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WordPress Alternativen #1: Serendipity
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Wer eine Alternative zu WordPress sucht, sollte Serendipity eine Chance geben. Anfang des Jahres ist die Version 2.0 erschienen.

Unter den Systemen, mit denen ein Weblog betrieben werden kann, ist WordPress sicherlich der Platzhirsch. Lediglich der Dienst Blogger.com, der zu Google gehört, erfreut sich einer vergleichbaren Beliebtheit. Auf den ersten und auch zweiten Blick scheint sich eine Monokultur ausgebreitet zu haben. Doch der Eindruck trügt. Neben WordPress und Blogger.com gibt es eine Vielzahl weiterer Systeme, die von fleißigen und engagierten Programmierern entwickelt und gepflegt werden.

Serendipity, gerne als S9Y abgekürzt, ist vor kurzem in der Version 2.0 erschienen. Neben einer aufgeräumten Benutzeroberfläche bringt das System eine Reihe von Plugins und Erweiterungen mit, und lässt sich mit vertretbarem Zeitaufwand an die eigenen Vorstellungen anpassen. Stattliche 12 Jahre ist Serendipity mittlerweile alt. Genauso lange ist Garvin Hicking als Mastermind und Chefentwickler für das Projekt verantwortlich. Serendipity steht unter der BSD License, kann somit kostenfrei genutzt und angepasst werden.

Anforderungen und Installation

Serendipity benötigt für die Installation mindestens PHP 5.3. Darüber hinaus wird noch eine Datenbank benötigt, wobei Serendipity hier nicht sonderlich wählerisch ist. Unterstützt werden MySQL(i), PostgreSQL und SQLite. Ferner kann Serendipity zur Bildbearbeitung auf ImageMagick zurückgreifen, sofern dieses auf dem Server verfügbar ist.

S9Y Installation

Serendipity lässt sich komfortabel über einen Assistenten installieren.

Nachdem die Dateien auf den Webserver geladen wurden, erfolgt die Installation mithilfe eines Assistenten. Dieser steht in zwei Modi zur Verfügung. Im einfachen Modus kommen auch technisch weniger versierte Anwender schnell zu einer funktionsfähigen Installation, sofern die relevanten Daten (Datenbankserver, Benutzername für die Datenbank, …) zur Hand sind. Der erweiterte Modus der Installation erlaubt fortgeschrittenen Anwendern individuelle technische Vorgaben, die aber nicht zwingend notwendig sind.

Während der Installation legt der Assistent ein leeres Weblog und ein erstes administratives Benutzerkonto an. Nach der Anmeldung in der Verwaltungsoberfläche, die auch über den URL serendipity_admin.php direkt aufgerufen werden kann, steht der Administration über die aufgeräumte Oberfläche nichts mehr im Wege.

S9Y

Nach der Installation präsentiert sich das Weblog noch sehr aufgeräumt.

Ordnung im Backend …

Serendipity ermöglicht eine recht fein granulierte Verwaltung der Benutzerkonten. Diese können, mit individuellen Rechten versehen, entweder das gesamte System verwalten, oder nur Beiträge in einzelnen Kategorien publizieren. Es ist auch möglich, dass sich Benutzer selbst im System registrieren und dann von einem Administrator freigeschaltet und verwaltet werden. Ferner erlaubt Serendipity die Einteilung von Benutzern in Gruppen.

Neben den Benutzerkonten können auch Medien wie hochgeladene Bilder mit der eingebauten Mediendatenbank direkt über den Browser verwaltet werden. Die Mediendatenbank ist auf das Wesentlichste reduziert und macht optisch eigentlich nichts her, funktioniert aber einwandfrei und bietet auch die Möglichkeit, Verzeichnisse anzulegen, zu löschen und mit Zugriffsrechten zu versehen.

Der Editor ist auf die wesentlichen Funktionen reduziert.

Der Editor ist auf die wesentlichen Funktionen reduziert.

Der Editor zum Schreiben eines Eintrags ist ebenfalls recht spartanisch gehalten, bietet aber einen schnellen Zugriff auf die geläufigsten Formatierungen. In der Standardinstallation von Serendipity wird im Editor direkt HTML-Code editiert, eine Möglichkeit zur Vorschau ist eingebaut. Für technisch weniger versierte Redakteure kann über ein Plugin auch ein grafischer Editor hinzugefügt werden. Serendipity unterstützt die zeitgesteuerte Publikation von Beiträgen. Diese Beiträge können schließlich auch mit einem Passwort versehen, und so nur bestimmten Personen zugänglich gemacht werden.

Erweitern lässt sich Serendipity über Plugins, die sich direkt über den Browser mit einem Mausklick installieren lassen. Der eigenhändige Upload über ein FTP-Programm ist nicht notwendig. Wenn ein Plugin installiert werden soll, dann lädt Serendipity automatisch die Dateien des Plugins von der Webseite des Projektes herunter, und aktiviert es. In der Praxis hat sich dieses Vorgehen als recht praktisch und zuverlässig erwiesen.

Plugins können direkt über den Browser installiert und konfiguriert werden.

Plugins können direkt über den Browser installiert und konfiguriert werden.

Die Plugins werden grob in zwei Kategorien unterschieden. Ein Plugin für die Seitenleiste erscheint auf der Webseite, und stellt dem Besucher eine bestimmte Funktionalität zur Verfügung. Beispielsweise können die letzten fünf Kommentare oder Beiträge aus einer Kategorie angezeigt werden. Auch externe Dienste, wie etwa Links auf das Amazon-Partnerprogramm oder ein Fotostream von flickr, können mit einem Plugin für die Seitenleiste unkompliziert eingebunden werden.

Ein Ereignis-Plugin wird nicht auf der Webseite dargestellt. Vielmehr reagieren diese Plugins auf bestimmte Vorkommnisse im System. Wird etwa ein Text eingegeben und publiziert, dann ersetzt das Ereignisplugin Smilies eine Zeichenkette wie : ) durch eine kleine Grafik. Diese Art der Plugins eignen sich nicht nur für Textfilter, sondern auch zum Spamschutz bei eingehenden Kommentaren, zur automatischen Einbindung des Inhalts eines E-Mail-Postfachs oder einem einfachen Gästebuch.

… und Anpassung im Frontend

Von Haus aus bringt Serendipity bereits eine Reihe von Templates mit, die in der Regel recht ansprechend gestaltet sind. Wie auch die Plugins lassen sich weitere Templates direkt über die Verwaltungsoberfläche mit einem Mausklick herunterladen und installieren. Serendipity unterscheidet zwischen Templates, die die Gestaltung des Weblogs bestimmen, und solchen, die die Verwaltungsoberfläche im Backend anpassen. Dabei ist die Auswahl noch nicht ganz so groß wie etwa bei WordPress, aber für die meisten Einsatzgebiete, Ansprüche oder Geschmäcker sollten sich passende Designs finden lassen.

S9Y Themes

Wer nicht selbst HTML- und PHP-code bearbeiten möchte, kann ein Standardtheme verwenden.

Sind HTML- und CSS-Kenntnisse vorhanden, und stellt auch einfacher PHP-Code keine Hürde dar, dann kann die Gestaltung des Blogs auch in die eigene Hand genommen werden. Serendipity greift auf die Template Engine Smarty mit der Dateiendung .tpl zurück. Angesichts der derzeitigen Dynamik in diesem Bereich vielleicht nicht das allermodernste System, aber eben ein etabliertes und gut dokumentiertes. Um sich in die Erstellung eigener Templates einzuarbeiten, ist die schrittweise Abwandlung und Anpassung eines schon existierenden Templates oft eine gute Wahl.

Themes werden über die Smarty-Engine realisiert.

Themes werden über die Smarty-Engine realisiert.

Dokumentation und Community

Die auf s9y.org verfügbare Dokumentation ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, und es braucht gegebenenfalls etwas Zeit, sich tiefer in die Gestaltung von Templates oder Entwicklung von eigenen Plugins einzuarbeiten. Andererseits werden Fragen im Forum recht schnell und vor allem freundlich beantwortet. Gerade letzteres ist bei einigen Open-Source-Projekten nicht immer der Fall.

Zielgruppe und Anwenderkreis

Serendipity ist eine gute Wahl für diejenigen, die eine flexible und einfach zu verwaltende Alternative zu WordPress suchen. Dabei ist das System alles andere als neu, sondern kann als etabliert und erprobt gelten. Die neue Version 2.0 überzeugt mit behutsamen, aber konsequent umgesetzten Innovationen.

Serendipity eignet sich sowohl für Hobbyisten, die ein privates Weblog einrichten und publizieren möchten, als auch für Dienstleiter, die mit Serendipity ihren Kunden eine komfortable Möglichkeit bieten möchten, Texte schnell im Web publizieren zu können.

Weitere Informationen

http://www.s9y.org

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