Typografie: Die Kunst der Textgestaltung
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Texte haben die Macht Leser zu beeinflussen. Das war schon immer so und hat sich auch im Internetzeitalter nicht geändert. Was sich durch das Web geändert hat, ist die Menge an Texten, mit denen man im Alltag konfrontiert wird. Die Aussage, dass immer weniger gelesen wird, mag vielleicht für literarische Texte zutreffen. Wenn man den täglichen Internetkonsum dazu rechnet, liest Ottonormalverbraucher mehr denn je. Für diejenigen, die ihre Inhalte im Web anbieten, ergibt sich daraus eine einfache Folgerung: Man muss sich irgendwie von der allgegenwärtigen Konkurrenz abheben.

Dazu gibt es, vereinfacht gesagt, zwei Möglichkeiten: Zum einen kann man auf außergewöhnliche und einzigartige Inhalte setzen, zum anderen kann man versuchen, seine Seite so ansprechend wie möglich zu gestalten. Trotz aller Bilder, Infografiken und visuellen Elementen ist das Internet immer noch ein sehr textlastiges Medium, deswegen kommt hierbei einem Punkt besondere Bedeutung zu, der von der „Content is King“-Fraktion häufig übersehen wird: der typografischen Gestaltung von Texten.

Gute Typografie fördert Informationsvermittlung

Der Entwickler und Webmaster Ankit Oberoi hat sich des Themas in einem ausführlichen Blogbeitrag angenommen. Für ihn ist Typografie nicht nur ein Mittel, um Text schön aussehen zu lassen – sie trägt entscheidend zur Informationsvermittlung bei, indem sie eine optimale Leseerfahrung erzeugt. Bei einer gelungenen typografischen Gestaltung vergisst der Leser sozusagen die äußere Form und konzentriert sich ganz auf den Inhalt. Diesen nimmt er dann umso nachhaltiger auf.

Schlüsselelemente

Praktisch betrachtet, gibt es vier typografische Schlüsselelemente, die man beim Veröffentlichen von Texten beachten sollte: Zeilenlänge, Zeilenabstand, Schriftsatz und Schriftart. Zeilenlänge und Zeilenabstand sind dafür verantwortlich die einzelnen Teile des Textes zu gliedern und ihn so zu gestalten, dass er sowohl ästhetisch ansprechend als auch leicht lesbar ist. Das ist manchmal leichter gesagt als getan, als allgemeine Regel gilt aber, dass zu kurze Zeilen den Lesefluss stören, weil man ständig hin und her springen muss. Zu lange Zeilen bergen dagegen die Gefahr, dass der Leser die nächste Zeile nicht mehr findet. Bei längeren Zeilen sollte man deshalb den Abstand zwischen den Zeilen erhöhen, um die einzelnen Linien klar von einander abzugrenzen.

Schriftsatz und Schriftart beziehen sich auf das Design der Buchstaben: Die Schriftart ist dabei der übergeordnete Begriff, z.B. Times New Roman, während der Schriftsatz eine ganz bestimmte Größe bezeichnet, beispielsweise Times New Roman in Größe 12. Für Verfasser von Texten ist diese Thematik interessant, weil bestimmte Schriftarten in manchen Kontexten besser funktionieren als andere und auch das Leseverhalten beeinflussen. Times New Roman und Arial werden Studien zufolge am schnellsten gelesen, während der leicht krakelig aussehende Schriftsatz Comic Sans weniger gut ankommt.

Auch die Größe kann eine wichtige Rolle spielen. Wenn man weiß, dass das Hauptpublikum aus älteren Lesern besteht, sollte man ruhig einen größeren Schriftsatz wählen. Sinnvoll eingesetzt kann man mit der Schriftgröße zudem dazu beitragen den Text zu gliedern, indem man Überschriften, Zwischenüberschriften und den Textkörper klar differenziert.

Wer im Web schreibt und veröffentlicht, sollte außerdem darauf achten, ob die verwendete Schriftart übermäßigen Gebrauch von Serifen macht, den kleinen Linien, die einen Buchstabenstrich am Ende quer zur Grundrichtung abschließen. Generell sind Schriftarten ohne Serifen am Monitor einfacher zu lesen, weil sie visuell weniger komplex aufgebaut sind und deshalb vom Gehirn schneller verarbeitet werden. Ergebnis: Der Leser kann sich besser auf die Botschaft konzentrieren. Wer aber unbedingt seine Lieblingsschriftart verwenden will, darf ruhig ein wenig kreativ werden und experimentieren – wenn das gesamte Web im gleichen Schriftsatz verfasst wäre, wäre es schließlich auch langweilig.

 

Aufmacherbild: Collection of Christmas Decoration Foto via Shutterstock / Urheberrecht: Lorand Okos

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