Wer hat Angst vor einer Google-Diktatur?
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Google ist für die meisten schon lange die erste Anlaufstelle im Netz, um mal schnell etwas zu suchen. Ob News oder Trends, Google hat in Deutschland einen Marktanteil von 90,2 Prozent. Damit kann es uns theoretisch diktieren, was im Internet gerade besonders aktuell ist oder welche Webseiten für bestimmte Suchbegriffe besonders relevant sind.

Der Suchmaschinenriese hat es sogar geschafft, sich in der deutschen Sprache einen Platz zu sichern. So hat der Duden bereits 2004 das Verb „googlen“ aufgenommen und beschreibt es als schwaches Verb mit Perfekt-Bindung, das mit „hat“ gebildet wird – nach so viel Anerkennung würden sich so manche Internet-Giganten die Finger lecken.

Diese Erfolgsstory ist aber vielen unheimlich: Wer sagt uns denn, dass Google seine Macht nicht einfach missbraucht, um noch mehr Geld zu verdienen? Schließlich ist Google kein wohltätiger Verein, der seine Dienste nur aus reiner Nächstenliebe zur Verfügung stellt.

Schummelt Google in den Suchergebnissen?

Die EU-Kommission geht genau dieser kartellrechtlichen Frage schon seit fast drei Jahren nach. Werden Google-eigene Dienste wie etwa Google Maps oder Google Shopping in dem Suchergebnissen bevorzugt behandelt? Unterdrückt Google damit den Wettbewerb?

Nun gab es eine Wendung im ewigen hin und her zwischen Brüssel und Mountain View. Google lenkt ein und versucht sowohl die erhitzen Gemüter der Konkurrenz und als auch die EU-Kommission mit einem Kompromiss zu besänftigen. Das vorgelegte Konzept sieht eine fünfjährige Selbstkontrolle von Google vor.

Eigene Dienste sollen demnach besser gekennzeichnet werden, sodass Nutzern sie als solche auf Anhieb erkennen. Darüber hinaus verspricht Google Chancengleichheit für Mitbewerber und bietet Webseitenbetreibern die Möglichkeit, ihren Content vor dem Google-Crawler verbergen zu können – sie wären dann für Google und 90,2 Prozent aller deutschen User, die Google nutzen, komplett unsichtbar.

Freiwillige vor!

Aber kann man es sich heutzutage überhaupt leisten von Google-Suchergebnissen komplett ausgeschlossen zu werden? Das augenscheinlich großzügige Angebot des Suchmaschinen-Giganten klingt fast schon trotzig: „Wenn Ihr nicht nach unseren Regeln spielen wollt, dann könnt Ihr auch wegbleiben“.

Wir erinnern uns an die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage: Große deutsche Verlage fordern eine Gebühr für die von Google angezeigten Text-Snippets in den Suchergebnissen, die sogenannte Google-Tax. Komplett aus den Google-Suchergebnissen will hingegen keiner. 

Klappe zu, Affe tot

Wie ein solches Szenario aber aussehen könnte, zeigt uns ein Fall, der sich im vergangenem Jahr in Belgien zutrug. Belgische Verleger hatten geklagt, weil Google ihre Inhalte in seiner News-Übersicht angezeigt hatte – ohne sie dafür zu entlohnen.

Das Gericht gab den Verlegern Recht und verdonnerte Google zu einer Strafzahlung in Höhe von 25.000 Euro für jeden Artikel, der im Nachrichtenteil des Suchmaschinendienstes angezeigt wurde. Google warf daraufhin diese Seiten aus seinem Suchindex. Binnen kürzester Zeit erschienen die Artikel jedoch wieder in Google-News, man hatte sich außergerichtlich geeinigt und wahrscheinlich hatte man auf Verlegerseite auch kalte Füße bekommen. Denn wer im Internet nicht auffindbar ist, der hat keine Leser, wer keine Leser hat, hat auch bald keine Werbeeinnahmen – Klappe zu, Affe tot.

google

Search Engin Optimization oder Google-Optimization?

Das Internet expandiert sekündlich: Webseiten und neue Mitbewerber eifern um die Gunst der Leserschaft. Der Berufszweig der Suchmaschinenoptimierer (SEO) verdankt diesem Umstand seine Existenz. Die Herausforderung, der sich die meist selbsternannten SEO-Experten stellen, ist hochkompliziert: Wie gestaltet man Seiten, dass sie von Suchmaschinendiensten gut gefunden werden und ein möglichst hohes Ranking erhalten?

Da Google die mit Abstand größte Suchmaschine der Welt ist, meinen SEO-Berater, wenn sie von Suchmaschinenoptimierung sprechen, in erster Linie eine Google-Optimierung. Während sich also unzählige Webseitenbetreiber darüber den Kopf zerbrechen, wie man es Google recht machen kann, ändert der Suchmaschinen-Superstar laufend seine Algorithmen.

Und wie geht’s weiter?

Hier in Europa haben nun Verbände, Mitbewerber und Nutzer einen Monat Zeit, Googles oben genannte Vorschläge zu prüfen. Der Lobby-Verband IOCOMP, der Unternehmen wie Microsoft zu seinen Mitgliedern zählt, hat die bereits angekündigt tiefgreifendere Maßnahmen gegen Googles Omnipräsenz im Netz ergreifen zu wollen. Und so wird aller Wahrscheinlichkeit nach der Kampf um die Macht im Internet in einer weiteren Runde ausgetragen.

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