Whisper speichert heimlich Nutzerdaten
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Whisper ist eine App, mit der Nutzer anonym Nachrichten verschicken können. Eine Whistleblower-Plattform. Ein Tratschnetzwerk zum Austauschen von Geheimnissen. Laut eigenen Angaben ist es der sicherste Ort im Netz. Allerdings nur theoretisch. Tatsächlich werden sensible Daten langfristig gespeichert und bei Bedarf sogar verkauft. Diese Information förderten Journalisten des Guardians bei einem Rundgang durch das Unternehmen zutage.

Whisper-Nutzer schätzen Anonymität

2,6 Millionen Nachrichten werden täglich über das Netzwerk verschickt. Nutzer können ohne Angabe von Namen oder Email-Adressen Kurznachrichten versenden, die mit Bildern verknüpft sind. So nutzen viele den Dienst, um unter der Schutzhaube der Anonymität und abseits von Facebook und Twitter Beiträge zu verbreiten.

Zeit, Ort und Inhalt der Beiträge werden gespeichert

Recherchen ergaben jedoch nun, dass der ‚anonyme‘ Dienst massenhaft Informationen sammelt, so zum Beispiel die Zeit, den ungefähren Standort und den Inhalt des dazugehörigen Beitrags. Anhand dieser Eckpunkte ist es möglich, die Identität eines Senders zu ermitteln. Auch der Standort derjenigen Nutzer wird getrackt, die dies explizit ausgestellt haben. In einem solchen Fall erfolgt die Ermittlung nicht mehr über GPS, sondern über die IP-Adresse des Smartphones. Sämtliche Geodaten seit dem Launch der App im Jahr 2012 befinden sich noch in der Datenbank.

Sensible Daten an US-Verteidungsministerium und Geheimdienste verkauft

Teilweise werden diese Informationen an das US-Verteidigungsministerium oder Geheimdienste weitergeleitet. Da sich bis auf 500 Meter genau ablesen lässt von wo aus die Nachricht geschickt wurden, sind diese besonders interessiert an Beiträgen, die von spezifischen Orten aus geschickt wurden: zum Beispiel dem Pentagon oder dem NSA-Gelände in Fort Meade (von hier wird übrigens besonders viel verschickt).

Whisper streitet Vorwürfe ab – und ändert dann die Nutzungsbedingungen

Whisper dementierte die Vorwürfe, änderte jedoch nur wenige Tage später die Nutzungsbedingungen. In diesen heißt es jetzt, den Betreibern des Dienstes sei es gestattet, die Standorte der Nutzer zu erfassen – auch wenn diese es explizit nicht erlaubt haben.

Nutzer des Dienstes sollten sich also doch genau überlegen, was sie per Whisper verbreiten wollen. Ein regelmäßiger Blick in die Nutzungsbedingungen scheint sich zu lohnen. Vielleicht wird auch Facebooks Alternative zum anonymen Chatten künftig eine bessere Wahl sein?

Aufmacherbild: one caucasian couple man and woman whispering at ear in studio silhouette isolated on white background via Shutterstock / Urheberrecht: ostill

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