WhatsApp und Facebook: was sich jetzt ändert
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Beim heutigen unaufhörlichen Nachrichten(über)fluß kommt es nicht oft vor, dass eine Eilmeldung die ganze Welt in ihren Bann zieht und polarisiert. Am gestrigen Mittwoch war es soweit. Facebook hat bekanntgegeben, dass die Social Media Plattform den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp für unglaubliche 19 Milliarden US-Dollar übernimmt

Facebook fürchtet keine starken Konkurrenten, sondern schluckt diese einfach. Schon im April 2012, kurz vor dem Börsengang, übernahm Facebook für rund eine Milliarde US-Dollar die beliebte Foto-Sharing-Plattform Instagram. Damals die größte Übernahme in der Firmengeschichte. Seit gestern kann der Deal getrost als Schnäppchen gelten. 

Ganze 19 Milliarden US-Dollar ist dem Zuckerberg der Kurznachrichtendienst wert: 12 Milliarden davon in Aktien, drei in Firmenanteilen und lediglich vier Milliarden legt der Social-Media-Gigant bar auf den Tisch. Bedenkt man, dass WhatsApp mittlerweile über 450 Millionen monatlich aktive Nutzer hat, ist der Preis pro ergatterten User und das dahinterstehende Potenzial ganz ok.

Was ändert sich für die Nutzer 

Es ist nichts Neues, wenn sich Unternehmensriesen gegenseitig schlucken. Würden nicht jedes Mal die Medien explodieren, würde der Nutzer oft auch kaum Veränderungen mitbekommen. Wird es bei der WhatsApp-Facebook-Fusion auch so sein?

Laut dem offiziellen Blog-Eintrag der Instant-Messaging-Plattform wird die Funktionsweise unverändert bleiben: „Here’s what will change for you, our users: nothing.“  Darüber hinaus bleibt WhatsApp unabhängig und frei von störender Werbung. Würde die Partnerschaft mit Facebook auch nur eins der wichtigsten Prinzipien des Kurznachrichtendienstes gefährden, käme es zu keiner Einigung. Laut dem Blog-Eintrag wollen die Macher über ihre Unternehmensstrategie, ihre Vision und ihr Produkt weiterhin selbst bestimmen.  

Außerdem schimmert in der offiziellen User-Ansprache ein ganz altruistischer Gedanke durch: die Welt zu vernetzen und zwar unabhängig von Entfernungen und vorhandenen finanziellen Mitteln. Dieser Gedanke soll auch weiterhin im Mittelpunkt der WhatsApp-Idee bleiben: 

„Our team has always believed that neither cost and distance should ever prevent people from connecting with their friends and loved ones, and won’t rest until everyone, everywhere is empowered with that opportunity.“

Ob sich tatsächlich für die Nutzer durch dieses weltweit ausgebreitete Social-Media-Fangnetz was verändert oder nicht, wird sich mit der Zeit zeigen. Eins ist klar: Die Reaktionen zeigen, dass User keine Lust auf Missbrauch der privaten Daten haben und solche Übergriffe nicht verzeihen werden. Der Run auf WhatsApp-Alternativen ist jedenfalls vorprogrammiert. 

Kampf der Giganten

Die Instant-Massaging-App war der Social-Media-Plattform insofern schon immer ein Dorn im Auge, dass diese sich nicht nur rasant entwickelte und ihren Nutzer-Pool erweiterte, sondern auch dem Facebook durch ihre einfache Funktionsweise viele User gekostet hat. Nun wendet sich das Blatt ganz plötzlich und Facebook ist um eine weitere geniale „fremde“ Idee reicher. 

Die kontroverse Entscheidung wirbelt die Social-Media-Welt auf. Sofort nach der Deal-Bekanntabe explodierte das World Wide Web. Im Sekundentakt erschienen aufgebrachte User-Kommentare, die nun um ihre WhatsApp-Privatsphäre zittern. Sofern es denn jemals welche gab. 

Facebook machte schon oft durch mangelnden Datenschutz Schlagzeilen. WhatsApp dagegen setzte, zumindest offiziell, auf Unantastbarkeit der privaten Nutzerdaten. Deswegen hat so manch einer dem WhatsApp-Dienst über Nacht den Rücken gekehrt und schaut sich nach sicheren Alternativen um:

Facebook kauft WhatsApp. Ich habe meinen Account gerade gelöscht. Es reicht. Mal schauen was Threema kann.“, schreibt beispielsweise ein Facebook-Nutzer. Sein Beitrag wird gleich kommentiert: „Löschst du dein deinen Facebook-Acoount gleich auch?“ Denn irgendwie ist es paradox, sich über Facebook darüber aufzuregen, dass eben dieser böse Facebook jetzt WhatsApp übernimmt. 

WhatsApp Erfolgsgeschichte

Die Geschichte des WhatsApp Messengers ist die eines Überfliegers. Den unglaublichen Erfolg verdankt der plattformübergreifende mobile Messaging-Dienst aus Silicon Valley seiner reduzierten Funktionsweise. Die Grüner bezeichnen die Anwendung als „eine bessere Alternative zur SMS-Nutzung“. Das Unternehmen beschäftigt lediglich 25 Entwickler und hat insgesamt nur 50 Mitarbeiter. Sich selbst nehmen die Unternehmer trotzdem nicht so ernst: „WhatsApp wurde von zwei Typen gegründet, die zusammen vorher 20 Jahre als Computerfreaks bei Yahoo! Inc. gearbeitet haben.“ Seit gestern sind diese „zwei Typen“ schwerreich und schreiben nicht nur aktuelle Schlagzeilen, sondern Geschichte.

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