Wearables, IoT und das Mobile-Ökosystem
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Bei der MobileTech Conference 2014, die seit zwei Tagen in München läuft, dreht sich alles um Mobile-Themen. Natürlich stehen auch Wearables und das Internet of Things im Mittelpunkt vieler Sessions. Denn tragbare Technologien erobern die Gegenwart. Wearables gehört die Zukunft. Immer mehr smarte Gadgets kommen auf den Markt und auch in Sachen Alltagstauglichkeit tut sich was. 

Manche Experten wagen sogar eine Prognose, die dem Smartphone nichts Gutes verspricht. Es soll nämlich bald nicht mehr als zentrales mobiles Gerät agieren, sondern durch eine Vielzahl viel leistungsfähigerer Wearables ersetzt werden, die in der Lage sein werden, permanent mit anderen Geräten zu interagieren. 

In seinem Vortrag  „Wearables – der Kampf um die Vorherrschaft im neuen Mobile-Ökosystem“ sprach Achim Himmelreich (Mücke, Sturm & Company) über tragbare Technologien und IoT als Business-Modelle. 

Tatsächlich ist es so, dass über tragbare Technologien sehr viel geredet und spekuliert wird, doch die Entwicklung schreitet langsam voran. Viele Konzepte werden nicht umgesetzt. Doch Achim Himmelreich lädt uns dazu ein, diese Entwicklung im größeren Kontext zu betrachten. Schließlich ging die Industrielle Revolution auch nicht gerade zügig voran. Dabei veränderte sie den Lauf der Geschichte.

Wir befinden uns gerade in einer Informationsrevolution. Assoziiert man diese mit dem Sturm der Bastille, wird einem die Entwicklung wie in Slow-Motion vorkommen. Doch Revolutionen brauchen eben ihre Zeit. Es geht zwar nicht rasend voran in der Welt der Wearables, aber auch nicht so schleppend, wie es einem manchmal vorkommen mag.

Die Lokomotive der Informationsrevolution ist dabei der Mobile-Sektor. Vor allem der Bereich, der gerade noch in den Kinderschuhen steckt: das Internet of Things. 

Sollte es den Entwicklern gelingen, tragbare Technologien zu einem integralen Teil des Alltags zu machen, stehen wir kurz vor der globalen Vernetzung. 

So zukunftsweisend der Begriff IoT auch klingen man, ging die Entwicklung der Wearables und der Vernetzung schon mit der ersten Taschenuhr los. Heute schmunzelt man darüber. Doch wenn man sich vor Augen führt, wie revolutionär das für den Alltag gewesen ist, die Uhrzeit in der Hosentasche „zu tragen“, kann man durchaus von einer kleinen Revolution sprechen. Ähnlich verhält es sich mit den ersten Kontaktlinsen oder dem Walkman-Urgestein. Heute, als logischer Entwicklungsschritt, folgen die digitalen Wearables – das Next Big Thing.

Achim Himmelreich beschrieb in seinem Vortrag verschiedene Märkte für Wearables: 

Handel

Wearables könnten den stationären Handel revolutionieren. Geht man als Kunde beispielsweise mit einer Google Glass durch einen Supermarkt, könnte man von vielen integrierten Funktionen profitieren, die dem Handel ganz neue Möglichkeiten bieten. Noch vor dem Betreten des Ladens bekommt der User passende Angebote durch Couponing, wird dank Indoor Navigation durch die Hallen navigiert, bekommt relevante Produktinformationen eingeblendet (Zusammensetzung der Produkte, Kalorienanzahl),  und kann durch Mobile Payment direkt im Store beim Checkout bezahlen. So könnte die vernetzte Zukunft des stationären Handels aussehen.

Gesundheit und Pharma 

Im Gesundheitsbereich sehen Experten das größte Potenzial für smarte tragbare Technologien. Ein Gadget gegen Rückenschmerzen? Warum nicht! LUMOback beispielsweise misst die Körperhaltung sowie die persönliche Aktivität und wertet das Gesundheitsverhalten in einer Mobile-App aus. Dabei ist es nichts weiter als ein Hüftband mit einem leichten, integrierten Sensor.

Vergleichbare Wearables könnten auch helfen, das Gesundheitssystem zu revolutionieren. So könnte man sich den einen oder anderen Arzttermin ersparen, indem man Daten direkt an die Klinik überträgt und diese dort ausgewertet werden. Machen die Krankenkassen bei dem Wandel mit, könnte man das Tragen der Wearables aus dem Health-Bereich mit einem Bonussystem unterstützen und so die Träger für die smarte Gesundheitsvorsorge belohnen. Anders als Ärzte, die Symptome behandeln und Maßnahmen gegen eingetretene Krankheiten ergreifen, warnen Wearables den Träger, bevor es zu spät ist.

 

Lifestyle und Sport

Auch im Bereich des Lifestyles und Sports werden Wearables eine immer wichtigere Rolle spielen. Ein Überflieger aus dieser Kategorie ist die überaus erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für The Dash-Headphones. 

Das Münchener Startup Bragi bricht mit dem The-Dash-Konzept alle Rekorde. Es meistert mit den multifunktionalen Kopfhörern eine ganz besondere Herausforderung, die für die Wearables gilt: Diese besteht darin, Technik nicht nur der Technik wegen zu entwickeln, sondern alltagstaugliche, praktische und intuitiv bedienbare Produkte zu schaffen. Das sind die smarten Headphones allemal. Sie sorgen für klaren Sound, sind kabellos, leicht bedienbar und verfügen außerdem über Alarm- und Trackingfunktionen. 

Automotive

Ein weiterer wichtiger Bereich für den Einsatz der Wearables ist die Automotive-Industrie. Am Beispiel der speziellen BMW i Remote-App, die Samsung und BMW gemeinsam für die Samsung Galaxy Gear entwickelt haben, sieht man, wie eine Smartwatch dem Autofahrer nützliche Funktionen bieten kann. So informiert diese beispielsweise über den Fahrzeugzustand, ermöglich Navigation per Sprachbefehl sowie die Fernsteuerung der Klimaanlage – wichtiger Mehrwehrt für den User.

An dieser Stelle muss auch CarSharing erwähnt werden – eine Praxis, die nur dank Apps möglich ist und zukünftig noch viel stärker, besonders in Mega-Cities eingesetzt werden sollte. 

Maschinenbau und Industrie

Das Potenzial ist auch hier sehr hoch. Doch in der Industrie erweist sich der Einstieg sich als anspruchsvoll. Denn eine gewisse Komplexität der Anwendung muss vorausgesetzt werden, um Wearables im industiellen Ausmaß einsetzen zu können.

Beispielsweise könnte man smarte Brillen für den logistischen Einsatz verwenden und so das mühsame Barcode-Scannen durch Lokalisieren von Gegenständen ersetzen

Sonstiges

Es gibt noch viele andere Bereiche, wo der Eisatz der Wearables noch viel Entwicklungspotenzial hat. Beispielsweise Interfaces, die intuitive mobile Nutzung ermöglichen. 

An dem Beispiel des smarten Gadgets Fin – ein Bluetooth-Ring, der den Finger mit der Umgebung und den Gegenständen vernetzt, sieht man, wie so eine intuitive Nutzung aussehen kann. Hier orientiert sich die Technik am Menschen und verzichtet auf komplizierte Bedienung, die keiner braucht und versteht. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir gerade eine einmalige Entwicklung erleben. Die eines neuen Mobile-Ökosystems, in dem Smartphones nicht mehr die dominante Rolle spielen werden. Insbesondere im Gesundheitswesen entstehen ganz neue Möglichkeiten, auf die Unternehmen rasch reagieren sollten.

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