Rebuilding everything?

Wie Google und Opera, Mozilla und Samung das Web verändern wollen
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Manchmal öffnet man morgens seine Timeline und wird von Neuigkeiten schier überrannt. So lief es heute morgen: Gleich zwei große Player im Web haben neue Rendering Engines vorgestellt. Google und Opera wollen mit Blink, einem WebKit-Fork, durchstarten; Mozilla und Samsung werfen mit Servo gleich etwas komplett Neues auf den Markt. Eine Zusammenfassung.

Opera und Google: Blink

Es ist noch nicht allzu lange her, da hatte man sich bei Opera zugunsten von WebKit von seiner eigenen Rendering Engine „Presto“ verabschiedet. Ein logischer Schritt, wenn auch ein gewagter. Opera hat viele hervorragende Entwickler beschäftigt, die Norweger waren bei der Umsetzung des HTML5-Standards stets ganz vorne mit dabei. Nur den Durchbruch hat man auf dem Markt für Desktop-Browser nie geschafft. Natürlich war und ist das nicht das Kerngeschäft, doch begab man sich so auf einen Pfad ins Ungewisse: als ein Contributor von vielen in ein so wichtiges Open-Source-Projekt wie WebKit.

Gestern nun gab es einen ersten Paukenschlag, als Google eine neue Rendering Engine für das Chromium-Projekt veröffentlichte: Blink. Der Schritt wurde notwendig, da Chromium eine andere Multi-Prozess-Architektur als andere auf WebKit basierte Browser verwende.

However, Chromium uses a different multi-process architecture than other WebKit-based browsers, and supporting multiple architectures over the years has led to increasing complexity for both the WebKit and Chromium projects. This has slowed down the collective pace of innovation [.] Adan Barth, Google

Blink ist ein Fork der WebKit-Engine, der von Entwicklern nur wenig Umdenken verlangen soll. Zunächst werden architektonische Änderungen in Angriff genommen, außerdem soll die Codebasis vereinfacht werden. Barth geht davon aus, dass mehr als 7000 Dateien gelöscht werden könnten – mehr als 4,5 Millionen Zeilen Code. Diese Entschlackungskur führe auf lange Sicht dazu, dass die Engine stabiler werde und weniger Bugs beinhalte.

Schnell bemühte man sich bei Opera indes, auf den Zug aufzuspringen. Bereits gestern gab es ein offizielles Statement von Lars Erik Bolstad, CEO von Opera: „Our ambition is to contribute Opera’s browser engine expertise to Blink, ranging from the implementation of new web standards to improvements in existing code.“

Zwei starke Player, die in der Vergangenheit bereits bewiesen haben, dass sie das Web als Plattform voranbringen wollen, haben sich also zusammengeschlossen. Allerdings hat man die Entscheidung nicht einfach über’s Knie gebrochen – man ist sich durchaus bewusst, dass die Einführung einer neuen Rendering Engine einen großen Einfluss auf das Web haben kann. „Nevertheless, we believe that having multiple rendering engines-similar to having multiple browsers-will spur innovation and over time improve the health of the entire open web ecosystem“, so Barth weiter.

Man arbeite jedenfalls eng mit anderen Browser-Herstellern zusammen, um ein erfolgreiches Ökosystem etablieren zu können. Eigens dafür wurden strikte Guidelines für die Entwicklung neuer Features aufgesetzt, die die Standards, Interoperabilität, Konformitätsprüfungen und Transparenz betonen sollen.

Vor allem wegen Googles eigener Produkte – Android und das Chrome Book – dürfte sich die Anstrengung lohnen, lassen sich doch auf diesem Wege Features integrieren, mit denen sich aufwändige UIs deutlich performanter gestalten lassen.

Mozilla und Samsung: Servo

Deutlich überraschender ist hingegen die zweite Engine-Neuigkeit, die gestern offiziell bekannt gegeben wurde. Mozilla und Samsung haben die Zusammenarbeit von etwas begonnen, das ebenfalls das Web als Plattform stärken und weiter voranbringen soll. Die Rede ist von Servo, einer Rendering Engine, die die Vorteile von „tomorrow’s faster, multi-core, heterogeneous computing architectures“ voll ausschöpfen soll. Das Ziel der Entwickler rund um Brendan Eich ist klar gesetzt:

Servo is an attempt to rebuild the Web browser from the ground up on modern hardware, rethinking old assumptions along the way. This means addressing the causes of security vulnerabilities while designing a platform that can fully utilize the performance of tomorrow’s massively parallel hardware to enable new and richer experiences on the Web. Brendan Eich, Mozilla

Servo für Android und ARM-basierte Devices steht seit gestern zum Download bereit.

Doch das ist bei weitem noch nicht die einzige Neuigkeit. Denn Servo ist mit Rust in einer neuen, eigens von Mozilla und einer wachsenden Community von Enthusiasten entwickelten Sprache geschrieben, die ebenfalls gestern in Version 0.6 veröffentlicht wurde.

Rust soll dieselben Nischen füllen, die in den letzten Jahrzehnten von C++ bedient wurden. Zu den herausragendsten Eigenschaften sollen sowohl die präzise Kontrolle über Hardware-Ressourcen als auch etwas, das von Eich als „safe by default“ bezeichnet wird, zählen. Letzteres spiegelt sich beispielsweise darin wieder, dass Speicher-Management-Fehler verhindert werden sollen, die zu Crashes und Sicherheitlücken führen würden. Bereits kommendes Jahr soll die erste Major Revision von Rust verfügbar sein.

Samsung hat in einem ersten Schritt bereits ein ARM-Backend für Rust bereitgestellt. Das Ziel von Samsung und Mozilla ist es nun, die Möglichkeiten von Servo auf mobilen Plattformen unter die Lupe zu nehmen. Hier dürfte vor allem Mozillas Vorstoß mit Firefox OS in die Welt der mobilen Betriebssysteme eine tragende Rolle spielen – eine Kooperation zwischen Samsung und Mozilla scheint sich deutlich abzuzeichnen.

Wider die Monokultur

Gestern wurden zwei spannende Ansätze vorgestellt, und beide sorgen dafür, dass die Entwicklungen im Web nicht stillstehen. Jedenfalls werden uns so Meldungen im Stile von „Diese Seite ist optimiert für WebKit-Browser“ erspart bleiben. Sorgen machen müssen wir uns jedenfalls nicht:

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