Youtube Musik: Verträge mit Indie-Labels geleakt
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Youtube streitet gerade mit Indie-Labels über die Details des Lizenzvertrags für seinen noch namenlosen Musik-Streaming-Service, der dieses Jahr starten soll. In dem Zuge ist der vollständige, 32 Seiten starke Vertrag Ende letzter Woche geleaked.

Die Webseite Digital Music News stellte ihn unter dem Titel „F*&K It: Here’s the Entire YouTube Contranct for Indies“ ins Netz.

Das Dokument lässt hinter die Kulissen blicken und nachvollziehen, warum Künstler und kleinere Labels Bauchschmerzen bekommen, wenn sie mit Musik-Streaming-Diensten, Google und Co. verhandeln

Youtube knechtet Indie-Labels

Die Vereinigung von Indie-Labels WIN beschwerte sich Anfang des Monats darüber, dass Youtube kleine Labels dazu zwinge, die drakonischen Verträge zu unterschreiben. Bei Nichtunterzeichnung droht Youtube, Videos der betroffenen Labels und Künstler von Youtube zu entfernen. WIN hat mittlerweile ein Verfahren bei der Europäischen Kommission eingeleitet.

Indie- gegen Major-Labels und Youtube

Der kontroverseste Abschnitt im Vertrag zwingt unabhängige Labels dazu, einer geringeren Vergütung pro Stream zuzustimmen, sobald ein Major-Label niedrigere Lizenzgebühren akzeptiert. Youtube kann demnach Streaming-Gebühren einseitig festlegen.

Verhandelbar ist die Klausel nicht. Major Labels erhalten als Gegenleistungen für einen günstigeren Streaming-Stückpreis nicht selten attraktive Boni in Form von Vorauszahlungen.

Diese bleiben den Indie-Labels verwehrt. Youtube muss seine Partner lediglich über entsprechende Maßnahmen informieren. Eine E-Mail reicht aus.

To the extent that any major label agrees to any rates for the Google Services that are lower than the rates set forth in Exhibits C or D, including with respect to bundling, Google will have the right to reduce Provider’s analogous rates accordingly, following thirty (30) days written notice (via email will be sufficient) to Provider.

 Eine weitere problematische Klausel findet sich im Abschnitt „Catalogue Commitment and Monetization“. 

It is understood that as of the Effective Date and throughout the Term, Provider’s entire catalogue of Provider Sound Recordings and Provider Music Videos (including Provider Music Videos delivered via a third party) will be available for the Premium and Free Services for use in connection with each type of Relevant Content, (excluding AudioSwap Recordings, which will be at Provider’s option) and set to a default policy of Monetize for both the Premium and Free Services, except as otherwise set forth in this agreement.

Zu beachten: Der Vertrag ist nicht zufällig durchgesickert. Sowohl Digital Music News, als auch der britische Guardian und das Musikmagazin Billboard haben das Dokument zugespielt bekommen. 

Youtube Musik-Streaming schon im Juli 2014?

Die aktuelle Debatte zeigt, welche Probleme mit dem Wachstum der Musik-Streaming-Dienste verbunden sind und einmal mehr, dass die Entlohnung den Vorstellungen der Künstler und Labels nicht ansatzweise gerecht wird. Google hat seinen Youtube-Musik-Streaming-Dienst noch nicht angekündigt.

Es lässt sich jedoch voraussehen, dass er den Angeboten von Spotify, Rdio und Co. ähneln wird.

Gerüchten zufolge soll es eine kostenlose Variante mit Werbung, und eine kostenpflichtige ohne Werbung geben. Beide haben Zugriff auf den gesamten Musikkatalog. Zudem soll es möglich sein, Musik zwischenzuspeichern und offline anzuhören.

Der Dienst soll noch diesen Sommer starten. Mit Sony, Warner und Universal ist man sich bereits einig, was die Lizenzierung angeht. Wie sich der Streit mit den Indies entwickelt, bleibt abzuwarten. Eventuell könnte der Leak zu neuem Verhandlungsspielraum verhelfen. 

Indie-Labels hin oder her, Google ist zuversichtlich: Ziel sei es „mit Youtube weiterhin ein großartiges Musikerlebnis zu bieten, und zwar als globale Plattform, um Fans und Künstler zu verbinden, und als Einnahmequelle für die Musikindustrie”, sagte ein Google-Sprecher in einer Stellungnahme. Dennoch sind viele Nutzer von dieser Nachricht weniger begeistert und halten die Machenschaften des YouTube Unternehmens für Grund genug, sich nach einer Alternative zu YouTube umzusehen.

Aufmacherbild: Play button. via Shutterstock / Urheber: Yuriy Vlasenko

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