Windows als Bug #1? – iOS und Android lösen das Problem
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Seit neun Jahren arbeitete Mark Shuttleworth an der Demission von Microsoft Windows. In einem Statement vom August 2004 machte der Ubuntu-Gründer die Vorherrschaft von Microsoft Windows als den „Bug #1“ der PC-Industrie aus und versuchte seither, mit der kostenlosen Open-Source-Linux-Distribution Ubuntu die PC-Welt etwas freier zu gestalten. Jetzt schloss Shuttleworth in einem weiteren Statement dieses Projekt erfolgreich ab. Dass es nicht Ubuntu, sondern vor allem Android und iOS sind, die Microsoft die Marktführerrolle streitig machen, ist für Shuttleworth dabei nebensächlich.

Gleichzeitig musste Shuttleworth allerdings Eingeständnisse machen, die sicherlich auch der 2004 nicht abzusehenden Entwicklung des Marktes und dem Aufkommen mobiler Geräte wir Smartphones und Tablets geschuldet sind. Schließlich rief er 2004 das Ziel aus, der PC-Betriebssystemmarkt solle „befreit“ werden, indem die Mehrheit der PCs zukünftig nicht mehr mit kostenpflichtigen und geschützten OS ausgeliefert werde. Die Philosophie des Unternehmens drückt sich daher auch im Namen aus, der in der Sprache der Zulu „Menschlichkeit“ bedeutet. In diesem Sinne sagte Shuttleworth damals, dass man durch kostenlose Programme allen Menschen Zugang zu essentieller Software ermöglichen wolle.

Kostenpflichtige Software liefert uns den Software-Besitzern aus und legt die Kontrolle über die Technologie, die unsere Gesellschaft bestimmt, in die Hände einiger weiniger Menschen. Außerdem unterdrückt geschützte Software Innovationen, erhält künstlich erzeugte Mängel und ermöglicht schädliche Anti-Features wie etwa DRM, Überwachung oder monopolistische Praktiken.

Durch die Liberalisierung der PC-Betriebssysteme wollte man also gleichsam die Welt etwas demokratischer gestalten.

Nun ist mit Android tatsächlich ein Linux-basiertes Betriebssystem zum Konkurrenten von Microsoft Windows aufgestiegen, doch muss die Frage erlaubt sein, ob der Markt dadurch tatsächlich auch freier geworden ist. Schließlich kann man auf einem PC heute nahezu jedes System oder Programm installieren, während Hersteller wie HTC oder Samsung ihre Betriebssysteme schützen und nicht, wie ursprünglich versprochen, offen lassen. In vielen Fällen halten nur die Hersteller den Schlüssel zu den Bootloadern in der Hand.

Eine wichtige Änderung des Marktes, die durch Ubuntu, Android und andere Open Source OS, aber auch iOS, herbeigeführt wurde, ist jedoch, dass der Markt inzwischen eine größere Auswahl anbietet, was auch Microsoft zum Umdenken zwingt. In dem neuen Statement sagte Shuttleworth selbstkritisch, dass Ubuntu zwar nur einen kleinen Anteil am Wandel habe, doch es wichtig sei zu erkennen, dass sich der Wandel vollzogen habe. Aus Sicht Ubuntus sei daher das 2004 ausgerufene Ziel erreicht. Von nun an wolle man sich darauf konzentrieren, das eigene OS weiter zu verbessern. Auf mittlere Sicht soll Ubuntu nicht nur für Entwickler interessant sein, sondern zu einer echten Option auch für weniger professionelle Nutzer werden.

Ein großer Fortschritt sei aber, dass Microsoft auf seiner Cloud-Plattform Azure Nutzer aller Betriebssysteme, inklusive Ubuntu, akzeptiere.

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