Interview mit Kerstin Probiesch und Stephan Heller über den Gewinn der Biene in Bronze

"Wenn man es einmal verinnerlicht hat, kann man nicht mehr anders."
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Bei der Verleihung der diesjährigen Biene haben wir gelernt, dass es viele unterschiedliche Arten gibt, wie Gewinner mit der Ehre umgehen. Einige freuen sich still, andere jubeln bereits, wenn die Laudatio beginnt und langsam klar wird, wer eine Biene erhält. Wieder andere sind aufrichtig überrascht – wie Kerstin Probiesch und Stephan Heller, die Macher des 1a-url-Webcounters.

Hallo ihr beiden. Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Biene in Bronze. Erzählt doch etwas über Euer Projekt.

Stephan Heller: Mit der Programmierung des Webcounters habe ich 2006 begonnen. Meine Idee war und ist, ein einfaches Marketing-Instrument zu bauen, mit dem man SEO-Maßnahmen verwalten, verfolgen und auswerten kann. Was man aktuell sieht ist erst die Stufe 1 und die Basis für das eigentliche Projekt.

Kerstin Probiesch: Ausgewertet werden in Echtzeit die Zugriffe pro Tag, Monat und Jahr, Seitenaufrufe und Wiederkehrer sowie die Verteilung der Zugriffe auf die verschiedenen Browser, was für die CSS-Codierung relevant sein kann. Anhand der Klickpfade sieht man, welche Seiten die Besucher nacheinander angesteuert haben. Wie bei jedem Counter kann man natürlich Herkunftsländer sowie Bildschirmauflösungen sehen und ob JavaScript und Cookies aktiviert waren. Und von welchen Seiten die Besucher gekommen sind bzw. von welcher Suchmaschine und mit welchem Suchbegriff. Selbstverständlich lässt aber der Webcounter keine Rückschlüsse auf konkrete Personen zu.

Stephan Heller: Wie erwähnt, angefangen habe ich das Projekt 2006. Mit kleinem Budget sind über drei Jahre hinweg die grundsätzlichen Funktionalitäten entstanden. HTML und CSS war dabei immer mein Part, PHP habe ich teilweise in Auftrag gegeben, teilweise auch selber programmiert. Solange bis die Funktionalitäten so waren wie ich sie mir vorgestellt hatte. Aber wie oben beschrieben: Das Projekt befindet sich gerade in einem Zwischenstatus und die Liste der unerledigten Features ist noch lang. Und obwohl ich in der Vergangenheit oft kurz davor war, das Projekt einzustellen, fühle ich mich gerade durch die BIENE bestärkt, weiter zu machen, da ich daran glaube, dass es Leute gibt, die genau ein solches Tool in seiner Einfachheit haben möchten.

Warum habt Ihr Euch entschieden, das Angebot barrierefrei zu gestalten?

Stephan Heller: Dass es barrierefrei sein soll war nie eine Frage, sondern ist die Konsequenz meiner grundsätzlichen Arbeitsweise. Als ich mich in 2004 selbständig gemacht habe, bin ich erstmals über das Thema Barrierefreiheit gestolpert. Nach einer müßigen Festanstellung (die mir den Beruf fast vermiest hätte) machte für mich Internet auf einmal wieder richtig Sinn. Aber natürlich möchte ich Barrierefreiheit in diesem Projekt als „Alleinstellungsmerkmal“ hervorheben. Es gibt viele Counter, aber viele arbeiten mit Flash oder die Auswertungen sind sehr kryptisch. Neben einer sauberen und barrierefreien Programmierung sind mir einfache und intuitive Auswertungen wichtig.

Kerstin Probiesch: Als Beraterin und Prüferin von Barrierefreiheit ist es ja sozusagen „mein Job“. Durch die Begleitung anderer Projekte und meiner langjährigen Tätigkeit beim DVBS wusste ich aber auch, dass der barrierefreie Zugriff auf Websitestatistiken gerade für Menschen mit Behinderungen ein Problem ist. Und natürlich möchte ich gerne bestehenden und zukünftigen Kunden ein Tool empfehlen können, das möglichst wenige Hürden aufbaut. Menschen mit Behinderungen werden ja – wenn überhaupt – vor allem als Besucher von Websites und damit oft nur als „Informationssuchende“ bzw. bloße Rezipienten wahrgenommen. Das ist selbstverständlich ein wichtiger Punkt. Barrierefreies Web geht jedoch darüber hinaus. Es bedeutet, auch selber mit eigenen Websites, Blogs usw. aktiv zu sein und eben auch den Erfolg des eigenen Webangebots einschätzen zu können – und zwar ohne fremde Hilfe. Da wir bereits Anfang des Jahres ein anderes, kleines Webprojekt gemeinsam umgesetzt haben und dort auch die Webseitenstatistik ein Thema war, lag es dann einfach nahe „mal drauf zu schauen“.

Hatte das Buchprojekt, an dem Kerstin mit Jan Eric Hellbusch arbeitet, etwas damit zu tun?

Kerstin Probiesch: Eher indirekt. Bei einem solch umfangreichen Buch wie „Barrierefreiheit verstehen und umsetzen“ von Jan Eric Hellbusch und mir braucht es jemanden, der nochmal die Code-Listings gegenliest, diese ggf. umsetzt und die Screenshots verwaltet. Mit dem Schreiben allein ist es ja nicht getan. Dabei hat uns Stephan Heller dankenswerterweise unterstützt. Und wenn man feststellt, dass man gut miteinander kann, liegt es nah, dass man diese Zusammenarbeit ausweitet.

Auf der Bühne habt Ihr erzählt, dass Ihr nicht damit gerechnet hattet, eine Biene zu gewinnen. Warum?

Stephan Heller: Man kennt ja seine eigenen Baustellen immer am besten und kennt auch seine Lücken. Von daher war für mich der Gewinn einer BIENE keine sichere Sache. Als ich den Counter im Mai 2010 eingereicht habe war es mein Ziel, auf der Nominierungsliste zu stehen – und dass ich mich über eine BIENE in Bronze riesig freuen würde. Nun, beides hat geklappt und macht mich sehr glücklich.

Kerstin Probiesch: Eine Websitestatistik ist ja ein nicht so ganz übliches Angebot. Da kommt man dann schon ins Grübeln: Ist das Angebot für einen Wettbewerb wie die BIENE relevant genug? In diesem Jahr waren zudem Transaktionsangebote gefragt und natürlich habe ich mir darüber Gedanken gemacht, ob der Transaktionsanteil ausreichend ist. Die Nominierungsliste war dann schon eine echte Überraschung und die BIENE in Bronze noch mehr.

Stephan, die Jury hatte unter anderem die Adresse bemängelt; bei der Dankesrede hattest du jedoch eine plausible Erklärung dafür – könntest du das noch einmal zusammenfassen?

Stephan Heller: Ja, die Kritik der Jury, ich würde mit der Domain eine Art Guerilla-Marketing betreiben (die genaue Begrifflichkeit des Laudators habe leider nicht mehr präsent), ist berechtigt. Als ich die URL in 2006 gebucht habe, hatte ich mich gerade viel mit SEO und Webseitenoptimierung beschäftigt und wollte in Listen mit Webcountern – ein Feld, in dem es viel Konkurrenz gibt – ganz oben stehen. Nun denn, ich habe früher auch Tabellen-Layouts gemacht, so hat ja jeder seine „Makel“ in seiner Karriere. Heute würde ich eine andere Domain dafür suchen, aber jetzt ist sie erst mal gesetzt – und wenn sie sich als Marke durchsetzt, habe ich nichts dagegen.

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