Twitter Shitstorm und Weltrekord für Miley Cyrus
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In manchen Kreisen ist jede Publicity gute Publicity. Dies gilt umso mehr, wenn man den Sprung vom süßen Kinderstar zum ernstzunehmenden Popstar meistern will. Beispiele peinlicher Schlagzeilen und inszenierter Provokationen gibt es viele, doch nur wenige haben den Imagewandel erfolgreich vollzogen, wie etwa Justin Timberlake. Miley Cyrus, bekannt als Hannah Montana aus der gleichnamigen Disneyserie, befindet sich nun dem einschlägigen Fazit der Internetgemeinde zufolge ebenfalls auf einem Britney-Spears-Kurs ins Bodenlose.

Hintergrund der Kritik und öffentlichen Empörung ist Cyrus’ Auftritt bei den Video Music Awards am vergangenen Sonntag, der ihr mit 300.000 Tweets pro Minute einen Shitstorm-Weltrekord einbrachte. Doch rechtfertigt die Performance des einstiegen Kinderstars tatsächlich das Maß an Aufmerksamkeit, dass wir ihr durch Presse und Soziale Medien einräumen?



Rausgestreckte Zunge, kurz geschoren Haare mit angedeuteten Teufelshörnern und obszöne Gesten mit Riesenschaumstofffinger zwischen den Beinen – angeblich wollte Cyrus auf diese Weise den skandalträchtigen Kuss zwischen Britney Spears, Madonna und Christina Aguilera überbieten. Doch was bei Madonna und Co. sexy war, ist bei Cyrus einfach nur peinlich. Das sieht auch die Twitter-Gemeinde so, die die Performance der Sängerin als „Beerdigung Hannah Montanas“ verstehen, vom Untergang der amerikanischen Kultur sprechen oder sich einfach nur über Miley Cyrus‘ Outfit-Wahl belustigen:

Miley Cyrus perfoming on VMA. I was shocked. She was a great singer and actress. Was. RIP Hannah Montana. RIP childhood.

— Buibui. (@Lucaspeebo) August 26, 2013

Auch Buzzfeed, seit einiger Zeit ein sicherer Indikator für Schlagzeilen, die junge Menschen weltweit bewegen, zeigt, dass selbst die skandalgewöhnten prominenten Gäste der VMA nicht auf derartige Tanzeinlagen der Sängerin eingestellt waren.Der Entrüstung folgt die Bestürzung darüber, dass die Video Music Awards es auf diese Weise zur Nachricht des Tages schafften. Ein Ziel hat Cyrus also mit ihrem Auftritt erreicht: Flächendeckend widmen sich Nachrichtenagenturen nun nicht dem Syrienkonflikt oder der NSA-Affäre, sondern der jungen Künstlerin und wenn es möglich wäre, würde Twitter längst an den veröffentlichten Unmutsbekundungen überquellen.

Auch wenn Cyrus’ Auftritt die extravagante Performance der ursprünglichen „Queen of Obscene“ Lady Gaga in den Schatten stellte, muss sie nun mit einem Shitsorm umgehen, der seinesgleichen suchen wird. Trotz der öffentlichen Schelte bleibt ein bitterer Beigeschmack, denn es scheint, als sei die plumpe Zurschaustellung des eigenen Körpers noch immer ein Garant für mediale Aufmerksamkeit. Da Miley Cyrus vielen jungen Mädchen ein Vorbild ist, müssen nicht nur die Medien, sondern auch wir uns letztlich hinterfragen. Schließlich freuen wir uns insgeheim an Skandalen a là Cyrus, Jenny Elvers oder Britney Spears und sorgen auf diese Weise für eine Bagatellisierung des wirklich wichtigen Weltgeschehen. Denn:

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