Zeitung goes mobile: 3 Mio. für Startup Blendle
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Das niederländische Startup Blendle hat eine 3 Millionen Euro schwere Finanzspritze von Axel Springer und der New York Times bekommen. Damit soll der journalistische Paywall-Dienst weitere Zeitungsmärkte in Europa erschließen können. Das Aufkommen der digitalen Zeitungskioske steht für den generellen Transfer von journalistischen Inhalten von Print zu Mobile.

Blendle: Digitaler Paywall-Kiosk

Paywall-Dienste sind im Kommen. Neben Netflix für Filme und Spotify für Musik gibt es jetzt auch Blendle, den digitalen Kiosk. In der journalistischen Online-Datenbank kann man gegen einen kleinen Obolus von rund 20 Cent einzelne Artikel aus Zeitungen und Magazinen erstehen. Die User muss zuvor ein Prepaid-Guthaben aufladen und kauft die Artikel über One-Klick. Die Einnahmen für die Artikel gehen zu 70 Prozent an die Verlage.

Das Startup wurde 2013 von den beiden ehemaligen Journalisten Alexander Klöpping und Marten Blankensteijn gegründet und ging in den Niederlanden vor sechs Monaten an den Start. Mittlerweile hat die Plattform dort rund 130.000 registrierte Nutzer. Über eine App können Nutzer die Inhalte auf Smartphones und Tablets abrufen.

Axel Springer und NYT investieren 3 Millionen

In dieser Serie-A-Finanzierungsrunde konnte das Startup zwei besonders große Investoren an Bord holen. Sowohl die New York Times als auch Axel Springer Digital Ventures stecken insgesamt mehr als 3 Millionen Euro in den Paywall-Dienst. Die beiden CEOs halten auch nach der Investition noch 75 Prozent der Unternehmensanteile und wollen unabhängig bleiben: Die Investoren werden weder Einblick in die Geschäftsbücher von Blendle oder anderen kooperierenden Verlagshäusern bekommen, noch werden deren Zeitungen und Inhalte in irgendeiner Weise bevorzug behandelt.

We are truly honored that two of the world’s most influential publishers show so much trust in us. Axel Springer has successfully transformed its business into a digital publishing house with a great portfolio of online offerings and start-ups that we believe we can learn a lot from. The New York Times’ online strategy serves as a worldwide example for other newspapers and magazines.” so Blendle CEO, Klöpping.

Blendle will in weitere europäische Länder expandieren

Die Investition der beiden großen Verlagshäuser zeigt, dass das Konzept von Blendle auch außerhalb der Niederlande auf großes Interesse stößt. Mit dem Geld soll vor allem die Expansion des digitalen Kiosk unterstützt werden: In den nächsten beiden Jahren soll es den Paywall-Kiosk in weiteren europäischen Ländern geben, auch in Deutschland.

Axel Springer CEO erklärt: „As a publisher we want to convince users to pay for great journalism; also in the digital age. I’m therefore delighted that a European startup is building a platform for paid access to quality journalism that is easy to use. Blendle has the potential to attract young, internet savvy readers.“

In Schweden gibt es bereits ein Pendant zu Blendle mit dem Namen Readly, das auch schon in Deutschland verfügbar ist. Hier kann man für 9,90 Euro im Monat eine Lese-Flatrate erwerben und damit auf 8.617 Zeitschriften zugreifen. Dieses Startup war zuletzt eine Kooperation mit Bauer Media eingegangen.

Zukunft der Verlage: Von Print to Mobile

Das Aufkeimen dieser digitalen Journalismus-Datenbanken zeigt, wie die Verlage immer mehr versuchen, ihre Dienste zu digitalisieren. Durch die mobilen Endgeräte, vor allem durch Tablets, waren in den letzten Jahren die Absatzzahlen von Print-Ausgaben immer mehr gesunken und eine Verschiebung von Print zu Mobile deutlich zu erkennen. 

Die Verlage müssen sich neue Wege einfallen lassen, ihre Inhalte zu monetarisieren, wenn die Einnahmen durch die gedruckten Ausgaben ausbleiben, denn weder durch Paid Content noch durch Werbeeinnahmen können sich die Medienhäuser bei der momentanen Entwicklung langfristig auf den Beinen halten. Die Paywall-Bibliotheken könnten dazu eine gute Möglichkeit darstellen. 

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