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Websites in Windows Azure erstellen (Teil 3)
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Deployment und Konfiguration
Das Ausrollen von Anwendungen in den bekannten Windows Azure Cloud Services hat Microsoft schon relativ einfach gemacht. Bei Windows Azure Websites wurde es jedoch noch einfacher.

Deployment und Konfiguration

Das Ausrollen von Anwendungen in den bekannten Windows Azure Cloud Services hat Microsoft schon relativ einfach gemacht. Bei Windows Azure Websites wurde es jedoch noch einfacher. Als Entwickler haben Sie drei Optionen, Websites in Windows Azure zu bringen:

  1. Den Web-Deploy-Mechanismus von Visual Studio und Web Matrix
  2. FTP
  3. Deployment direkt aus den Source-Control-Systemen Team Foundation Server (TFS) und Git

Web Deploy [1] ist ein Mechanismus von IIS zum Verteilen von Webanwendungen. Die Funktion ist in Visual Studio und Web Matrix mit wenigen Klicks verfügbar. Das Besondere an Web Deploy ist, dass nicht einfach alle Dateien auf den Server, in unserem Fall Windows Azure, kopiert werden. Stattdessen vergleicht Web Deploy die lokalen Dateien mit den Dateien am Server und überträgt nur die notwendigen Änderungen. Dadurch wird erheblich Zeit für den Upload- und den Deployment-Prozess gespart. Um Web Deploy für Ihre Website in Visual Studio einzurichten, können Sie vom Windows-Azure-Managementportal über den Hyperlink Download Publishing Profile das Web-Deploy-Profil herunterladen. In Abbildung 2 ist der erwähnte Hyperlink rot umrandet. Dieses Profil können Sie im Publish-Assistenten in Visual Studio laden. Die notwendigen Konfigurationseinstellungen für Ihre Website in Windows Azure werden dadurch automatisch in Visual Studio importiert. Abbildung 2 zeigt die importierten Einstellungen im Visual-Studio-Assistenten. Bei der ersten Veröffentlichung Ihrer Website mit Web Deploy müssen natürlich alle Dateien in Azure geladen werden. Wenn Sie jedoch zu einem späteren Zeitpunkt Änderungen an einzelnen Dateien vornehmen, wird Web Deploy nur noch Ihre Änderungen übertragen. Abbildung 3 zeigt, wie Web Deploy in Visual Studio erkannte Änderungen darstellt.

Abb. 2: Web Deploy mit Windows Azure Website
Abb. 2: Web Deploy mit Windows Azure Website
Abb. 3: Web Deploy erkennt Änderungen am Projekt
Abb. 3: Web Deploy erkennt Änderungen am Projekt

Der zweite Deployment-Mechanismus ist FTP. Damit Sie sich mit einer FTP-Software Ihrer Wahl zu Ihrer Windows Azure Website verbinden können, müssen Sie erst die Deployment Credentials einrichten. Das geschieht im Windows-Azure-Portal mit dem Hyperlink Reset deployment credentials (Abb. 4). Mit der dort eingegebenen Benutzer- und Passwortkombination können Sie eine FTP-Verbindung aufbauen. Beachten Sie dabei jedoch, dass Sie im FTP-Programm vor dem Benutzernamen den Namen Ihrer Website plus „“ setzen müssen, also beispielsweise meinewebsitemeinbenutzer. Ohne dieses Präfix schlägt die FTP-Verbindung fehl.

Abb. 4: Einrichten der Deployment Credentials für Git und FTP
Abb. 4: Einrichten der Deployment Credentials für Git und FTP

Der dritte Mechanismus basiert auf der Idee, dass Sie Ihre Website direkt aus Ihrem Sourcecode-Managementsystem veröffentlichen. Windows Azure Websites unterstützen im Moment TFS und Git. Eine genaue Beschreibung der TFS- und Git-Integration würde den Rahmen dieses Artikels leider sprengen. Interessierte Leser finden eine detaillierte Anleitung für TFS unter [3] und für Git unter [4]. Beachten Sie, dass die TFS-Integration sich auf die durch Microsoft in der Cloud gehostete TFS-Variante bezieht, die im Moment wie WAWS als öffentliche Preview-Version zur Verfügung steht. Bei Interesse können Sie sich dazu unter [5] anmelden.

Azure Website Gallery

Um das Verwenden populärer (Open-Source-)Webanwendungen in Windows Azure zu erleichtern, hat Microsoft mit den jeweiligen Herstellern zusammengearbeitet und gemeinsam mit ihnen die Azure Website Gallery aufgebaut. Mit ihrer Hilfe können Sie verschiedene fertige Webanwendungen wie Content-Managent-Systeme und Blog-Engines mit wenigen Klicks als Windows Azure Website veröffentlichen (Abb. 5 zeigt einen Screenshot der Azure Website Gallery). Auf diese Weise kommen Sie in kürzester Zeit und ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben beispielweise zu Ihrer eigenen, in Azure betriebenen Installation von WordPress. Die fertig installierte Version der Musteranwendungen können Sie anschließend z. B. über FTP herunterladen und wenn notwendig an Ihre Bedürfnisse anpassen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Azure Website Gallery nicht um einen Marktplatz ähnlich dem kommenden Windows Store für Windows 8 handelt. Über die Gallery kann man keine kostenpflichtigen Programme kaufen oder kostenpflichtige Funktionen freischalten. Sie dient lediglich dazu, den Installationsprozess soweit als möglich zu vereinfachen. Auch Support erhält man von Microsoft bezüglich der Anwendungen in der Azure Gallery nicht, dafür muss man bei Bedarf direkt Kontakt zum jeweiligen Hersteller aufnehmen, der im Eintrag in der Azure Gallery genannt wird.

Abb. 5: Azure Website Gallery
Abb. 5: Azure Website Gallery
Fazit

Windows Azure Websites vereinfachen den Betrieb von Webanwendungen für die Windows-Azure-Plattform enorm. Azure hat damit einen großen Schritt in Richtung PaaS gemacht und ermöglicht es Entwicklern, sich ganz auf die Erstellung ihrer Softwarelösung zu konzentrieren. Der besondere Reiz von Windows Azure Websites liegt in der Skalierbarkeit: Man startet kostenlos im Shared Mode und kann Schritt für Schritt bis zu einer Webfarm mit drei reservierten, extragroßen Servern ausbauen. Auf diese Weise kann man auf Nutzungs- und Umsatzschwankungen reagieren, die Kosten passen sich entsprechend an.

So schön das in der Theorie klingen mag, in der Praxis gibt es noch einige Probleme bei den Windows Azure Websites: Erstens gibt es während der im Moment laufenden Preview-Phase nur beschränkten Support, zweitens ist die verfügbare Dokumentation noch recht spärlich und drittens gibt es für den Shared Mode weder Custom-Domainnamen noch SSL. Wenn das Konzept von Windows Azure Websites für Sie interessant erscheint, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit der Entwicklung zu beginnen, die Plattform ist aber heute noch nicht für den Betrieb von geschäftskritischen Webanwendungen geeignet. Der Dienst hat jedoch auf jeden Fall enormes Potenzial und erfreut sich bereits jetzt in der Testphase großer Beliebtheit bei Webentwicklern.

Rainer Stropek ist IT-Unternehmer, Softwareentwickler, Trainer, Autor und Vortragender im Microsoft-Umfeld. Er ist seit 2010 MVP für Windows Azure und entwickelt mit seinem Team die Zeiterfassung für Dienstleistungsprofis time cockpit.
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