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„Was reizt mich als CTO an einem Startup?“
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Viele Startups sind auf der Suche nach einem CTO, aber worauf liegt dieser überhaupt Wert? Und wie wird solche ein junges Unternehmen interessanter als der Konzernriese von gegenüber? Tobias Zander über faire Bezahlung, flexible Arbeitszeiten und Groschenromane im Bücherregal der Gründer.

„Startup sucht CTO“ ist eine häufige Headline, die man in diesen Tagen auf vielen Portalen, am schwarzen Brett oder sogar Guerilla-mäßig auf T-Shirts aufgedruckt findet. Die Besetzung dieser Schlüsselposition ist für viele Startups, die etwas in der Tech-Industrie erreichen wollen, ein sehr wichtiger Faktor. Dabei liegt der Mangel an entsprechenden Personen nicht nur an zu wenig ausgebildeten Fachkräften, sondern auch daran, dass die Motivation für eine Firma zu arbeiten, bei einem analytisch denkenden CTO oft etwas anders aussieht.

Ich selber bin aktuell genau auf der anderen Seite, habe 4 Jahre lang als CTO für eine Web-Agentur gearbeitet, davor 4 Jahre lang den Consultant für verschiedenste Firmen als Freelancer gegeben, habe insgesamt 15 Jahre Erfahrung als Vollzeit Web-Developer und meine ersten Zeilen Quellcode irgendwann als Kind auf einem Amiga 500 geschrieben. Und aktuell bin ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Deswegen möchte ich hier gerne eine Hilfestellung geben, was einen CTO eigentlich motiviert und worauf er achtet, wenn er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist. Meine Sichtweise ist dabei natürlich rein subjektiv und kann bei anderen Personen wieder komplett anders sein.

Das Team

Viel wichtiger als eine gute Idee ist für mich bei der Gründung oder Partnerschaft mit einer weiteren Firma das restliche Gründerteam. Haben wir komplementäre Fähigkeiten, kann das Team also wirklich von mir profitieren und ich von ihnen. Welche Erfahrungen haben diese bisher in ihrem Berufsleben gesammelt? Sicherlich gibt es Erfolgsgeschichten von erfolgreichen Gründern, deren Startup aus dem Studium heraus gewachsen ist, allerdings schadet es nicht auch mal das Schattendasein des Unternehmertums kennengelernt zu haben –, Selber nicht zu wissen, ob man die Gehälter für den nächsten Monat zahlen kann, auf der Suche nach einem Kreditgeber zu sein oder auch mal einem Mitarbeiter kündigen zu müssen. Denn gerade in diesen kritischen Zeiten trennt sich die Spreu vom Weizen.

Private Einblicke

Viele Startups befinden sich noch vor der wirklichen Gründungsphase und haben noch kein eigenes Büro. Ein Einladung in die privaten Räume der anderen Gründer ist dabei zwar ein sehr intimer Schritt, verrät mir aber sehr viel über deren Umfeld. Das fängt damit an, ob es ein volles Bücherregal gibt und ob sich dort Fachliteratur über relevante Themen für die Firma befindet oder eher nur ein paar Groschenromane. Dies ist natürlich keine verlässliche Quelle, aber dennoch hilft es mir einen besseren Einblick in die Person zu bekommen.

Zudem lade ich die anderen Gründer auch andersrum bei mir zu Hause zum Grillen ein. Bei einem Bier sieht man auch, ob es persönlich passt. Ich versuche aus eigener Erfahrung heraus beruflich und privates etwas zu trennen, dennoch sollte man Sympathie auch außerhalb der Arbeit verspüren. Gelegentlich nach dem Feierabend mal eine Stunde mit einander verbringen zu können, hat noch keinem Team geschadet.

Business Case

Dennoch ist die Idee des Produktes natürlich nicht irrelevant, selbst wenn es da draußen inzwischen Portale gibt, bei denen man sich kostenlos bei Ideen bedienen kann. Von Personen die zwar großartige Einfälle hatten, selber aber keine Zeit dafür haben und gerne einfach ihre Idee umgesetzt sehen möchten. Ich selber bin kein riesiger Fan eines Business Plans, trotzdem frage ich jedes Mal danach. Anstatt zu sehen wie sich die Firma durch Glaskugelschauen entwickeln wird, zeigt es mir aber auch wie sehr sich das Team bisher mit dem Thema beschäftigt hat. Gibt es schon einen Business Case der zu einer Monetarisierung führen kann? Welche Milestones müssen wir dafür erreichen oder geht es nun erst mal darum einfach anzufangen? Wie agil ist die Idee und das Team, wenn es darum geht das Businessmodell anzupassen? Oder ist der Plan erst mal nur Investoren zu überzeugen? Wo befindet sich das Unternehmen im Zeitraum der nächsten 5 Jahre? Gibt es gegebenenfalls sogar schon Exit-Pläne? Ob ich letzteres jetzt positiv oder negativ sehe behalte ich für mich. 😉

Wie sieht die Konkurrenz aus? Die wenigsten Ideen sind wirklich komplett neue Erfindungen. Oft wird nur ein gut funktionierendes Konzept kopiert, gegebenenfalls in eine andere Branche überführt. Verbesserte Copycats sind aber nicht immer die schlechtesten Ideen, wie man an Facebook oder Google sehr schön sehen kann. Zwar habe ich mySpace nie aktiv genutzt, konnte mir aber auch nicht vorstellen wieso man neben Altavista überhaupt eine andere Suchmaschine braucht. Von welchen Branchen profitieren wir bei der Idee? Wem nehmen wir Arbeit weg und wer könnte dadurch etwas gegen unsere Tätigkeiten haben? Was könnten diese Unternehmen dagegen tun? Davon auszugehen, dass wir einfach nur schlauer sind als alle anderen halte ich für sehr naiv. Immerhin denken 80% der Menschen ihre Arbeit wäre überdurchschnittlich gut, finde den Fehler. Wie realistisch ist die Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten und wie können wir trotzdem oder gerade deshalb erfolgreich sein?

Herausforderung

Die Karriere eines CTOs sieht dabei heute oft anders aus als der übliche Bildungsweg. Im Grundschulalter mit Programmierung angefangen, mit 14 die erste Firma gegründet, mit 18 die Schule geschmissen, viel als Autodidakt gelernt da das Internet noch nicht die Qualität von heute hatte, mit 22 die erste Führungsposition übernommen usw. Dabei bin ich alles andere als ein Einzelfall.

Sehr Technikbegeistert und immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Sowohl persönlich als auch technologisch. Frameworks und Tools ändern sich dabei so schnell, dass ein heute geplantes Stück Software in 6 Monaten schon wieder veraltet ist. Genau hier besteht aber auch der Reiz sich ständig fortzubilden und auf neue Gegebenheiten einzustellen. Gleichzeitig muss man als CTO aber auch balancieren: den perfekten Quellcode gibt es nicht, das Unternehmen muss profitabel arbeiten und darf dennoch seine Vorreiterstellung nicht verlieren. Man kann sich also nie auf seinen Lorbeeren ausruhen und Software ist eigentlich nie fertig, sondern muss sich dauerhaft im Wandel befinden.

Firmenkultur

Sehr wichtig für mich ist das Thema Firmenkultur. Und nein, hier geht es nicht darum einen Tischkicker zu haben und viele Partys zu schmeißen, auch wenn das ganz nett ist und heutzutage einfach dazugehört. Sondern wann wird wie, was und wann mit den anderen Mitarbeitern in der Firma kommuniziert? Wie wird für Respekt, Vertrauen und Motivation gesorgt? Ich bin ein großer Fan von Transparenz und stehe total ungern mit dem Rücken zur Wand, weil ich mit Informationen zurückgehalten habe. Auch das Unangenehme sollte für eine langfristige Beziehung angesprochen werden. Dies ist nicht immer einfach und erfordert Mut, zahlt sich aber aus.

Welche Maßnahmen gibt es um die Mitarbeiter stetig fortzubilden? Wie stehen die anderen Gründer zu Future-of-Work -Themen wie Remote Work, Open Vacation Policy oder Slacktime? Diese Themen sind für mich inzwischen obligatorisch und ich denke unter dem starken Fachkräftemangel wird es nicht möglich sein eine große Menge an talentierten Mitarbeitern zu gewinnen ohne eine entsprechend attraktive Arbeitsumgebung zu bieten.

Anteile und Gehalt

Genauso wichtig ist das Thema Anteilsverteilung. Wer sich in der Tech-Industrie bewähren möchte braucht entsprechend auch ein starkes Wort aus der Technik im Gesellschafterkreis. Nicht nur um eine gute Balance zwischen Software-Qualität, und damit dem langfristigen Erfolg, und dem schnellen agilen entwickeln von Features zu finden, ist ein Gespräch auf Augenhöhe selbstverständlich. Ein Startup ist ganz klar ein Risiko und muss bei Erfolg einen entsprechenden Gegenwert gegenüber einer üblichen Karriere in einem Konzern bieten. Ich möchte nicht nur daran beteiligt sein, sondern auch maßgeblich an meinem eigenen Baby mitarbeiten, Ideen einbringen und für dessen großen Erfolg und auch kleine Misserfolge auf der Strecke verantwortlich sein.

Last but not least spielt leider auch das liebe Geld eine Rolle. Ich war gerade diese Woche für eine Konferenz in Berlin und dort wurde von bis zu 180.00 € für eine CTO-Rolle in einem Startup gesprochen. Ein riesiger Batzen Geld für ein Startup und auch ein Diskussionsthema mit Investoren. Selbst wenn das nicht der wichtigste Punkt ist muss dieser Hygienefaktor stimmen. Da ich aktuell sehr viele Anfragen von Startups bekomme die sich mit mir unterhalten möchten, was ich auch sehr gerne mache, da der Austausch sehr interessant ist, so ist dieses Thema abzufragen oft dennoch mein erster Punkt. Selbst wenn ich das Team, die Idee und Kultur super finde, wenn mir die Firma gegenüber ein Vielfaches bezahlt wäre dies langfristig ein Problem.

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