Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse (1910-1995)

"Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht doch einfach den Stecker aus der Steckdose."
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Konrad Zuse gilt als einer der Erfinder des Computers. Zumindest gilt die von ihm entworfene und später in Z1 getaufte Rechenmaschine als erster programmgesteuerter Rechner der Welt – Zuse selbst wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Nach dem Abitur (1928) studierte er an der Technischen Hochschule Charlottenburg Bauingenieurwesen. Danach arbeitet er bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin.

Was sich hier so trocken ließt, muss Zuse Anfang des 20. Jahrhunderts ähnlich trocken empfunden haben, bereits nach einem Jahr kündigte der Tüftler wieder und machte sich an einen Entwurf, der es ihm erlauben sollte, stupide Rechenarbeiten auf eine Maschine übertragen zu können.

Konrad Zuse wollte dabei binär arbeitende Rechner bauen, sie sollten mit so genannten bistabilen Bauelementen arbeiten. Nach diesem Prinzip sollten nicht nur Zahlen verarbeitet werden, sondern die gesamte Maschine sollte auf diesem Prinzip (Aussagenlogik) beruhen. Die erste Maschine (Z1) konstruierte er in den Jahren 1936 bis 1938. Es war die erste programmierbare Rechenmaschine der Welt. Einen Nachbau kann man heute im Museum für Verkehr und Technik in Berlin besichtigen. Weiterentwicklungen waren die Z2 (1938/1939) und die Z3 (1941). Letztere beinhaltete ca. 600 Relais im Rechenwerk und 1.400 Relais im Speicher. Bis heute gilt die Z3 als der erste funktionsfähige, frei programmierbare, auf dem binären Zahlensystem und der binären Schaltungstechnik basierende Rechner der Welt. Die Z4 – begonnen im Jahr 1942 – wurde 1949 nach dem Krieg restauriert und war ab 1950 für 5 Jahre an der Eidgenössisch-Technischen Hochschule in Zürich im Einsatz.

In den Jahren 1942 bis 1946 arbeitete Konrad Zuse an einer universellen algorithmischen Sprache, bezeichnet als Plankalkül. Diese enthielt u. a. Zuweisungszeichen, Datenstrukturen, Datentypen, wie Gleitkommazahlen, Festkommazahlen, Unterprogrammtechnik, verschiedene Schleifentypen (u. a. die WHILE-Schleife) und darüber hinaus umfangreiche Abhandlungen zu Schachprogrammen. Die Veröffentlichung des Plankalküls erfolgt erst 1971.

Weitere wichtige Meilensteine Konrad Zuses waren die Gründung der Zuse AG in Neukirchen (1949) und die Entwicklung eines sehr genau arbeitenden automatischen Zeichentisches, der Graphomat 64, im Jahre 1959. Ab 1966 beschäftigte sich Zuse mit den theoretischen Grundlagen der Computertechnik und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Konrad Zuse starb am 18. Dezember 1995.

Wohin uns die Grundlagenarbeit Zuses bis heute gebracht hat, war für den Entwickler seinerzeit nicht vorherzusehen gewesen. Noch kurz vor seinem Tod soll Konrad Zuse in einem Gespräch mit Bill Gates eingeräumt haben, dass er es nie für möglich gehalten hätte, dass man mit Software eines Tages Geld verdienen könne. Heute basieren milliardenschwere Industrien auf Software wie auf Hardware gleichermaßen und für die Zukunft versprechen Utopien und Dystopien gleichermaßen eine noch engere Verzahnung von Mensch, Maschine und Software.

Zur Macht der Computer soll Konrad Zuse gesagt haben: Wenn die Computer zu mächtig werden, dann zieht doch einfach den Stecker aus der Steckdose.

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