W3C DRM-Draft zu den Encrypted Media Extension (EME) weiter in der Kritik
Kommentare

Die HTML Working Group des Word Wide Web Consortiums (W3C) hat eine vorläufige Version der Encrypted Media Extension Spezifikation veröffentlicht. Ziel des neuen angestrebten Standards ist der Schutz von Webinhalten, um den Zugriff auf diese, adäquat verwalten und begrenzen zu können.

Der neue Standard und die entsprechend entwickelten APIs (Application Programming Interface) sollen es ermöglichen, Audio- sowie Video-Elemente in HTML5 per DRM (Digital Restrictions Management) zu schützen. Der Vorstoß des W3C wurde stark kritisiert, da aus Sicht der Kritiker die Einführung von DRM-Systemen in das Web nicht vereinbar sind, mit dem Auftrag des W3C für ein offenes und freies Netz zu sorgen. 

Die Petition „Defective by Design“ hat mittlerweile über 26.800 Unterschriften gesammelt. Außerdem haben sich nach dem 3. Mai, der als achter internationaler Tag gegen DRM begangen wurde, weitere Unterstützer zusammen geschlossen. Auch die FSFE (Free Software Foundation Europe) hat sich den über 25 Institutionen angeschlossen, um gegen ein DRM im Web vorzugehen.

Bereits 2006 wurde der erste internationale „Day against DRM“ von der FSF (Free Software Foundation) mit Flashmobs und Protesten ins Leben gerufen. Die Forderung ist klar formuliert:

DRM schafft beschädigte Güter, die der Benutzer nicht kontrollieren oder frei verwenden kann. Es erfordert die Aufgabe der Kontrolle über die eigenen Computer und schränkt den Zugang zu digitalen Daten und Medien ein.

Dass die Autoren des ersten Entwurfs Mitarbeiter bei Google, Microsoft und Netflix sind, ist kaum verwunderlich. Befürworter von Encrypted Media Extensions (EME), Media Source Extensions (MSE) und der Web Crytography API (Webcrypto) rechtfertigen die Spezifikation damit, dass die im Rahmen von EME definierten APIs dazu genutzt werden können, Webinhalte per DRM zu schützen, EME an sich allerdings kein DRM-System darstellt.

Auch das W3C räumt die Zweiseitigkeit der Medaille im Rahmen der DRM-Debatte ein:

Here is our understanding of why EME is a contentious specification, despite broad agreement that some form of content protection is needed for the Web. The EME specification defines Application Programming Interfaces (APIs) that would provide access to content decryption modules (CDMs), part of Digital Rights Management (DRM) systems. W3C is not standardizing CDM technology, but there is a concern that standardizing APIs could encourage CDM usage – which some view as being in opposition to open Web principles.

Das W3C bittet somit um Verständnis für den Vorstoß in Richtung EME. Das Webvolk ist daher nach wie vor dazu aufgerufen, innerhalb der Community zu diskutieren und wünscht sich eine rege Beteiligung in der HTML Working Group sowie der Restricted Media Group.

Berlecon Research stellt leider nur aus den Jahren 2005 und 2006 Studien bereit, die über die Prinzipien von DRM aufklären sollen. Die Kontrollle des Netzes und deren Inhalte werden seit Jahren heiss diskutiert. Allerdings sprechen sich Pioniere wie Tim Berners Lee oder Vinton Cerf, einer der Autoren des Internetprotokolls, auch auf der WCIT-12 (World Confernece o International Telecommuniacations) gegen eine Neuorganisation des Webs aus. Die Protokolle seien dafür geschaffen worden, „die Netze des Internets nichtproprietär und interoperabel zu gestalten“, so Cerf im Dezember 2012 in Dubai.

Verständlich also, dass Webnutzer in dem EME-Vorstoß vom W3C einen Widerspruch zu ihrer eigentlichen Aufgabe erkennen wollen, da es als Verstoß gegen das Grundprinzip der Offenheit des Webs wahrgenommen wird. Diese viel thematisierte Offenheit des Webs ist allerdings schon etwas länger in Gefahr. So wandte sich beispielsweise auch Cory Doctorow in einem Guardian Artikel direkt an Lee, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass die Integration von DRM in HTML5 „nicht kompatibel“ ist mit den tiefen Prinzipien des W3C. 

Daraufhin meldete sich W3C-CEO Jeff Jaffe in einem Cnet-Interview zu Wort, indem er für die Standardisierung wirbt, um das Netz nicht „aus einer Reihe von abgesperrten Apps“ bestehen zu lassen. Die Diskussion wird also weiterhin kontrovers geführt. So titelte auch kürzlich Peter Bright auf arstechnica „DRM in HTML5 ist ein Sieg für das offene Web, keine Niederlage“.

In Chrome und Chrome OS ist EME bereits integriert, wodurch man die Auswirkungen live über eine Testseite ausprobieren kann. Netflix will auch zeitnah mit einem HTML5-Player aufwarten, der sowohl EME, MSE und die Web-Crypto-API enthält, also zudem eine Auslieferung über Content Delivery Networks ermöglicht, als auch Hashing und Signaturen in HTML-Inhalten integrieren soll.

Dem Webvolk war klar, dass HTML5 Flash und Siverlight verdrängen wird. Das damit allerdings Digital Rights Management in Webinhalte eingeführt werden sollte, hat sich wohl niemand in seinen dunkelsten Alpträumen ausgemalt. Ein Mehr-Klassen-Web ist nichts, was vom W3C vorangetrieben werden sollte. Es stellt sich daher die Frage, wohin mit der Offenheit des Webs? Oder wird dieser Mythos bald gänzlich abgeschafft sein? Wir hoffen nicht und sind auf den Ausgang der Diskussion gespannt.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -