"Web Standards sollten genau anders herum spezifiziert werden"
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Eine Gruppe einflussreicher W3C-Entscheider hat sich zusammengetan, und im „Extensible Web Manifesto“ festgeschrieben, dass der bisherige Standardisierungsprozess für Web Standards komplett überholt

Eine Gruppe einflussreicher W3C-Entscheider hat sich zusammengetan, und im „Extensible Web Manifesto“ festgeschrieben, dass der bisherige Standardisierungsprozess für Web Standards komplett überholt ist. Die Autoren der Standards und die Adressate derselben, Web Entwickler also, sollen in einem verbesserten Prozess enger zusammenstehen und sich gegenseitig Feedback geben können. Daraus soll ein Tugendkreis entspringen, in dem sich beide Parteien gegenseitig zu mehr Exzellenz zwingen.

Der bisherige Prozess leidet nicht nur am mangelnden Feedback, sondern auch an seiner enormen Trägheit. Nachdem ein Standard im Laufe mehrerer Monate bis Jahre festgeschrieben wurde, vergehen weitere Monate, bis die Browser-Entwickler Implementierungen liefern. Dann irgendwann gibt es einen JavaScript-Wrapper für das Feature, dank dem es den Web-Entwicklern erst möglich wird, das Feature praktisch zu verwenden. Doch die etablierte Top-Down-Methode, wie sie Manifest-Mitunterzeichner Boris Smus beschrieben hat, muss kein Dauerzustand bleiben. Denn als Alternative sieht die Manifesto-Aktionsgruppe #extendthewebforward Vorab-Implementierungen im JavaScript-Format, die ein entwicklerfreundliches API liefern, lange Praxistests durchlaufen und erst danach standardisiert und von Browser-Vendors adoptiert werden müssen. Währenddessen kommt es zum erwähnten Tugendkreis, den die Gruppe selbst wie folgt beschreibt:

Making new features easy to understand and polyfill introduces a virtuous cycle:

  • Developers can ramp up more quickly on new APIs, providing quicker feedback to the platform while the APIs are still the most malleable.
  • Mistakes in APIs can be corrected quickly by the developers who use them, and library authors who serve them, providing high-fidelity, critical feedback to browser vendors and platform designers.
  • Library authors can experiment with new APIs and create more cow-paths for the platform to pave.

Die Umkehrung des bestehenden Prozesses scheitert derzeit noch an der Verständigung über Low-level-Möglichkeiten in den Browsern. Diese sollten die darunterliegende Plattform so großflächig wie möglich nutzbar machen. Dies lässt sich schon heute an Mozillas X-Tags oder Google Polymer ausprobieren. Diese Bibliotheken machen nicht-spezifizierte Elemente via Polyfills in allen Browsern nutzbar. Somit können Web-Entwickler heute Features anwenden, und ignorieren, ob sie erst in fünf Jahren von Browsern auf Engine-Ebene verstanden werden.

Den kompletten Prozess und die Liste der der Unterzeichner (darunter der Vorstand der Extensible Web Community Group) entnehmt Ihr dem Extensible Web Manifesto.

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