Zwischen Webdesign und Usability: Frank Puscher über die Online-Szene
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Zum Auftakt der webinale in Berlin möchten wir Euch heute einen unserer Speaker vorstellen. Doch anstatt der bloßen Wiedergabe seiner Expertise steht auch er selbst, Frank Puscher, im Fokus.

Frank ist 47 Jahre alt und seit nun mehr 19 Jahren als freier Journalist für nahmhafte Medienanstalten tätig. Er hält Vorlesungen an einer Hamburger Designakademie und führt im Auftrag seiner Klienten Usability-Tests von Online-Auftritten durch. Seine Grundsätze verbieten ihm subjektive, gar gesponsort parteiische Berichterstattung, zu betreiben.

Wie er all das macht und daneben noch sein Familienleben meistert, verrät uns Frank in einem kurzen Interview:

1. Welche deiner Interessen führten dich in Richtung Online-Szene?

Frank PuscherMein Beruf ist Kommunikation und Wissensvermittlung. Online ist das Medium der Wahl für beides. Dass ich inhaltlich beim Thema Online gelandet bin, verdanke ich vermutlich einem grundlegenden technischen Interesse (in meinem ersten Praktikum habe ich als MAZ-Techniker beim Fernsehen gearbeitet) und zweitens einer sehr glücklichen Fügung.

Michael Konitzer hat mich vor 17 Jahren zu Europe Online geholt, einem redaktionellen Projekt von Burda. Von den Erfahrungen, die wir damals gemacht haben, zehre ich noch heute.

2. Dein Fachgebiet ist Webdesign. Kannst du in wenigen Worten zusammenfassen, worauf es bei gutem Webdesign ankommt?

Webdesign sollte immer dem Zweck der Website und somit auch dem Zweck des Unternehmens dahinter folgen. Dieses wiederum hat sich daran auszurichten, was die Nutzer erwarten. Das kann dazu führen, dass ein Online-Shop puristisch und extrem einfach zu bedienen ist, weil der Kunde schnell seine Produkte bestellen will.

Eine themenbezogene Microsite hingegen darf spielen und emotional begeistern. Häufig herrscht aber gerade bei letzterem Aspekt die Unternehmenssicht vor. Das ist dann wie PR oder Werbung aus den Achtzigern. Die Frage, die man sich stellen sollte, ist, ob die Nutzer sich davon auch tatsächlich begeistern lassen. Das kann man inzwischen auch messen und das tun leider die Wenigsten. Gutes, innovatives Webdesign und Webanalyse bzw. Performancemessung sind keine Feinde. Sie haben das gleiche Ziel.

3. Wie führt man einen Usability-Test durch? Kannst du uns das anhand eines Beispiels näher erläutern?

Für einen Prototypen, also eine neue Website, liebe ich Usability-Schnelltests. Der Designer soll etwas entwerfen und damit möglichst früh auf die User zugehen und sie nach Feedback befragen, etwa im Starbucks um die Ecke. Formlos und entspannt.

Steht man kurz vor dem Launch, macht man das Gleiche nochmal im Labor mit fünf bis zehn Usern. Dabei ist ganz wichtig, dass auch Projektverantwortliche sehen, welche Probleme die User haben und zwar aus erster Hand. Man soll es nicht erst später im Bericht nachlesen.

Ist die Seite online, geht nichts über den A/B-Test. Man stellt zwei Varianten der Seite ins Netz und lässt die Hälfte der Nutzer auf die eine, die andere Hälfte auf die andere los. Die bessere Variante gewinnt. Wichtig: Bei der Hypothesenbildung, die ja bestimmt, welche Elemente einer Seite verändert werden, sollte man möglichst groß denken. Eventuell macht das Aufmacherbild einen viel größeren Unterschied als die Farbe eines einzelnen Buttons.

4. Wie sieht für dich ein normaler Arbeitstag aus?

Es gibt keinen repräsentativen Arbeitstag. Jeder ist anders und orientiert sich an den aktuellen Aufgaben. Ich bin rund 100 Tage im Jahr reisend unterwegs. Hier gilt, dass ich versuche, immer am Vortag einer Veranstaltung anzureisen um a) relaxed anzutreten und b) noch etwas von der Stadt mitzunehmen, in der ich bin. Ich esse furchtbar gerne lokale Küche, also den Sauerbraten in Köln mit einem oder mehreren Kölsch dazu.

Im Office ist der erste Halbtag – ich beginne um 9 – meistens mit administrativen Dingen gefüllt wie E-Mails beantworten, dummes Zeug auf Facebook schreiben, aber auch Rechnungen verfassen und Telefonate abarbeiten. Nachmittags gehts dann in die Themen. Ich versuche möglichst schnell ins Schreiben zu kommen, zum Beispiel bei einem einfachen Thema. Wenn eine komplexe Recherche ansteht, startet die in der Regel so gegen Drei. Und dann kann ich in der letzten Stunde von Fünf bis Sechs dazu schon erste Sachen schreiben und beende den Tag produktiv, das gibt ein gutes Gefühl.

Derzeit bin ich gerade dabei, mir Zeitfenster für kreatives Schreiben zu erobern. Das gelingt leider nur sehr unregelmäßig. Ich werde vermutlich dafür einen Jour fixe einrichten, also am Freitag zum Beispiel von Neun bis Elf in ein Café gehen und dort eben keine E-Mails abarbeiten, sondern einfach nur Gedanken zu Papier bringen. Ich würde das gerne auf dem Tablet mit Handschrifterkennung machen, aber das funktioniert technisch noch nicht gut.

Frank, vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns, dich auf der webinale in Berlin wiederzusehen.  

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