Internet im Auto

Wie Car Connectivity die Automobilindustrie verändert
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Internet im Auto wird für viele Nutzer immer wichtiger. Car Connectivity und der Einzug neuer Technologien verändern die Automobilindustrie – Marktvolumen für Connectivity-Dienste soll sich bis 2020 verfünffachen. In Zukunft könnten Connectivity-Angebote Marktanteile verschieben und Servicegeschäft nachhaltig verändern.

Der weltweite Automobilmarkt befindet sich im Wandel. Auslöser für die Verschiebung der Marktgewichte ist die zunehmende Vernetzung der Fahrzeuge und die damit einhergehende steigende Nachfrage der Kunden nach Connectivity-Angeboten: Für 13% der Käufer kommt ein Neufahrzeug ohne Internetzugang gar nicht mehr in Betracht.

Connected Cars – die Zukunft der Automobilindustrie

Das ist ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Branchenstudie von McKinsey & Company mit dem Titel „Connected Cars“. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage unter 2.000 Autokäufern in Deutschland, den USA, Brasilien und China sowie mehr als 30 Interviews mit Automobilherstellern, Zulieferern, Telekommunikations- und Halbleiterunternehmen.

Car-Connectivity-Markt soll sich bis 2020 verfünffachen

Wer einen Neuwagen fünf Jahre lang behält, für den macht der Kaufpreis derzeit 52 Prozent der Gesamtausgaben für die Nutzung aus. Die andere Hälfte verteilt sich auf Betriebskosten (24 Prozent), Versicherung (14 Prozent), Wartung und Reparaturen (sechs Prozent) sowie Car Connectivity (vier Prozent). Gerade der letzte Kostenpunkt wird sich in Zukunft spürbar verändern.

Der weltweite Markt für Connectivity-Komponenten und -Dienste wird sich bis zum Jahr 2020 von heute 30 Mrd. Euro auf dann 170 Mrd. Euro mehr als verfünffachen. Dann wird Connectivity sechs Prozent der Ausgaben ausmachen.

Autokunden bereit zum Markenwechsel

Beim Autokauf würden Angebote wie Echtzeit-Wartungsinformationen, ortsbasierte Empfehlungen, dynamische Stauprognosen oder Musik-Streaming eine zunehmend wichtige Rolle spielen, so Detlev Mohr, Leiter der europäischen Automobilberatung von McKinsey. 20 Prozent der Kunden würden die Automarke wechseln, wenn sie dadurch an bessere Connectivity-Angebote gelangen. Unter den Vielfahrern, die mehr als 20 Stunden pro Woche im Auto verbringen, beträgt der Anteil der Wechselwilligen sogar 40 Prozent.

Car Connectivity: Wenn Apps an die Wartung erinnern

Maßgeblich beeinflusst sind auch die Bereiche Wartung und Versicherung – beispielsweise durch Wartungsempfehlungen oder eigene Apps, so Mohr. So könnten Hersteller Daten zum Zustand der Fahrzeuge nutzen, um ihren Anteil am Wartungs- und Reparaturmarkt zu erhöhen, indem sie die Kundenbindung stärken. 23 Prozent der weltweit befragten Autokäufer – in Deutschland erst sieben Prozent – würden der Wartungs- oder Reparaturempfehlung einer App folgen und eine Vertragswerkstatt aufsuchen.

Car Connectivity und Autoversicherung

Zudem könnten Informationen über das Fahrverhalten das Versicherungsgeschäft verändern: 35 Prozent der befragten Fahrer wären bereit, Daten für Versicherungen freizugeben, um einen Rabatt von zehn Prozent auf ihre Versicherungsprämie zu erhalten.

Kampf um die Führungsrolle

Unternehmen aus dem Software- oder Telekomsektor drängen in den Markt der Car Connectivity und bieten ihre Dienstleistungen (wie Navigations-Software) oft günstiger und zum Teil kostenlos an. Viele Kunden sind nicht bereit, für zusätzliche Services einen Aufpreis zu bezahlen: Nur 34 Prozent der Autokäufer geben an, für knapp 80 Euro eine standardisierte Smartphone-Schnittstelle für das Auto zu kaufen, nur 20 Prozent würden für abonnementbasierte Dienste zahlen. Hier müssen die Autohersteller aufpassen, dass sie die leitende Position im Bereich der Car Connectivity nicht für immer den Internetunternehmen abtreten.

Für Automobilhersteller ist es daher entscheidend, an drei kritischen Punkten die Kontrolle zu bewahren:

  • HMI (Human-Machine Interface)
    • Die integrierte Bedienung der Dienste und Apps im Auto ist ein Alleinstellungsmerkmal der Automobilhersteller. Neue Technologien wie beispielsweise Projektionen auf Windschutzscheiben, die diese Vernetzung intuitiv, komfortabel und sicher gestalten, bieten Herstellern die Möglichkeit, ihre Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich zu behaupten.
  • Echtzeit-Fahrzeugdaten
    •  Anonymisierte Daten zum Zustand und zur Nutzung des Fahrzeugs sind Grundlage für Versicherungs- und Wartungsleistungen, aber auch vieler anderer Dienste. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich viele Kunden um die Datensicherheit sorgen, ist dies ein entscheidender Kontrollpunkt.
  • Geoinformationen in Echtzeit
    • Aktuelle Daten zur Verkehrslage, Warnung vor Glatteis und ortsspezifische Dienste können nur über Echtzeit-Geoinformationen angeboten werden. Gemeinsam mit Sensordaten im Fahrzeug bilden diese die Voraussetzung für autonomes Fahren. Vernetzte Autos, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, ebnen damit den Weg zum fahrerlosen Fahrzeug.

 

Aufmacherbild: Sports car blueprint. Non branded concept car. von Shutterstock/ Urheberrecht Mikhail Bakunovich

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