Typoauswahl einfach und pragmatisch
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Die Typografie nimmt Einfluss auf die Buchstabenstruktur und damit auf die Wahrnehmung und Interpretation von Schriften. Die Medienpsychologie untersucht die emotionale Wirkung von Codierungen und deren Interpretation. Die Erkenntnisse belegen, dass die Form einer Schrift weit aus weniger für die emotionale Wirkung verantwortlich ist, als ursprünglich angenommen. Den wesentlich stärkeren Einfluss auf die Schriftwirkung hat die sprachraumspezifische Verwendung, die es außerdem zu beachten gilt.

Bei der Entwicklung von Produkten spielt die Schriftwirkung somit eine wesentliche Rolle. Was heißt das aber für einen Designer? Das Wälzen von Geschichtsbüchern? Ganz so kompliziert muss man es sich nicht machen. Und ich behaupte hier auch einfach mal, dass jeder ambitionierte Gestalter sich für Schriften und nennen wir es mal Informationsdesign in Form von „Codierung“ interessiert. An der Recherche kommt man auch als Designer nicht vorbei. Ohne Informationen über Bedürfnisse und Eigenschaften der Zielgruppe kann man ziemlich falsch liegen, obwohl man ein schönes Design abliefert.

Unterbewusst merken auch Typografie-Laien, wenn etwas nicht stimmt. Zumindest hierzulande fänden Menschen es beinahe schon anstössig, würde sich eine Bank oder ein Bestattungsinstitut mit „Comic Sans“ schmücken. Typografie ist kein Hexenwerk und mit ein wenig Nachforschen und allgemeinen Überlegungen kann jeder ein Auge dafür entwickeln.

Typografie  

Emotionale Konnotation

Emotionen sind entscheidend. Deswegen muss eine Schrift bei einem gelungenen Design zum Thema und in die allgemeinen Rahmenbedingungen sowie die Umgebung passen. In das Setting sozusagen. Das Logo eines innovativen IT-Dienstleisters in eine Altdeutsche-Schriftart zu verpacken und am Besten noch sämtliche Produktbeschreibungen so zu präsentieren, würde keinen Sinn machen. Man will den Betrachter nicht verwirren sondern einen bestimmten Eindruck und Informationen vermitteln.

 

Lesbarkeit

Der Nutzen einer Schriftart geht aus dem Schriftbild und der Komposition hervor. Ist der Text schwer zu lesen, stimmt etwas nicht mit der Balance zwischen positivem und negativen Raum. Entspannt und müheloses Lesen entsteht bei Fließtext mit der Wahl eines ausreichend dicken (nicht übermäßig dünnen) Schriftbildes und durch die Nutzung von Gestaltungsmitteln wie Absätzen oder Auszeichnungen und Gewichte. Vermittelt die Schrift den gewünschten Eindruck und ist angenehm lesbar, verschafft man sich möglicherweise für die erarbeiteten Worte die entsprechende Aufmerksamkeit.

Diversität

Diversität ist jenseit des Langweiligen. Um das zu erreichen, sollte jede Schriftenauswahl auch Variationen aufweisen. Verschiedene Schriftstärken und Stile auch für Überschriften, Titel oder Legenden verstärken den Design-Eindruck und geben die Möglichkeit bestimmte Details deutlich heraus zu heben. Zudem bietet es eine Vielfalt an Möglichkeiten, um innerhalb des Schrifttypes Tiefe und Hierarchie herzustellen. Damit werden sowohl Struktur und Organisation von Inhalten realisiert als auch ein optisch vielfältiges Layout geboten.

 Diversitaet

Raum

Buchstaben brauchen Platz. Wie bereits erwähnt gilt es zu vermeiden, ihnen sozusagen den Raum zum Atmen zu nehmen. Abstand sollte daher nicht ausschließlich zwischen Buchstaben und Wörtern bestehen. Auch Zeilen- und Randabstand müssen bedacht werden. Schlagzeilen und Überschriften sollten über großzügigen Raum verfügen bevor der Textkörper beginnt, um entsprechend aufzufallen. Allerdings sollten sie auch nicht losgelöst im Raum herum schweben. Hat man keine Platzprobleme gilt beim Zeilenabstand die allgemeine Faustregel: Schriftgröße plus 20 Prozent. Damit erhält man zumindest die Übersichtlichlichkeit.

 

Farbe

Die Farbkomposition sollte streng genommen niemals getrennt vom Schriftartdesign zu betrachten. Zwar müssen unterschiedliche Überlegungen berücksichtigt werden, die Koordination von Schriftbild-Design und Farbentscheidungen ist allerdings unabdingbar. Gerade Kontraste können zu Problemen führen. Auch Schatten oder Schlagschatten sollten wohlüberlegt gesetzt werden. Was passiert des weiteren bei der Einbindung von Bildern oder Überlagerungen? Welche Farbwirkung soll erzielt werden? Welche Stimmung? Das sind eine Handvoll der wichtigsten Fragen, die man sich im Designprozess stellen sollte.

Fazit 

Stilistische Entscheidungen im Design und die typografische Komposition gehen im Optimalfall Hand in Hand. Der Designprozess als solcher sollte immer ganzheitlich und ergebnisorientiert betrachtet werden. Funktioniert das Design bei einem fremden Betrachter, ist zumeist von einer gelungenen Arbeit auszugehen.

Quelle alle Bilder im Text: S & S Media Group

AufmacherbildVector set of calligraphic design elements/ page decoration Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Merfin

 

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