Von Äpfeln und Orangen – Warum Apples Kritik an Microsoft abprallt
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Während Apples iPad-Keynote am Dienstagabend nahmen CEO Tim Cook und seine Kollegen mehrfach direkt Bezug auf Microsoft. Die Intention war stets, Microsoft-Produkte mit den neu vorgestellten Apple-Produkten zu vergleichen und die zweitgenannten natürlich besser dastehen zu lassen. Nicht nur wurde das Surface und Microsofts Update-Strategie, sondern auch die Königsdisziplin Produktivitätssoftware auf die Schippe genommen.

Nun hätte man meinen können, dass solch eine Kritik an Microsoft ganz einfach abprallt. Immerhin möchte jedes Unternehmen, das was auf sich hält, einen besseren Eindruck erwecken als die Konkurrenz und selbstverständlich auch mehr Produkte verkaufen. Gerade in den Vereinigten Staaten greifen Unternehmen dazu häufig zum Mittel der vergleichenden Werbung, die bei uns in Deutschland zwar nicht mehr verboten, aber immer noch verpönt ist und ganz einfach nicht zum guten Ton gehört.

Allerdings hat Microsoft in diesem Falle den Behauptungen Apples tatsächlich stichhaltige Argumente entgegenzusetzen und so ließ es sich Corporate Vice President of Communications Frank Shaw nicht nehmen, diese in einem Blogpost vorzubringen.

Tim Cook hatte in der besagten Keynote behauptet, die Apple-Konkurrenz sei verwirrt. Sie wisse nicht mehr, ob sie nun einen PC oder ein Tablet produzieren wolle und habe deshalb beides gleichzeitig auf den Markt gebracht – eine klare Anspielung auf Microsofts Surface Tablet. Shaw hingegen weist von sich und seinem Unternehmen, jemals verwirrt gewesen zu sein. Der hybride Charakter des Surface sei so intendiert gewesen und keinesfalls ein Akt der Entscheidungsunfähigkeit. Mit dem Surface könne man produktiv sein, sich nach getaner Arbeit aber auch zurücklehnen und beispielsweise einen Film anschauen. Um diesen verschiedenen Anwendungsszenarien gerecht zu werden, gibt es einen Touchscreen und eine Tastatur.

Das iPad wiederum eigne sich nur für Freizeit-Szenarien, meint Shaw. Die Kunden mit Musik, Filmen und Büchern zu beschäftigen, sei nicht besonders schwer – dazu dürfte mittlerweile jedes Tablet fähig sein. Um im Produktivitätssektor Fuß zu fassen, benötige es jedoch einer speziellen Expertise, die bei Apple so ganz einfach nicht gegeben sei. Microsoft auf der anderen Seite verstehe die Anforderungen an Produktivitätstechnologien besser als jeder seiner Konkurrenten, schließlich habe Redmond die weltweite PC-Revolution entschieden voran getrieben.

Weiterhin pries Apple in seiner Keynote die kostenlose Verfügbarkeit der hauseigenen Produktivitätsreihe iWork an und verglich sie mit der auch in Zukunft zu großen Teilen kostenpflichtigen Office-Reihe. Diese beiden Produkte seien allerdings wie Äpfel und Orangen (das englischsprachige Äquivalent zu unseren Äpfeln und Birnen), findet Shaw – man könne sie ganz einfach nicht miteinander vergleichen. iWork hinke dem Marktführer Office immer noch hinterher, die kostenlose Bereitstellung sei somit vielmehr ein verzweifelter Aufholversuch denn ein gutgemeinter Dienst am Kunden. Abgesehen davon ist auch Office nicht in jeder seiner Ausprägungen kostenpflichtig: Besitzer eines Surface-Tablets profitieren von den darauf vorinstallierten Office-Produkten und die Office Web Apps stehen schon seit jeher für Besitzer eines Microsoft Accounts kostenlos zur Nutzung bereit.

Ein Argument muss man Apple allerdings lassen: Microsoft hat in seiner langen Unternehmensgeschichte noch kein neues Betriebssystem kostenlos ausgeliefert. Für OS X 10.9 Mavericks verlangt Apple jedoch keinen Pfifferling. Vielleicht lässt Frank Shaw diese Tatsache deshalb in seinem Blogpost unerwähnt.

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