LGBT in Tech

#unit Berlin: das erste Queer Tech Festival der Welt
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In Berlin formiert sich derzeit eine Gruppe junger homosexuelle Digital Professionals und Tech-Geeks: Die Unicorns in Tech. Stuart Cameron, der Gründer des Meetups, plant in diesem Jahr die erste Queere-Tech-Festival.

„Jungs spielen Fußball und interessieren sich für Technik. Mädchen nehmen Ballettstunden, backen Kuchen und finden Technik doof.“ Rollenbilder, die in unserer Gesellschaft tief verankert sind. Während Frauen und Mädchen noch immer gegen diese Klischees ankämpfen müssen, haben es Schwule, Transsexuelle und Lesben besonders schwer, weil sie sowieso nicht so recht in das Bild passen, das die Gesellschaft konstruiert hat. Auch in der augenscheinlich offenen und toleranten IT-Branche grenzen sich viele Homosexuelle aus Angst vor Diskriminierung oft aus, sind deshalb schlechter integriert und haben weniger gute Aufstiegschancen.

Erstes LGBT-Tech-Festival der Welt in Berlin

In Berlin formiert sich derzeit eine Gruppe namens Unicorns in Tech. Tech-begeisterte Geeks, die lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell (LGBT) oder heterosexuell sind und in der IT-Branche arbeiten, treffen sich regelmäßig zum Networking.

Gehostet werden die Veranstaltungen von großkarätigen Tech-Unternehmen, die damit ein Zeichen für Toleranz und Solidarität mit ihren Mitarbeitern signalisieren möchten. Das jüngste Treffen fand vergangene Woche in den Büroräumen des Berliner Startups Soundcloud statt. Stuart Cameron ist der Initiator des Meetups.

Unicorns in Tech

©Unicorns In Tech

#unit

Sein jüngstes Projekt heißt #unit und ist das erste Queer Tech Festival, das im Rahmen der diesjährigen Web Week in Berlin stattfinden wird.  Neben Talks, Live Coding und Sessios von Tech-Experten aus der IT-Branche bietet die #unit ein Forum für die Tech-Branche. Die #unit ist eine konsequente Fortsetzung von Stuarts Bestrebungen, den jungen queeren Digital Professionals in Berlin eine Plattform zu bieten, auf der sie auf Business-Ebene miteinander networken können. Mit der Karrieremesse Sticks and Stones hat Stuart bereits vor Jahren eine Karrieremesse etabliert, auf der große Unternehmen wie SAP oder Ernst & Young zeigen können, dass sie besonders LGBT-freundlich sind und Diversity als Teil ihrer Unternehmenskultur pflegen.

Google, Facebook und Co.

Mit der Karrieremesse „Sticks & Stones“ und dem Meetup „Unicorns in Tech“ möchte Stuart die Debatte um Toleranz auf die Business-Ebene heben. Es geht nicht um das Geschlecht oder um die sexuelle Orientierung, sondern um die Leistung.

Ein Ansatzpunkt, der schon seit längerer Zeit von IT-Konzernen öffentlich kommuniziert wird. Große Unternehmen schmücken sich mit Attributen wie Toleranz und Offenheit. So wundert es nicht, dass Marken wie Google, Electronic Arts oder Zynga regelmäßig auf dem Christopher Street Day in San Francisco Flagge zeigen und sich mit der LGBT-Community solidarisieren.

Google engagiert sich für Gay Rights

Der Internet-Riese hat sich bereits in der Vergangenheit für die Rechte von Schwulen und Lesben engagiert. Als 2009 in Kalifornien per Volksentscheid über ein Verbot der Homo-Ehe, die sogenannte Proposition 8, entschieden wurde, setzte sich Google-Mitgründer Sergey Brin auf dem offiziellen Google-Blog für die Gleichberechtigung homosexueller Paare ein:

We hope that California voters will vote no on Proposition 8 — we should not eliminate anyone’s fundamental rights, whatever their sexuality, to marry the person they love.

Auch andere Größen aus der IT-Welt, wie etwa die Spiele-Hersteller Zynga und Electronic Arts zeigen sich solidarisch mit Homosexuellen. Zynga trat auf immer wieder auf dem Christopher Street Day in San Francisco als offizieller Sponsor auf. Kann diese Unternehmensstrategie auch Image-Schäden verursachen?

Image-Schaden?

Viele große Unternehmen haben noch immer Hemmungen davor, dem Beispiel von Google und Co. zu folgen, weil sie Image-Schäden befürchten. Die Vergangenheit hat jedoch gezeigt, dass große Konzerne negative Reaktionen nicht fürchten müssen. Das zeigt das Beispiel einer Pro-Homo-Kampagne des Keksherstellers Oreo aus dem Jahr 2012.

Der zum Kraft-Food gehörige Konzern hatte auf seiner Facebook-Seite ein Werbebild veröffentlicht, auf dem ein Oreo-Keks mit regenbogenfarbener Füllung abgebildet ist. Darüber prangt die Überschrift “Proudly support Love”. Die Regenbogen-Flagge symbolisiert die Vielfalt homosexueller Lebensstile und wirbt für Toleranz. Manchen Oreo-Kunden schmeckte die Kampagne aber gar nicht und so formierte sich eine Facebook-Gruppe, die zum Boykott der Oreo Kekse aufrief. Auf der Pinnwand der Seite war unter anderem zu lesen:

Kraft foods and Oreo cookies have decided to toss the morals that formed our great nation right out the window and literally toss them right down our throat ! Boycott Oreo cookies and hit them where it hurts… in the wallet.

Im Vergleich zum Bild vom bunten Oreo-Keks, der über 250.000 Mal geliked wurde, kam die Boykott-Seite gerade mal auf übersichtliche sechs Likes. Die Verkaufszahlen des beliebten Kekses sind natürlich auch nicht eingebrochen.

Darüber hinaus konnte sich Oreo heute dank der Regenbogen-Keks-Aktion und dem (wenig beachteten) Boykottaufruf über große Medienaufmerksamkeit freuen. So lobten etliche Internet-Portale und Zeitschriften die Fortschrittlichkeit von Oreo, sich für Minderheiten in der Gesellschaften einzusetzen und dafür sogar einen Image-Schaden in Kauf zu nehmen.

DINKS (Double Income No Kids)

Die rege Teilnahme an der Gay Pride Bewegung und das politische Engagement für die Rechte von Homosexuellen durch Unternehmen wie Google, Oreo und Budweiser ist absolut begrüßenswert und mutig.

Allerdings bleibt immer ein Rest Misstrauen. Immerhin sind schwule und lesbische Paare eine heißbegehrte Zielgruppe. Die sogenannten DINKS (double income no kids) müssen sich nicht um die Finanzierung von kostspieligen Zahnspangen und Studiengängen kümmern und können somit frei von Kind und Kegel das Leben genießen – und Geld ausgeben. Denn auch das noch so aufgeschlossene Unternehmen schaut am Ende des Jahres auf seine Geschäftszahlen.

Apple

Erst vor wenigen Monaten hat Apple-Chef Tim Cook seine Homosexualität öffentlich gemacht und damit ein klares Zeichen gesetzt. Damals schrieb Cook in einem Beitrag für das amerikanische Business-Magazins Bloomberg Businessweek, dass Schwul zu sein, eines der größten Geschenke sei, die ihm Gott gegeben hätte.
Tim Cook hatte sich nie öffentlich zu seiner Homosexuell geäußert, obwohl es allgemein hin bekannt war.

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