Weniger arbeiten, mehr leisten

Warum Deutsche produktiv sind – Sicht aus den USA
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Sich prominent mit dem Label „Made in Germany“ zu schmücken, ist eine durchaus wirkungsvolle Marketing-Strategie. Denn Deutsche sind fleißig, ordentlich und liefern gute Qualität. So lautet seit jeher das gängige Klischee. Und auch wenn Verallgemeinerungen, die solchen Klischees zugrunde liegen, sicherlich nicht die alleinige Wahrheit abbilden, bestätigen auch diverse Statistiken, dass zum einen auf Qualität aus Deutschland tatsächlich Verlass ist, zum anderen die Arbeitsproduktivität der Deutschen im Ländervergleich überdurchschnittlich ist.

Deutschland: weniger Arbeit, mehr Leistung

Dass die gesamtwirtschaftliche Produktivität in Deutschland – zumindest im europäischen Vergleich – über dem Durchschnitt liegt, bedeutet allerdings nicht, dass Deutsche auch mehr arbeiten. Die durchschnittliche Anzahl an Urlaubstagen, die sich um die 30 Tage im Jahr einpendelt, ist im europäischen Vergleich sehr hoch. Deutsche arbeiten also weniger, leisten aber mehr.

Knote.comeine Art Produktivitätsratgeber, geht der Frage nach, wodurch diese hohe Arbeitsproduktivität und dadurch auch Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bedingt sind und liefert eine interessante und sehr US-amerikanische Sichtweise der Thematik. Denn die im Artikel erwähnte durchschnittliche 35-Stunden-Woche und 24 Tage bezahlten Urlaub in Deutschland sind in den USA noch Zukunftsmusik.

Arbeitszeit ist Arbeitszeit

Arbeiten bedeutet arbeiten. Wenn Deutsche das Büro betreten, werden Ablenkungen wie E-Mails, Facebook und Co. beiseitegelegt. Für private Erledigungen oder ausgiebige Plaudereien und stundenlange Reddit-Recherchen gilt im deutschen Arbeitsalltag die Null-Toleranz-Grenze. Ob der Verzicht auf alles, was mit der Arbeit nicht unmittelbar zu tun ist, hierzulande tatsächlich so rigoros durchgezogen wird, sei dahingestellt. Dass Ablenkungen am Arbeitsplatz nicht gerne gesehen und vermieden werden, steht allerdings außer Frage.

Deutsche kommunizieren direkt

Deutsche kommunizieren direkt miteinander und sagen konkret, was sie wollen. Statt blumiger und unkonkreter Formulierungen wie: „Wäre super, wenn diese Aufgabe bis morgen erledigt werden könnte“, greift ein Deutscher lieber zum unmissverständlichen: „Ich brauche das bis morgen“. Somit weiß jeder, was zu tun ist. Hier liegen die Kollegen aus den USA tatsächlich richtig. Denn erfahrungsgemäß sind offene Deadlines und unkonkrete Aussagen wahre Produktivitäts-Killer, die es zu vermeiden gilt. In einem Land, in dem der Leistungsdruck überdurchschnittlich hoch und somit auch besonders ergebnisorientiert gearbeitet wird, werden konkrete Aufgaben vergeben und mit strickten Deadlines versehen. Auch wenn diese Vorgehensweise die Arbeitnehmer zum Teil hohem Druck aussetzt, steigt dadurch die Produktivität.

Arbeit wird nicht mit nach Hause genommen

„Work hard play hard“. So wird scheinbar die deutsche Work-Life-Balance bei den Kollegen in den USA wahrgenommen. Sobald das Büro verlassen wird, hört auch die Arbeit auf. Dann widmen sich die Deutschen lieber ihrem Lieblings-Hobby, treffen sich mit Gleichgesinnten in den vielzähligen Vereinen – angefangen mit dem Gesangsverein bis hin zum Wanderverein – und lassen die Arbeit einfach Arbeit sein. So schön es auch klingen mag, muss zwischen Wunschkonzept und Realität unterschieden werden. Den Deutschen ist ihr Privatleben heilig – das stimmt. Doch noch sind Arbeitnehmer auch hierzulange weit davon entfernt, nach Feierabend nicht mehr an die noch offenen Aufgaben zu denken, vom heimischen Sofa aus berufliche E-Mails zu beantworten und schlaflose Nächte wegen anstehender Meetings zu verbringen. Besonders wegen der ständigen Erreichbarkeit und unseren treuen Begleitern, den Smartphones, ist eine klare Trennung zwischen Beruf und Privatleben zwar erstrebenswert, doch nicht immer möglich.

Anti-Stress-Verordnungen für überforderte Arbeitnehmer

Erfreulich ist, dass die Balance zwischen dem Arbeitsalltag und einem erfüllten Privatleben in Deutschland auch auf politischer Ebene thematisiert wird. Im August dieses Jahres hatte sich die Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in einem Interview mit der RP Online für die Anti-Stress-Verordnungen ausgesprochen – inklusive des E-Mail-Schutzes nach Feierabend und im Urlaub. Doch bevor solche Maßnahmen eingeführt werden, bedarf es konkreter Gesetzesänderungen und fundierter Studien. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin soll bereits 2015 erste Ergebnisse zu der Problematik vorlegen. In den USA wären solche Maßnahmen nicht denkbar, bedauert die Autorin Eryn Paul und hat damit sicherlich Recht: „Can you imagine President Obama enacting such a policy in the United States?“.

Beruf und Familie unter einen Hut bringen

Die gesetzlich geregelten Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld sind in Deutschland selbstverständlich, während diese in den USA für die meisten Arbeitnehmer unvorstellbar sind. Die Kehrseite der Medaille ist beim Mutterschutzgesetz, offen gesprochen, dass viele Arbeitnehmer in Deutschland sich bei vergleichbaren Qualifikationen für einen männlichen Bewerber entscheiden werden, statt später eine werdende Mutter finanziell absichern zu müssen.

Stellt mehr Deutsche ein

So lautet der Appell des Artikels auf Knote.com. Und auch hier liegen die US-amerikanischen Kollegen nicht ganz falsch. Denn, Klischees hin oder her, Deutsche sind pünktlich, pflichtbewusst und fleißig. Aber Achtung: nicht alle und nicht immer. Diejenigen, die es sind, werden diese Werte auch beibehalten, wenn sie im Ausland Jobs annehmen. Verallgemeinern sollte man aber trotzdem nicht.

Mehr Produktivität durch Knotable

Die Produktivität am Arbeitsplatz ist übrigens nicht nur den Deutschen vorbehalten. Mittlerweile gibt es auch verschiedenste Tools und Apps, die einem beim Organisieren des Arbeitsalltages helfen. Eine davon nennt sich Knotable und ist eine Art digitaler Notizblock, um die eigenen Gedanken und Ideen schnell aufzuschreiben. Die Notizen können anderen App-Nutzern freigegeben werden, um zusammen an Ideen zu arbeiten. Bereits bestehende E-Mails können in den Notizblock übertragen und so auch anderen zugängig gemacht werden.

 

Aufmacherbild: Beer and Pretzel, Oktoberfest von Shutterstock/ Urheberrecht Silberkorn

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