Mobilfunkunternehmen rüsten angesichts Datenexplosion auf

Wider die Datenflut
Kommentare

Der Umgang mit dem Datenvolumen des mobilen Internets und besonders der rasante Anstieg des Nutzungsbedarfs sind wohl die am meisten diskutierten Themen der Mobilfunkindustrie. Laut einer Studie wird die Zahl der mobilen Breitbandnutzer in den kommenden Jahren weltweit geradezu explodieren. Der Anstieg der Zahl von Smartphonekunden und die verstärkte Marktdurchdringung der neuen Tablet-Produkte sowie die ebenfalls vermehrte mobile Nutzung von Videodiensten sind die Hauptursachen für die Datenexplosion.

Entwickler Magazon

Der Artikel „Wider die Datenflut“ von Marc Homsy ist erstmalig erschienen im Entwickler Magazin 2.2012

Laut der Studie „Traffic and Market Data Report“ [1], die auf langjährigen Messungen des tatsächlichen Datenverkehrs in den Mobilfunknetzen beruht, wird die Zahl der mobilen Breitbandnutzer von derzeit rund 900 Millionen auf knapp fünf Milliarden im Jahr 2016 ansteigen. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur die Erwartungshaltung der Verbraucher, sondern auch die Marketingstrategien auf der Betreiberseite. Die überraschend stark angestiegene Nachfrage sorgte auch beim Mobilfunkkonzern Vodafone Deutschland für neue Überlegungen. Gemäß den Berechnungen wurde ein Wachstum des Datenvolumens von 50 Prozent pro Jahr prognostiziert, tatsächlich lag der Wert jedoch bei 100 Prozent mit steigender Tendenz.

Herausforderung für Netzwerke

Die große Nachfrage nach mobilem Datenzugang wird sowohl durch Postpaid- als auch vermehrt durch Prepaid-Kunden generiert und bezieht sich zudem auf anspruchsvollere mobile Anwendungen, wie das mobile Highspeed-Internet. Weitere stehen bereits vor der Tür, wie das mobile Breitband-LTE der vierten Generation, das noch umfangreichere Datenvolumen fordern wird. Das bestehende Mediationssystem hatte Vodafone zu einer Zeit implementiert, als die Datenexplosion noch nicht absehbar war. Bedingt durch die Entwicklungen der vergangenen Jahre benötigte man eine Lösung für die Nutzung von Anwendungen und Hardware, die nicht nur den derzeitigen Bedarf decken, sondern auch für zukünftig weit höhere Anforderungen skalierbar sein sollte. Ein Teil der neuen Strategie bestand zudem in einem Wechsel zu einer Linux-Plattform, die eine einfachere Bedienung, einen effizienteren Einsatz von Hardware und unkomplizierte Erweiterungsmöglichkeiten versprach. Diese Bedingungen erfüllte Amdocs mit seinem Mediation-System, sodass man sich bei Vodafone entschloss, dieses Produkt in die IT-Architektur zu integrieren. Vodafone arbeitet mit Amdocs bereits seit Langem in verschiedenen Bereichen intensiv zusammen, darunter Rechnungsstellung, Servicebereitstellung sowie OSS. Die Implementierung von Amdocs Mediation dauerte bei Vodafone nur neun Monate. Der Partner HP unterstützte die Implementierung und den Rollout vor Ort.

Management einer Mediationsplattform

Mit der Amdocs-Lösung Mediation 8 können täglich mehr als 400 Millionen Netzwerkevents verarbeitet werden, und sie bietet die Kapazitäten für dreimal so viel Datenverkehr. Sobald ein Smartphone eingesetzt wird, werden Daten für die Rechnungsstellung und die Analyse der Nutzeraktivitäten generiert. Die marktführende Lösung von Amdocs sammelt diese Daten und leitet sie zur Abrechnung weiter. Dabei konsolidiert Amdocs Mediation 8 in einem einzigen System alle Services wie Voice-, Daten- oder Content-Service sowie sämtliche Zahlungsarten wie Prepaid, Postpaid, Festpreis- oder Content-basierte Abrechnung. Und sie unterstützt gleichermaßen die Echtzeit- und Batch-File-Verarbeitung.

Für jeden Vorgang im Datennetz wird auf Basis der Netzwerkkapazität, der Informationen über den Kunden und weiterer relevanter Angaben die Lösung für die jeweils beste Durchführung eingebracht. Das bedeutet, dass sich die Netzwerkservices für unterschiedliche Kunden zu unterschiedlichen Zeiten unterscheiden, also nach Bedarf personalisiert werden. So können unmittelbar Änderungen an der zur Verfügung stehenden Bandbreite vorgenommen werden. Der Entscheidung für den jeweiligen Service liegen sowohl das Profil des Kunden, zum Beispiel das Alter und der Wohnort, als auch die Art und Häufigkeit der Nutzung mobiler Daten zugrunde. Auch Neukunden oder Kunden, die einem bestimmten Muster folgen, können gezielter angesprochen werden. Eine weitere Informationsbasis bietet dem Betreiber der aktuelle Netzwerkstatus mit Angaben über dessen Leistung oder auch für Fehlermeldungen. Damit kann ein Echtzeitservicemanagement vorgenommen und den Postpaid- und Prepaid-Kunden können nach Bedarf auch Berechtigungen für zusätzliche Service übertragen werden.

Auch wenn Mediation-Systeme vorrangig zur Rechnungsstellung genutzt werden, bieten moderne Lösungen vollkommen neue Einsatzmöglichkeiten. Mediation-Plattformen der heutigen Generation sind Echtzeitsysteme und daher hochverfügbar. Sie bieten die Voraussetzung für ein verbessertes Servicemanagement, mit dem beispielsweise einfach und schnell neue Benutzeroberflächen erstellt und die Prozesse für die Personalisierung, die Autorisierung, die Klassifizierung und die Priorisierung der Nutzungsdaten definiert werden können. Sie sind zentral in der IT- und Netzwerkumgebung des Service-Providers installiert und kommunizieren mit zahlreichen Netzwerksystemen und unterschiedlichen Anwendungen.

Eine moderne Mediation-Lösung bereitet große Mengen an Rohdaten zu verwertbaren Informationen für das Unternehmen auf, zum Beispiel das Nutzungsverhalten, die Servicequalität oder auch die Netzwerkleistung, die täglich aus vielen verschiedenen Netzwerksystemen gesammelt werden,. Diese kundenspezifischen Ergebnisse ermöglichen es den Service-Providern Optimierungspotenziale bei den Netzwerkservices zu identifizieren, um ihre bestehenden Services anhand dieser Erkenntnisse zu verbessern und gleichzeitig neue Dienste schneller und gezielter einführen zu können.

Kapazitäten erweitern und Kosten einsparen

Mit Amdocs habe Vodafone einen bedeutenden Schritt in Richtung einer Erhöhung der Rentabilität vollzogen, teilt das Unternehmen mit. Die Lösung sei skalierbar, zukunftssicher und leicht zu bedienen, außerdem habe Amdocs viel Erfahrung im Mobilfunkmarkt und speziell in der Optimierung der Prozesse. Darüber hinaus konnten die Hardwarekosten reduziert und gleichzeitig konnten aus dem bestehenden IT-System größtmögliche Effizienz erzielt werden. So erreichte man das Ziel, die Serverhardware mit der Linux-Umgebung soweit wie möglich durch eine günstigere Hardware zu ersetzen.

Das Linux-Betriebssystem erleichtert die übergreifende Anwendung der Plattform bei gleichzeitiger Reduzierung der benötigten Hardware und damit der Kosten. Vodafone nutzt das alte und das neue System derzeit noch parallel, um einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen. Da Amdocs Mediation nahtlos in die Linux-Blade-Server integriert wurde, erwartet man eine Reduzierung der Hardwarekosten um bis zu 20 Prozent. Die gesamte Dauer zwischen der Nutzung bis zur Rechnungsstellung wurde von neun auf sechs Stunden reduziert. Für die Mobilfunkkunden ergeben sich ebenfalls spürbare Verbesserungen. Die Zeit zwischen der mobilen Datennutzung und dem Überblick über die Kosten hat sich erheblich verringert. Auch im Kontakt mit dem Provider genießen Kunden einen verbesserten Service. Die Zeit, die ein Anrufer in der Leitung eines Kunden-Call-Centers verbringt, konnte um durchschnittlich 30 Prozent verkürzt werden.

Amdocs hat genau die Skalierbarkeit geboten, die für den zu erwartenden Ansturm benötigt wurde, heißt es bei Vodafone. Mit der Bearbeitung von mehr als 800 Millionen Datensätzen täglich könne Amdocs Mediation das gegenwärtig vorausgesagte Volumen unter Einsatz weiterer Hardwareserver und mit einigen minimalen Änderungen der Konfigurationen verdoppeln. Dann sind auch eine Million Datensätze pro Tag denkbar. Angesichts des Vormarsches von LTE ist das eine durchaus beruhigende Aussicht.

Marc Homsy ist Sales Director für die DACH-Region und verantwortet sämtliche vertriebliche Aktivitäten rund um das Amdocs-Lösungsportfolio: Operational Support Systems (OSS), Resource Management, Customer Relationship Management (CRM) und Business Support Systems (BSS) Software und Dienstleistungen. Vor seiner Tätigkeit bei Amdocs hatte Homsy bei FileNET und Vignette jeweils Positionen mit Vertriebsverantwortung inne. Bis zum Jahr 2006 war er bei Cramer Systems tätig, das von Amdocs aufgekauft wurde.
Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -