Habari

WordPress Alternativen #2: Habari
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Habari stellt eine sehr schlanke, stabile und aufgeräumte Alternative zu WordPress dar.

Vor mehr als acht Jahren wurde die Arbeit an Habari von einem Team ehrenamtlicher Entwickler begonnen. Diese waren zuvor auch an der Entwicklung von WordPress beteiligt, verließen aber das Projekt. Dies ist bei Open-Source-Projekten ja nicht ungewöhnlich, und nicht selten führt es zu technischen Fortschritt. Daher war es auch den Entwicklern von Habari ein Anliegen, damals moderne(re) Technologien wie PHP 5, konsequente Objektorientierung sowie die Verwendung der PHP Data Objetcs einzuführen und zu nutzen.

Die Entwicklung von Habari schreitet im Vergleich zu anderen Systemen eher langsam voran. Auch sind Ankündigungen im Sinne eines »next big thing« bisher unterblieben. Dies muss kein Nachteil sein, das Gegenteil ist eher der Fall. Habari ist, wenigstens in Bezug auf den Quellcode, ein schlankes und konsequent modulares System. Der Code selbst ist gut dokumentiert, vgl. http://doc.habariproject.org. PHP-Entwickler, die einen Ausgangspunkt für eigene Entwicklungen suchen, sollten sich schnell einfinden können, da auch die Tutorials auf der Webseite des Projektes – etwa zur Entwicklung von Modulen – zwar knapp gehalten sind, aber die wesentlichen Punkte ansprechen.

Anforderungen und Installation

Habari benötigt wenigstens PHP 5.4 und unterstützt sowohl MySQL, PostgreSQL als auch SQLite für die Datenbank. Ferner sollten noch einige weitere PHP-Module installiert sein.

Für die Installation steht bei Habari ein einfacher Assistent zur Verfügung, der die notwendigen Daten (Benutzer, Datenbank,…) abfragt, und das Weblog anschließend konfiguriert. Detaillierte Konfigurationen ermöglicht der Assistent nicht, ist dafür aber auch für Einsteiger und technisch weniger versierte Benutzer problemlos zu bedienen.

Zur Standardinstallation gehören zunächst drei Themes, die das Aussehen des Weblog bestimmen, sowie eine Reihe von Plugins, mit denen sich die Funktionen des Weblogs erweitern lassen.

Die Installation ist schnell erledigt.

Die Installation ist schnell erledigt.

Spartanisches Backend…

Die Verwaltungsoberfläche von Habari ist sehr spartanisch gehalten. Über ein Ausklappmenü oben links können die einzelnen Bereiche wie etwa die Verwaltung der Beiträge, der Kommentare, Plugins und die allgemeinen Informationen der Webseite aufgerufen werden.

Das Plugin Media Silo ermöglicht die Verwaltung von Bildern, die auf dem Server liegen. Es integriert sich in die Verwaltungsoberfläche in Form eines ausklappbaren Bereichs. Dies mag zunächst etwas ungewohnt wirken, erweist sich aber ziemlich schnell als effektives Werkzeug, um Bilder zu verwalten, in einen Beitrag zu integrieren oder auch vom Server zu löschen.

Die Verwaltungsoberfläche ist auf das Wesentlichste reduziert.

Die Verwaltungsoberfläche ist auf das Wesentlichste reduziert.

Die Gestaltung der administrativen Oberfläche ist übersichtlich, und verwirrt den Anwender nicht durch ein Überangebot an Optionen, Parametern und Möglichkeiten. Der Editor für das Erstellen eines Beitrags ist ebenfalls schlank gehalten. Auch unbedarfte Anwender sollten sich schnell zurechtfinden.

Habari ermöglicht es, Benutzer in Gruppen einzuteilen, und diesen unterschiedliche Berechtigungen und Rechte zuzuweisen. Für eine komplexere Personalstruktur genügt das sicher nicht, aber für die meisten Vereine oder andere gemeinsam betriebene Blogs vollkommen ausreichend.

Plugins lassen sich von der Webseite des Projekts herunterladen, und dann mit einem FTP-Client auf den Webserver übertragen. Die Möglichkeit, Plugins direkt per Mausklick im Browser zu installieren, bietet Habari nicht.

Ein wenig problematisch kann die geringe Auswahl an Erweiterungen sein, die derzeit für Habari zur Verfügung stehen. Während bei anderen Blogsystemen fast schon ein Überangebot an Modulen, Plugins, Erweiterungen und Themes herrscht, so ist die Auswahl für Habari einigermaßen begrenzt. Neben Modulen etwa zur Filterung von Spam und der Integration von flickr-Alben ist auch ein Modul zum Import eines bereits existierenden WordPress-Weblogs verfügbar.

Bilder können über das sog. Media Silo verwaltet werden.

Bilder können über das sog. Media Silo verwaltet werden.

… Templates für das Frontend

Im Wiki des Projektes findet sich eine Liste mit verfügbaren Themes. Habari unterstützt mit der RawPHPEnginge sowie der HiEngine zwei Systeme, um eigene Templates zu erstellen. Das Tutorial zur Erstellung eigener Themes ist knapp gehalten, geht aber auf die wesentlichen Punkte ein. Die beste Strategie, um das Aussehen des Weblogs an die eigenen Vorstellungen anzupassen, ist bei Habari wohl das intensive Studium schon vorhandener Templates und deren schrittweise Anpassung. Anwender, die mit der Programmierung in PHP bisher nur wenig oder gar keine Erfahrung haben, dürften an der Erstellung eines Themes kaum Freude haben. Wer hingegen Spaß an der Analyse von PHP-Code hat, und sich gerne selbstständig und mit Neugier in ein System einarbeitet, dürfte mit vertretbarem Arbeitsaufwand Ergebnisse erzielen.

Aufgeräumter Code

Habari bringt von Haus aus wenige Funktionen und Features mit, wenigstens im direkten Vergleich mit anderen Systemen. Dafür ist der PHP-Code sehr aufgeräumt, und das System als solches noch nicht übermäßig komplex. Die Dokumentation, die im Ordner doc enthalten ist, erklärt in der Sektion Developer die wichtigsten Begriffe, und verlinkt direkt auf die entsprechenden Seiten im Wiki des Projektes. Dort finden sich Erläuterungen der Coding Standards, der Struktur der Datenbank, die Funktionsweise von Overrides und eigentlich allen Punkten, die für die Erstellung von eigenen Modulen notwendig sind. Dabei halten die Entwickler auch mit ihrer eigenen Meinung nicht hinter dem Berg. Im Abschnitt über Arrays findet sich etwa der Kommentar: »This differs from the Zend standards, which advocate insanity.«

Die Anzahl der verfügbaren Plugins ist noch sehr überschaubar.

Die Anzahl der verfügbaren Plugins ist noch sehr überschaubar.

Dokumentation und Community

Die derzeitige Dokumentation und vor allem ihr Aufbau richtet sich in erster Linie an etwas fortgeschrittene Entwickler, während die Tutorials, um Habari als System zu installieren und in Betrieb zu nehmen, knapp gehalten sind. Der Einstieg in Habari dürfte Anfängern daher etwas schwerer fallen, als dies bei anderen Blog-Systemen der Fall ist, die umfassender dokumentiert sind.

Die Community wird von einigen wenigen Enthusiasten getragen, die etwa unter http://habarians.com ein Forum betreiben. Der Ton ist hier freundlich und entspannt.

Fazit

Wer einen vollwertigen Ersatz für WordPress sucht, der alle Bells and Whistles mitbringt, wird von Habari eher enttäuscht sein. Von Habari begeistert werden hingegen diejenigen sein, die eine schlanke und effektive Alternative zu WordPress suchen, eben weil sie 90% der Funktionen von WordPress eh nicht benötigen. Habari ist weniger als ein vollwertiges Publishing System zu betrachten. Es handelt sich vielmehr um eine solide Grundlage, die die Kernfunktionalitäten eines Weblogs mitbringt, und sich aufgrund der Projektstruktur gut als Ausgangsbasis für eigene Entwicklungen eignet.

Weitere Links

http://habariproject.org

http://demo.habariproject.org

http://habarians.com

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