinnahmequelle ist Werbung

Die größte Einnahmequelle Twitters sind derzeit die sogenannten sponsored Tweets, die in die Streams anderer User eingebettet werden. Die Technologie ist bei vielen Werbenden beliebt, da so bestimmte demografische Zielgruppen erreicht werden können. Bereits im Juli 2011 hatte Twitter mit der Bereitstellung der API große Unternehmen dabei unterstützt, effektive Webeanzeigen auf dem Microblog zu schalten und im April dieses Jahres gelang es Twitter, einen Vertrag mit dem weltweit führenden Werbeunternehmen Starcom MediVest abzuschließen. Durch den Deal erhielten Unternehmen, die von Starcom vertreten werden (u.a. Wal-Mart, Coca-Cola oder Procter and Gamble) prominente Werbeplätze auf dem Kurznachrichtendienst.

Der Börsengang  Twitters wird wahrscheinlich Anfang 2014 stattfinden, doch hoffe das Unternehmen selbst, noch in diesem Jahr den Handel zu beginnen. Die führende Konsortialbank für den Börsengang ist Goldman Sachs, die offenbar auch von JPMorgan Chase und Morgan Stanley unterstützt wird. Der Wert des Unternehmens bewegt sich Schätzungen von Analysten zufolge zwischen 10.5 und 16 Milliarden Dollar. Facebook wird dagegen zum Vergleich mit einem Umsatz von 16 Milliarden Dollar auf einen Wert von 109 Milliarden Dollar taxiert und weist mehr als die doppelte Anzahl aktiver täglicher Nutzer vor.

Über die möglichen Auswirkungen des Börsengangs ranken sich also etliche Spekulationen, doch macht Zuckerberg auch hier Twitter Mut. „Wir sind durch ein schreckliches erstes Börsenjahr gegangen, doch es hat unser Unternehmen stärker gemacht.“ Man müsse seine Ängste überwinden und sich durchkämpfen. So lange sich Twitter auf seine Stärken besinne, sei der Börsengang eine großartige Chance.

Aufmacherbild: Analysis of stock market graphs. von Shutterstock / Urheberrecht: wrangler

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